Bad Mergentheim

Sonderkonzert Frédéric Otterbach spielte zum 225. Geburtstag von Komponist Carl Arnold

Mit einer perfekten Dynamik am Werk

Archivartikel

Bad Mergentheim.Ein junger Musiker gratulierte dem Bad Mergentheimer Komponisten Carl Arnold zum 225. Geburtstag: Frédéric Otterbach, Klavier, gab ein Sonderkonzert in der Wandelhalle.

Nach einem Capriccio von Johannes Brahms und den „Images“ von Claude Debussy, die der 21-jährige Künstler in einer sehr reifen und eindringlichen Art spielte, folgte ein Vortrag von Volker Burkhart über Carl Arnolds Leben und seine große Bedeutung für die Musikwelt.

Die Zuhörer erfuhren unter anderem, dass sich Johann Gottfried Arnold, Stadtmusiker und Cellist aus Niedernhall, im Jahre 1793 in die Tochter eines Nagelschmieds aus Blaufelden verliebte. Diese stand damals in Neunkirchen, dem heutigen Stadtteil von Bad Mergentheim in Diensten. Am 6. Mai 1794 gebar sie ein uneheliches Kind, das auf den Namen Friedrich Carl Gottfried Arnold getauft wurde. Dieser wurde von den besten Lehrern im Fach Klavier und Komposition unterrichtet.

Sein Klavierlehrer Hofmann, der mit Wolfgang Amadeus Mozart befreundet war, „konnte Carl wertvolle Mitteilungen über Mozarts Klavierspiel weiter geben“. Carl begann während der Befreiungskriege 1813 bis 1815 seine ersten Konzertreisen nach Weimar, wo er womöglich Goethe besuchte, 1816 nach Berlin, wo er treffliche Kritiken für sein Klavierspiel und seine eigenen Kompositionen erhielt. Weiter ging es nach Prag, Breslau und Warschau, wo sein erstes Porträt entstand, nach Wien, wo er mit Beethoven, Schubert, Carl Maria von Weber und anderen in Verbindung stand.

Weitere Ziele waren Krakau, wo er zum Ehrenbürger ernannt wurde, weil er mit einem beherzten Sprung ins reißende Wasser der Weichsel einem ertrinkenden jungen Mann das Leben rettete.

In Warschau traf Arnold auf den damals neunjährigen Chopin, den er wohl mit gewissen Passagen in seinem Klavierkonzert so sehr inspirierte, dass dieser in eben derselben Manier seine späteren Werke versah. Nicht ohne Grund verfasste Chopin seine beiden Klavierkonzerte auch in einer seltenen Fassung für Klavier mit Streichquartett und Kontrabass, ganz ähnlich, wie Arnold ihm das vorgemacht hatte.

1819 wieder in Berlin, spielte Arnold im Hause Mendelssohn etliche Konzerte, die mit den vorzüglichsten Kritiken versehen wurden.

Hier begegnete er auch dem neunjährigen Felix Mendelssohn, dessen Begabung er bewunderte. 1848 konzertierte er mit seinem Sohn in Christiania, dem heutigen Oslo. Die Kriegswirren während des deutsch-dänischen Krieges, die Revolution 1848 einerseits und der warme Empfang in Christiania andererseits bewirkten, dass die Familie Arnold sich für eine Emigration hierher entschied. Arnold übernahm die „Philharmonische Gesellschaft“, eine Orchestervereinigung mit Verpflichtung zu symphonischen Konzerten und Opernaufführungen.

Arnolds großer Verdienst ist die Förderung der einheimischen jungen Künstler durch die Vermittlung von Stipendien des norwegischen Staates vor allem nach Deutschland. So konnte unter anderem Edvard Grieg durch Arnolds Fürsprache ein Studium in Leipzig beginnen.

Nach dem Vortrag folgte die Fantasie op. 20 von Carl Arnold, die Frédéric Otterbach auswendig und mit perfekter Technik und Dynamik spielte. Erwähnenswert sind hier die in allen Stücken gezeigten Pianissimi, die manchem Zuhörer den Atem stocken ließ. Die nachfolgende Fantasie in f-moll von F. Chopin zeigte Ähnlichkeiten und Parallelen zu Arnolds Werk. Frédéric Otterbach wurde am 6. März 1998 in Schwäbisch Hall geboren. Er erhielt seinen ersten Klavierunterricht im Alter von fünf Jahren an der Musikschule Crailsheim, später an der Jugendmusikschule Wertheim. Seit dem Abitur 2016 studiert Frédéric Klavier an der HfM Würzburg bei Prof. András Hamary. Dr. Robert Meixner