Bad Mergentheim

Ungeziefer Aktive Rattenbekämpfung läuft in der Kurstadt auch ohne konkreten Befall / Tiere vermehren sich rasend schnell

Nager übertragen zahlreiche Krankheiten

In Deutschland kommen auf jeden Einwohner im Durchschnitt vier Ratten. In Bad Mergentheim ist das Problem zwar nicht gravierend. Zur Sicherheit werden die Nagetiere trotzdem bekämpft.

Bad Mergentheim. „Wir haben sicher kein Rattenproblem in dramatischen Ausmaßen“, erklärt Carsten Müller, Pressesprecher der Stadt Bad Mergentheim auf Anfrage unserer Zeitung. „Aber, wie in anderen Städten auch, werden Ratten in Bad Mergentheim aktiv bekämpft“, erläutert er weiter.

In dem rund 200 Kilometer langen Kanalnetz im Stadtgebiet ist der „Eigenbetrieb Abwasser“ dafür zuständig. Früher wurden Giftköder einfach nur ausgelegt. Heute kommt ein Boxen-System zum Einsatz. Dieses verhindert, dass die Giftköder mit dem Wasser in Berührung kommen. Durch ständiges Sammeln und Auswerten der entsprechenden Fallen gewinnt der Eigenbetrieb außerdem wichtige Informationen zum Verhalten und zur Anzahl der Ratten. Bekannte Problembereiche werden öfter kontrolliert und, je nach Bedarf, auch öfter „angegriffen“.

Wenn städtische Gebäude von Ratten befallen sind beauftragt die Stadtverwaltung laut Müller einen professionellen Schädlingsbekämpfer als externen Dienstleister. Dieser Schädlingsbekämpfer muss sich, genau wie der Eigenbetrieb, an strenge Vorschriften und gesetzliche Auflagen halten, zum Beispiel an das Tierschutzgesetz. Außerdem dokumentiert er seine Arbeit..

Das Ordnungsamt der Stadt behält im Auge, dass Ratten nicht fahrlässig angelockt werden, beispielsweise durch nicht sachgerecht entsorgten Biomüll oder Speisereste.

Gesundheitliche Gefährdung

Denn Ratten treten vermehrt an Orten auf, an denen Abfälle, Biomüll oder Kompost gelagert werden. Die Tiere haben einen feinen Geruchssinn und können Speisereste, auch von weiter weg aufspüren.

Ratten können Krankheiten übertragen, die für den Menschen gefährlich sind. Dazu gehören laut Robert Koch-Institut (RKI) beispielsweise die tödlichen Hantaviren oder die Pest, die zuletzt 2017 in Madagaskar ausbrach. Sie wird über den sogenannten Rattenfloh, der im Fell der Ratten lebt, übertragen. In Deutschland besteht laut RKI jedoch keine Gefahr der Ansteckung mit der Pest. Trotzdem solle man sich von den Nagern möglichst fernhalten, da auch deren Kot und Urin eine Gesundheitsgefährdung darstellen können.

Sollten Bürger eine Ratte sehen, empfehlen Experten, dies auf öffentlichen Plätzen der Stadt und bei Privatgrundstücken dem Vermieter oder dem Eigentümer zu melden. Falls dieser nicht bekannt ist, sollte man sich an die Stadtverwaltung melden. Handelt es sich um das eigene Grundstück, sollte man sich um einen professionellen Schädlingsbekämpfer kümmern und mögliche Rattenlöcher verschließen.

Die meisten Ratten leben laut RKI in menschlichen Siedlungen, in Stallungen, in Kanalisationen oder an Gewässerufern. Sie sind scheu und nachtaktiv. In Deutschland kommen nur zwei Rattenarten wildlebend in der Natur vor: Die Hausratte und die Wanderratte, wobei erstere hierzulande sehr selten geworden ist.

Ratten gelten als überaus vermehrungsfreudig. Eine Ratten-Mutter kann pro Jahr über mehrere Generationen theoretisch fast 2000 Nachkommen haben. Experten in Deutschland sehen jedoch keinen Grund zur Sorge, da es bisher noch keine Anzeichen für eine Plage gibt.

Auch das Klischee, dass Ratten wahre Krankheitsüberträger sind, ist nur halb wahr. Zwar können Ratten bis zu 120 Krankheiten übertragen, unterscheiden sich in dieser Hinsicht jedoch nicht von anderen Wildtieren. Außerdem können sie je nur die Krankheiten übertragen, die sowieso schon regional vorkommen.