Bad Mergentheim

Jubiläum Elsa Bader aus Bad Mergentheim feierte am Dienstag Geburtstag bei bester Gesundheit / Auf bewegtes Leben zurückgeblickt

Nach 101 Jahren immer noch kein „altes Eisen“

Archivartikel

Gleich mehrere Bücher könnte man mit Elsa Baders Lebenserfahrung füllen. Und das nicht nur, weil sie 101 (!) Jahre davon hat.

Bad Mergentheim. Sie ist geistig überaus rege, eine gepflegte Erscheinung, dezent geschminkt, sie kocht, putz, liest täglich die Zeitung und sorgt sich um ihr liebevoll eingerichtetes Heim hoch über der Kurstadt auf dem Trillberg. So weit nichts Ungewöhnliches für eine ältere Dame. Das Erstaunliche: Elsa Bader aus Bad Mergentheim feierte am Dienstag ihren 101. Geburtstag.

Im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet die Jubilarin über ihr buntes, an Erfahrungen reiches Leben. Trotz schwerer Operationen arbeitete sie sich immer wieder ins Leben zurück. „Ich bin eben eine Kämpfernatur“, sagt Elsa Bader lächelnd.

Doch von Beginn: Als die Jubilarin im badischen Rosenberg das Licht der Welt erblickte, regierte in Deutschland noch Kaiser Wilhelm. Nach einer glücklichen Kindheit im Bauland begann für Bader der Ernst des Lebens, als sie mit 18 Jahren eine Anstellung im Mannheimer Palasthotel und anschließend als Dienstmädchen in einer Fabrikantenfamilie in der Quadratestadt fand.

Entbehrungen, Angst, Sorgen

Die darauffolgende Kriegszeit sei gekennzeichnet gewesen von Entbehrungen, Angst und Sorgen ums tägliche Überleben. Zurück in der Heimat fand sie schnell Arbeit im Landwirtschaftsamt im nahen Buchen.

Als die Jubilarin mit 24 Jahren den Reitlehrer Vinzenz Bader heiratete, begann für die beiden ein neues, von Pferden geprägtes Leben. Ihr Zuhause fand das frisch vermählte Ehepaar im Deutschordensschloss in Bad Mergentheim. Dort eröffneten sie einen Reitstall und Elsa Bader war voller Tatkraft bei der Arbeit: „Kutschfahrten waren meine Aufgabe“, erinnert sie sich stolz. Groß war die Freude, als 1943 Tochter Doris und drei Jahre später Tochter Christel geboren wurden. Heute freut sich die Jubilarin über vier Enkel und vier Urenkel, die im fernen Amerika und Australien leben.

Nach einigen Jahren entschied sich Elsa Bader jedoch für einen eigenständigen Berufsweg und trat als Werbedame und Repräsentantin in die Dienste der Firma Jakobs Kaffee. In der ganzen Bundesrepublik war sie unterwegs, auf Messen und in großen Kaufhäusern pries sie „ihren“ Kaffee an. „Das Verkaufen hab ich von meiner Mutter gelernt“, schmunzelt Elsa Bader, „sie hatte ein Textilgeschäft in Rosenberg“.

Nach zehn Jahren wechselte die Jubilarin zur Firma Birkel. Im eigenen Dienstwagen reiste sie durch das Land und verkaufte die Produkte ihres Arbeitgebers. Der Erfolg gab ihr Recht: Fahrten nach Paris, Budapest, Prag, Kairo und London waren der Lohn. Überhaupt gehörte das Reisen stets zu ihrer Leidenschaft. Mehrfach besuchte sie die Insel Teneriffa – mit dem Auto fuhr sie auf eigene Faust bis Südspanien, um dann mit der Fähre auf die Kanaren überzusetzen. „Ich war immer selbstständig und habe mein ganzes Leben gearbeitet“, berichtet Elsa Bader stolz.

Ein schwerer Schicksalsschlag traf die Jubilarin 1971, als ihr Mann Vinzenz verstarb. Als nur zwei Jahre später auch Tochter Doris einer schweren Krankheit erlag, war die Trauer unermesslich. Seit 1980 lebt Elsa Bader nun auf dem Trillberg und kümmert sich liebevoll um ihre Katze.

Geistig fit hält sich die Jubilarin auch mit Quizsendungen im Fernsehen. Besonders freut sie sich nun über den Besuch ihrer Verwandtschaft aus Australien, die einige Tage zu Ehren der Oma in Deutschland weilen.

Und auch dem musikalischen Geburtstagsgruß eines Stadtkapellenquartetts am kommenden Wochenende fiebert Elsa Bader schon mit großer Freude entgegen. Oberbürgermeister Udo Glatthaar überbrachte ihr die besten Glückwünsche der Stadtverwaltung und der Landesregierung und wünschte für die kommenden Jahre noch viel Gesundheit und Glück. Unsere Zeitung schließt sich diesen Wünschen gerne an.