Bad Mergentheim

Jugendfeuerwehr Landes-Delegiertenversammlung in Bad Mergentheim / 250 Nachwuchskräfte versammelt / Straff gebündeltes Mammutprogramm

Mitreden, mitentscheiden und gestalten

Archivartikel

Der Kursaal war Schauplatz der Delegiertenversammlung der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg. Unter anderem standen Ehrungen und Workshops auf dem Programm.

Bad Mergentheim. Wo sonst der leichten Muse und manigfaltiger Unterhaltung gefrönt wird, hatten über 250 Delegierte der Jugendfeuerwehr Baden-Württemberg ein straff gebündeltes Mammutprogramm zu bewältigen.

Bereits am Freitagabend wurden die Versammlungsteilnehmer im Rahmen eines Empfangs von Oberbürgermeister Udo Glatthaar begrüßt. Ob seiner Verdienste für die Jugendfeuerwehr wurde er mit der Floriansplakette ausgezeichnet. Die Delegiertenversammlung wurde von Landesjugendleiter Thomas Häfele eröffnet. Als Vertreterin der Stadt zeigte sich Bürgermeister-Stellvertreterin Manuela Zahn hocherfreut, die aus allen Landesteilen angereisten Feuerwehrdelegierten in Bad Mergentheim begrüßen zu dürfen. Das diesjährige Leitthema „Jugendbeteiligung – bestimme was passiert“ bezeichnete sie als große Herausforderung, aber auch als eine tolle Chance, mitreden zu dürfen.

MdL Andrea Schwarz, Bündnis 90/die Grünen, überbrachte Grüße von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, der dem großen Engagement der Jugendfeuerwehren höchsten Respekt zolle.

In seinem Vortrag verwies Fachberater Udo Wenzel primär auf die in der Gemeindeordnung festgelegte angemessene Mitbeteiligung von Kindern und Jugendlichen an Themen, die ihre Interessen berühren. So ist in der Geschäftsordnung des Gemeinderates die Beteiligung von Mitgliedern der Jugendvertretungen zu regeln, insbesondere sind ein Rederecht, ein Anhörungsrecht und Antragsrecht vorzusehen. Neben dem Jugendgemeinderat könne, so Wenzel, auch über andere Jugendorganisationen Einfluss auf die Kommunalpolitik erreicht werden. Gerade die hohe Präsenz und Sichtbarkeit der gemeindlichen Feuerwehren biete hierbei eine ideale Plattform.

Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, so Udo Wenzel, die Kommunalwahlen 2019 in den Fokus der Jugendlichen zu rücken. Hierzu werden über die Jugendfeuerwehren verschiedene Workshops und Handreichungen zur Wahl ab 16 Jahre angeboten.

Landesjugendleiter Thomas Häfele, seine Fachgebietsleiter, die Bildungsreferentin und die Landesjugendsprecher listeten eine große Palette an Themen auf, mit denen die Jugendfeuerwehr befasst war. All diese Aktivitäten zu organisieren und abzuwickeln, könne, so Häfele abschließend, nur durch das große Engagement jedes Einzelnen sichergestellt werden. Er sprach umfassende Dankesworte, in die er auch die Bad Mergentheimer Feuerwehr mit ihrem Kreisjugendfeuerwehrwart Jochen Herschlein an der Spitze mit einschloss.

Ehrungen

Bei der Jahrestagung wurden auch haushaltsrechtliche Beschlüsse gefasst sowie künftige Veranstaltungsorte festgelegt. Einstimmig wurden der Kassenbericht, der Kassenprüfbericht und die Jahresrechnung 2017 angenommen. Außerdem erfolgte die Entlastung des Kassenwarts, des Landesjugendfeuerwehrausschusses und der Landesjugendleitung. Des Weiteren wurden der Nachtragsplan 2018 und der Haushaltsplan 2019 genehmigt.

Der nächste Landesjugendfeuerwehrtag wird 2019 in Herbolzheim im Kreis Emmendingen, die nächste Delegiertenversammlung 2020 in Schwäbisch Gmünd stattfinden. Das Landeszeltlager 2020 führt die Jugendlichen nach Legau/Allgäu.

Die Jugendnadel wurde an Bassam Ismail aus Tübingen, Marcel Mark und Jannik Lenz aus dem Main-Tauber-Kreis verliehen. Die Ehrennadel in Silber des Landesfeuerwehrverbandes ging an Anette Nüßle, für 25 Jahre Mitarbeit im Bereich Printmedien. Die Ehrennadel der Deutschen Jugendfeuerwehr in Gold wurde Niki Klasan verliehen, unter anderem Mitarbeiter in zahlreichen Arbeitskreisen.

Paralell zur eigentlichen Versammlung wurden den Feuerwehrjugendlichen verschiedene Workshops angeboten.

Workshopangebote

So zeigte der Kommandant der Flughafenfeuerwehr Stuttgart, Andreas Rudolf, die Anforderungen und Möglichkeiten eines Berufs-Werkfeuerwehrmanns auf. Werkfeuerwehrmänner seien, wie Rudolf betonte, für einen ganz bestimmten Betrieb, wie beispielsweise Flughafen, Chemie- oder Kraftwerke verantwortlich. Dort haben sie ihren eigenen Stützpunkt und führen im Ernstfall die erforderlichen Rettungsmaßnahmen durch. Was gebraucht werde, sei eine sehr gute körperliche Fitness sowie ein großes Verantwortungsgefühl.

O. Zwölfer, Berufsfeuerwehrmann bei der Feuerwehr Böblingen berichtete von einem Großbrand 2014, bei dem die Halle eines Sanitätshauses in Brand geriet. Hier mussten Gebäude evakuiert und die brennende und mit zahlreichen Materialien bestückte Lagerhalle unter hohem Personaleinsatz gelöscht werden. In diesem Zusammenhang schilderte Zwölfer eindrucksvoll die Gefährlichkeit eines solchen Großbrandes. Bildungsreferentin Franziska Fliß befasste sich mit dem Thema „Gewinnbringende Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im kommunalen Raum“. Fazit sei die Erkenntnis, so Fliß, dass die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an kommunalen Entscheidungen ein Gebot der Zeit sei. Junge Menschen sollten sich mit ihrem Lebensraum identifizieren und sich zu kritischen, interessierten, weitsichtigen und engagierten Bürgern entwickeln. Es gehe um Gegenwart und Zukunft zugleich, denn junge Menschen brauchten Lebens-, Dialog- und Beteiligungsräume in ihrer Kommune. Im Mittelpunkt stehen müssten Mitreden, Mitendscheiden und Mitgestalten.