Bad Mergentheim

Wasserwirtschaft und Umweltschutz „Durch strenge Bewirtschaftungsauflagen hat sich die Situation im Main-Tauber-Kreis deutlich verbessert“

Mit Hilfe der Landwirte Nitratwerte abgesenkt

Archivartikel

Über die Nitratbelastung des Grundwassers berichtete unsere Zeitung Anfang November. Heute kommen weitere Experten zu diesem heiklen Thema zu Wort.

Main-Tauber-Kreis. Über die Nitratsituation im Main-Tauber-Kreis weiß Dr. Hermann Hafner vom Landwirtschaftsamt Bad Mergentheim bestens Bescheid.

Er berichtet aus langjähriger Erfahrung als Wasserschutzberater: „Der Nitratgehalt im Grundwasser hängt nicht nur von der Art der Bewirtschaftung durch die Landwirte ab, sondern auch von der Geologie, dem Klima und dem natürlichen Vorkommen von Wald und Grünland in einer Region. Bei hohen Jahresniederschlägen ist die Sickerwassermenge größer, entsprechend sinkt der Nitratgehalt im Sickerwasser. Auf flachgründigen, durchlässigen Böden gelangt das Nitrat schneller ins Grundwasser als auf tiefgründigen Böden mit hoher Filter- und Pufferwirkung.“

Der Main-Tauber-Kreis habe, so Hafner, aufgrund seines hohen Anteils an flachgründigen Muschelkalkböden, der geringen Jahresniederschläge und seines geringen Wald- und Grünlandanteils ungünstige natürliche Gegebenheiten für geringe Nitratgehalte im Grundwasser. Im Landkreis seien gegenwärtig 48 Wasserschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von ca. 52 000 Hektar ausgewiesen. Dies entspreche ungefähr 40 Prozent der Kreisfläche.

Je nach Nitratbelastung des Grundwassers sind die Wasserschutzgebiete in Normal-, Problem-, oder Sanierungsgebiete eingeteilt und entsprechend gestaffelt hohe Auflagen von den Landwirten einzuhalten. Die Auflagen in und außerhalb von Wasserschutzgebieten würden durch das Landratsamt ganzjährig kontrolliert. Die Kontrollen umfassen zum Beispiel die Einhaltung der Sperrzeiten für Düngemittel im Herbst/Winter, die Einhaltung von Obergrenzen bei der Düngung im Frühjahr oder Abstandsauflagen bei der Ausbringung von Düngemitteln an Gewässern.

„Durch die strengen Bewirtschaftungsauflagen hat sich die Nitratsituation im Main-Tauber-Kreis deutlich verbessert. Seit 2001 ist in den Wasserschutzgebieten der Anteil der Sanierungsgebiete mit hoher Nitratbelastung im Grundwasser von 41 Prozent auf nur noch drei Prozent zurückgegangen“, erklärt Dr. Hafner.

Im Bereich des Wasserschutzgebiets „Zweckverband Wasserversorgung Grünbachgruppe“ war das Grundwasser durch die ungünstigen natürlichen Voraussetzungen viele Jahre mit sehr hohen Nitratgehalten belastet. Selbst bei Experten in Sachen Grundwasserschutz galt dieses Wasserschutzgebiet als nicht sanierbar. In diesem Gebiet haben die Landwirte durch zusätzliche freiwillige Maßnahmen erreicht, dass die Nitratwerte heute wieder unter dem zulässigen Grenzwert von 50 mg/Liter liegen. Durch vielfältige Auflagen und Vorgaben trage die Landwirtschaft wesentlich zur Verbesserung der Nitratsituation im Grundwasser bei, so Hafner abschließend.

Wasserbelastung gesunken

Die Hohenloher Wasserversorgungsgruppe, kurz HWG, mit Sitz in Gerabronn, versorgt im Main-Tauber-Kreis die Gemeinden Creglingen und Teile der Gemeinde Niederstetten sowie zwei Teilorte von Weikersheim.

