Bad Mergentheim

Integratives Theater Das Stück „Es war einmal . . . Der Teufel“ wird am 13., 14. und 21. Oktober in Unterschüpf, Althausen und Bad Mergentheim aufgeführt / Vorfreude auf die Premiere

Mit Disziplin und viel Spaß bei den Proben aktiv

Archivartikel

„Er war einmal . . . Der Teufel“ – so der Titel des vierten integrativen Theaterprojekts des Vereins „Sprungbrett“. Es hilft, Berührungsängste abzubauen, Menschen mit Behinderung zu integrieren.

Bad Mergentheim/Unterschüpf. Florian Brand erwartet Disziplin bei den Proben. Gleichzeitig ist es aber sein Bestreben, dass der Spaß bei den Darstellern keinesfalls zu kurz kommt. Diesen Balanceakt scheint der erfahrene und sehr erfolgreiche Regisseur gut zu bewältigen. Denn die Schauspieler, sowohl jene mit als auch die ohne Handicap, sind hoch motiviert, voll konzentriert, gleichzeitig aber auch mit großer Vorfreude bei der Sache.

Bevor am Samstag, 13. Oktober, die Premiere für in Unterschüpf auf dem Programm steht, gehen die Proben langsam, aber sicher auf die Zielgeraden – das Lampenfieber steigt bei den Aktiven. Schließlich wollen alle perfekte Auftritte vor hoffentlich jeweils großer Kulisse abliefern.

In vielen Märchen zugegen

„Der Teufel und seine Großmutter“, „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“, „Der Richter und der Teufel“ – es gibt genügend Märchen, in denen Mephisto im Mittelpunkt steht. Die Figur ist, wie wohl kaum eine andere, als die Personifikation des Bösen ins kulturelle Leben sowie die alltägliche Sprache der Menschen eingedrungen. Für Florian Brand und seine Crew ein guter Grund, sich diesem Wesen vor der Kirche als Kulisse in einer Stückentwicklung anzunähern.

In den drei Aufführungen werden die Teufelsmotive aus verschiedenen Märchen aufgegriffen und zusammengebracht. Ob als edler Herr, als graues Männchen oder aber als gefallener Engel – der Teufel hat sehr viele Gesichter in seinem Repertoire, die dem Betrachter entgegenblicken. Mit choreographischen, tänzerischen, musikalischen, literarischen und Mitteln des Theaters soll jenem „Geist, der stets verneint“, nachgespürt werden, um die Zuschauer mit ins Boot zu holen.

Im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten lobt Regisseur Florian Brand das gute Miteinander von Menschen mit und ohne Handicap sowie deren Motivation, mit der sie auf der Bühne stehen. Explizit hebt der das harmonische Miteinander hervor, mit denen alle spielten. Dies sei umso bemerkenswerter, da es sich „um ein philosophisches Stück handelt, in dem es viele Monologe gibt“. Diese gemeinsamen Auftritte schweißen alle noch enger zusammen, „schließlich könnten Laienschauspieler und Menschen mit Behinderung voneinander in verschiedener Hinsicht profitieren und Erfahrungen daraus ziehen, die ihnen im Alltag etwas bringen“, so Brand weiter. Er spricht hier auch gerne von „einem fruchtbaren Austausch“ untereinander.

Stück ein „Experiment“

Das Stück selbst bezeichnet Brand als interessantes „Experiment“, bei dem viele Puzzleteile zu einem Gesamtkonzept zusammengefügt würden. Der Betrachter soll dadurch Anstöße zur Diskussion erhalten und sich fragen, wie viel vom Bösen denn in den Menschen stecke. Der Gegensatz Teufel und Kirche werde bei dem einen oder anderen vielleicht auch etwas anecken. Doch genau darin liege das Ziel, solch ein Stück zur Aufführung zu bringen. Die Besucher sollen nämlich aktiv eingebunden werden, um hinterher über Sinn und Zweck des Stückes miteinander ins Gespräch zu kommen. Wenn das gelinge, sei vieles richtig gemacht worden. Er, Florian Brand, sei jedenfalls total gespannt.

Der Verein „Sprungbrett“ bietet im Rahmen der offenen Hilfe Menschen mit Handicap ein Angebot der Freizeitgestaltung in verschiedenen Bereichen an, darunter auch der kulturelle. Ziel sei es, so die Vorsitzende Dr. Sabine Kaplirz zu Sulewicz gegenüber unserer Zeitung, die Eigenständigkeit der jungen Menschen mit Handicap durch Anregung zur aktiven Freizeitgestaltung zu unterstützen. „Inklusion wird bei uns deshalb großgeschrieben.“

Bereits die vierte Auflage

Deswegen sei es auch außer Frage gestanden, bereits zum vierten Mal durch den Verein „Sprungbrett“ solch ein integratives Theaterprojekt auf die Beine zu stellen. Alles in allem zähle das aktuelle Ensemble rund 60 Personen. Die letztlich alle unter einen Hut zu kriegen, sei eine besondere Herausforderung, die unter der Leitung von Florian Brand aber hervorragend gemeistert werde.

Auch für Dr. Sabine Kaplirz zu Sulewicz ist dieses erfolgreiche Theaterprojekt wichtiger Bestandteil ihres Tuns. „Denn dadurch wird bei den Menschen mit Handicap das Selbstwertgefühl deutlich gesteigert.“ Dies sei ein wichtiger Punkt hinsichtlich ihrer weiteren persönlichen Entwicklung, so die Vereinschefin. Für sie und ihre Mitstreiter bei „Sprungbrett“ stehe es deshalb außer Frage, sich auch in Zukunft dafür einzusetzen, Menschen mit Handicap, und davon gibt es viele, den Weg in eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Freuen würde sich der Verein „Sprungbrett“ allerdings über weitere ehrenamtliche Menschen, die sich mit dessen Zielen identifizierten und sich aktiv einbrächten.