Bad Mergentheim

Einzelhandel Im Gespräch mit den Buchhändlern Marijke Beemsterboer von „Buch und Papier“ und Rainer Moritz von „Moritz & Lux“

Mit persönlicher Beratung punkten

Archivartikel

Lokale Buchläden haben es schwer – während die Konkurrenz durch mächtige Online-Plattformen immer größer wird. Wie sieht die Zukunft des traditionellen Buchhandels aus?

Bad Mergentheim / Weikersheim. Den traditionellen Buchhandel, wie man ihn von früher kennt, gibt es nur noch in zunehmend „diversifizierter“ Form. Denn mittlerweile haben sich lokale Buchhandlungen wie „Moritz & Lux“ (Bad Mergentheim) an die zunehmende Digitalisierung angepasst, indem beispielsweise stark an der Online-Präsenz gearbeitet wird. Auch Marijke Beemsterboer, Inhaberin von „Buch und Papier“ in Weikersheim, hat stark mit dem veränderten Kaufverhalten auf dem Büchermarkt zu kämpfen.

Beemsterboer weiß, dass sich Kunden oft an Internet-Giganten wie „Amazon“ wenden, um an Lesestoff zu kommen, als selber einmal in einer stationären Buchhandlung zu stöbern und sich vom Personal dort beraten zu lassen. Auch Rainer Moritz von der Buchhandlung „Moritz & Lux“ hat den Wandel früh bemerkt und bemüht sich stark, auch im Zeitalter der Digitalisierung relevant zu bleiben. „Es ist auf jeden Fall eine Herausforderung sich damit auseinander zu setzen“, sagt Moritz und verweist auch auf elektronische Medien („eBooks“), die es schon lange auch in den „normalen“ Buchhandlungen gibt.

„Online“ geht auch im Shop

Während Beemsterboer auf Mund-zu-Mund-Propaganda vertraut und kein Muss darin sieht, sich online zu vermarkten, existiert die Möglichkeit zur Online-Bestellung bei „Moritz & Lux“ bereits seit rund 20 Jahren. Damals fing auch „Amazon“ an online Bücher zu verkaufen und zu verschicken. Durch die Bücher-Preisbindung, die in Deutschland herrscht, ist es aber gar nicht mal billiger sich beispielsweise auf „Amazon“ Bücher zu bestellen, als in eine Buchhandlung zu gehen, Kontakt mit „echten Menschen“ zu bekommen und Empfehlungen von Menschen zu hören, die sich in der Materie wirklich gut auskennen. Auch der Umtausch von Büchern sei bei Buchläden viel einfacher.

Beemsterboer erzählt auch von vielen Kunden, die sich freuen, dass solch eine Buchhandlung wie ihre überhaupt noch existiert. Laut Moritz stehen sich hier die Algorithmen und Bewertungen von „Amazon“ und die Bücher-Empfehlungen von echten Menschen gegenüber.

Bei der Frage, ob sich lokale Buchhandlungen gegenüber Online-Shops in Zukunft beweisen können, ist Moritz sehr zuversichtlich und erzählt von stationären Buchhandlungen der Firma „Amazon“, die es in den USA bereits gibt. Er spricht von einem „sowohl als auch“ und keinem „entweder oder“.

Die Bücher bezieht Moritz bei drei Großhändlern über eine Über-Nacht-Belieferung, sodass Bücher, die bis 18 Uhr bestellt werden, schon am nächsten Morgen im Laden abholbereit sind.

Der Lagerbestand wird direkt über Vertreter von den vielen Buchverlagen bezogen. Immer wieder werden Bücher, die sich gut verkaufen nachbestellt. Moritz lobt die schnelle Logistik in Deutschland, was wohl auch an der Preisbindung liege. In den Bücherregalen selbst finden sich natürlich viele Bücher von bekannten und renommierten Verlagen, doch auch einige weniger bekannte Namen sind zu finden.

„Lesehunger“ unterstützen

Dieses Sortiment versuchen die beiden Inhaber mit Blick auf ihre Kundschaft zu füllen. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler“, meint Moritz. In der Buchhandlung bekomme man alle Trends mit und könne so auf die Vorlieben der Kunden achten und rechtzeitig reagieren. Doch auch der eigene Geschmack spiele in gewisser Weise eine Rolle bei der Auswahl der Bücher. So auch bei Beemsterboer, die selbst viel liest – wie auch ihre zwei Angestellten. Die wichtigsten Bücher und Bestseller müssen natürlich fester Bestandteil des Sortiments sein.

Dass immer weniger junge Leute heutzutage noch Bücher lesen ist kein Geheimnis. Das weiß auch Rainer Moritz und berichtet von Maßnahmen zur Förderung des Leseverhaltens, was von ihm und seinem Team ehrenamtlich betrieben wird. Dazu zählt zum Beispiel der „Lesekoffer“ für Grundschüler. Er lobt auch die Arbeit der Bad Mergentheimer Stadtbücherei und die der Grundschulen, die das Konzept der Lesepaten betreiben.

Moritz und Beemsterboer beteiligen sich beide an Veranstaltungen wie Lesungen oder Buchvorstellungen, um zusätzliche Kundenbindung zu erreichen. Auch Veranstaltungen wie „Literatur im Schloss“ oder „Literatur-Kino“ sind gute Möglichkeiten für Moritz, sich zu repräsentieren und Werbung zu machen.

Nicht zurücklehnen

Um die Zukunft des Buchhandels bangen die beiden Inhaber nicht, solange man sich nicht zurücklehne und ständig mit der Zeit gehe. Sie sind sehr dankbar für ihre Kunden, die wiederum auch selbst froh um „ihre“ Buchhandlungen sind. Zwar macht sich bei Rainer Moritz die Baustelle, quasi direkt vor der Tür, und das damit verbundene Parkplatzproblem bemerkbar, das sei aber glücklicherweise nur ein temporäres Problem.

Beemsterboer unterstreicht noch einmal, dass es sehr wichtig für sie sei, dass die Leute ihre Bücher von einer lokalen Buchhandlung und nicht über „Amazon“ kaufen. Damit setze sich der Kunde direkt für den Erhalt des Einzelhandels ein.