Auf Anfrage teilt die HWG zum Thema „Nitratbelastung“ mit: „Die Quellen und Brunnen der HWG, welche sich im Bereich Creglingen-Niederrimbach befinden, werden seit 2008 in einem von der Nordostwasserversorgung, kurz NOW, betriebenen Wasserwerk nahe Bronn aufbereitet. Hier werden neben der HWG-Quellen Rohwässer von Brunnen und Quellen weiterer Kooperationspartner gemeinsam aufbereitet und wieder in der Region verteilt. Für die Gewinnung und Aufbereitung unserer Quellen und Brunnen und Trinkwasserlieferung mit der Qualität nach Vorgaben der Trinkwasserverordnung ist also die NOW zuständig.“

Nach Auskunft der NOW haben die Rohwässer der HWG-Quellen in den letzten Jahren (2014 bis 2018) einen Nitratgehalt von 29 bis 46 mg/l, je nach Quelle etwas unterschiedlich.

Der Nitratwert der HWG-Rohwässer entwickelte sich in den letzten Jahren gleichbleibend und liegt, so die Auskunft, unter dem Grenzwert nach der Trinkwasserverordnung mit 50 mg/l. Weiter zurückliegend lagen die Nitratwerte höher, die Ausweisung der Wasserschutzgebiete zeigte Erfolge (ab 1995).

„Durch die gemeinsame Aufbereitung mit weiteren Rohwässern und Enthärtung im Wasserwerk Bronn ergab sich 2018 im Reinwasser ein Nitratwert von 19,1 mg/l, das heißt also unter dem Grenzwert“, so die HWG in ihrer Stellungnahme.

„Bauern an Pranger gestellt“

Reinhard Friedrich, der Vorsitzende des Bauernverbandes Main-Tauber-Kreis, erklärt auf Anfrage: „Die Bauern im Main-Tauber-Kreis fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Die Tierhaltung hat sich im Kreis in den letzten 20 Jahren halbiert und damit auch der Gülleanfall. Die verbliebenen Bauern mit Tierhaltung bringen die Gülle mit sehr teurer Technik dann aus, wenn die Pflanzen einen Nährstoffbedarf haben und sparen so viel Mineraldünger ein.“

Es würden Ängste geschürt, so Friedrich bezugnehmend auf die Berichterstattung Anfang November, dass zu viel Nitrat im Wasser die Gesundheit der Menschen gefährde, obwohl es im Trinkwasser der Region nur Nitratwerte weit unter dem Grenzwert gebe und daher keine Gefahr durch Nitrat im Trinkwasser für die Menschen bestehe.

„Durch gezielte Düngung, reduzierte Bodenbearbeitung und den flächendeckenden Anbau von Zwischenfrüchten, die freie Nährstoffe über den Winter vor Auswaschung schützen, konnten die Bauern im Kreis die Nitratwerte in unseren Wasserquellen trotz schwieriger Bodenverhältnisse deutlich absenken“, sagt Friedrich: „Trotz dieser Erfolge wird die Düngeverordnung weiter verschärft und den Bauern der zugesagte finanzielle Ausgleich für ihre Anstrengungen einfach gekürzt. Ein solches Vorgehen ist ungerecht und sorgt nur für Frust bei den Bauern. Vielmehr wäre es wichtig die Erzeugung von regionalen Lebensmitteln und den Schutz unserer Umwelt miteinander zu verbinden.“

Thema wird ernst genommen

Unser Reporter befragte zudem einen Betroffenen, Landwirtschaftsmeister Matthias Frieß aus Oberrimbach. Er betont: „Das Thema Grundwasserschutz wird von den Landwirten im Main-Tauber-Kreis sehr ernst genommen, sind doch ca. ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche des Kreises Wasserschutzgebiet.“

Weiter erläutert er: „Zum Start in eine neue Düngesaison entnehmen die Landwirte Bodenproben um den aktuellen Nährstoffgehalt festzustellen. Darauf wird eine bedarfsgerechte Düngung aufgebaut. Im Herbst erfolgen amtliche Kontrollen, wiederum durch Bodenproben, um den Restnährstoffgehalt festzustellen. Daraus kann die Ordnungsmäßigkeit der Düngung abgelesen werden.

Es ist gelungen, in einer Vielzahl von Meßstellen die Nitratwerte deutlich zu senken. Das zeigt, dass die Landwirtschaft sehr bewusst und fachgerecht mit Düngemitteln, egal ob Mineraldünger oder Gülle, umgeht.“

Doch nicht nur die Landwirtschaft sei ein möglicher Verursacher. Auch die kommunale Abwasserwirtschaft belaste das Grundwasser.

„Viele Kanalsysteme entsprechen nicht dem aktuellen Standard und es kommt durch Undichtigkeiten zum Austritt von ungeklärten Abwässern“, weist Frieß noch abschließend auf ein Problem hin.

Zum Thema