Bad Mergentheim

Westfrankenbahn Politiker der Grünen trafen sich mit Geschäftsführer Denis Kollai zum Fachgespräch / Keine Chance auf Halt beim Solymar

Neue Technik für Taubertalbahn begrüßt

Main-Tauber-Kreis.Dem verkehrspolitischen Sprecher der grünen Landtagsfraktion, MdL Hermino Katzenstein, liegt viel daran, den Schienenverkehr in seinem Betreuungswahlkreis Main-Tauber zu verbessern. Deshalb habe er sich gemeinsam mit dem Kreisvorsitzenden der Grünen Dietrich Grebbin, Kreisrat Rainer Moritz und Stadtrat Thomas Tuschhoff mit dem Geschäftsleiter der Westfrankenbahn zu einem Fachgespräch getroffen, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen.

Der Verkehrsingenieur Denis Kollai leitet seit drei Jahren die Geschicke der Westfrankenbahn, die sowohl für den Zugverkehr, als auch für die Infrastruktur verantwortlich ist. Das Schienennetz und die Stationen auf der Tauber-, Maintal- und Madonnenlandbahn hat sein Unternehmen von der Deutschen Bahn gepachtet. In einem Ausschreibungsverfahren des Landes hat es den Zuschlag für dieses Verkehrsnetz erhalten. „Der harte Wettbewerb hat uns finanziell aber auch an unsere Grenzen gebracht“, bekannte Kollai. Er steht vor hohen Aufwendungen, um die veraltete Infrastruktur zu modernisieren. „Zwischen Lauda und Crailsheim brauchen wir derzeit noch 38 Fahrdienstleiter“, beschrieb er die Lage. Um den Personalaufwand zu reduzieren werde ab 2019 beginnend in Schrozberg die elektronische Stellwerkstechnik für die gesamte Strecke eingerichtet. Das Stellwerkspersonal überwacht zukünftig aus Niederstetten den gesamten Streckenabschnitt.

Eher wenig Hoffnung machte er darauf, dass die vielfach beklagten langen Wartezeiten an den Bahnübergängen in Bad Mergentheim kürzer werden. Im Unterschied zu Schrankenanlagen auf freier Strecke befinde man sich hier im Bahnhofsbereich, was zu erhöhten Sicherheitsanforderungen führe. Ein menschlicher Schrankenwärter könne mit seiner Erfahrung sogar flexibler schließen als ein Automat, insbesondere wenn statt einer Halbschranke eine Vollschranke mit gefahrraumüberwachender Radaranlage gebaut wird.

Die Westfrankenbahn mache den Bahnhof Bad Mergentheim zu ihrer Zentrale im Main-Tauber-Kreis. Hier kreuzen sich die Züge und hier werden ihre Fahrzeuge geparkt. Das Reisezentrum werde weiterhin mit eigenem Personal besetzt. Im laufenden Jahr werden die Haltepunkte Distelhausen, Igersheim und Reicholzheim saniert. Die Modernisierung des Bahnhofs Bad Mergentheim stellte Kollai für die Jahre 2022 bis 2023 in Aussicht. „Ein ebenerdiges Queren der Gleise ist dann aber nicht mehr zulässig“, berichtete er und sprach sich klar für eine Unter- und gegen eine Überführung aus, um auf Bahnsteig zwei und drei zu kommen. „Eine Überführung muss 5,90 m hoch sein, um eine Elektrifizierung der Strecke nicht zu verhindern“, schilderte Kollai den beachtlichen Höhenunterschied, der dabei zu überwinden wäre.

Sehr konstruktiv verlaufe die vom Landratsamt vermittelte Kooperation mit GoAhead, dem Wettbewerber, der ab 2019 den Zugverkehr auf der Frankenbahn von Stuttgart nach Würzburg fährt. Dem Wunsch der Grünen nach einem zusätzlichen Zughaltepunkt beim Solymar erteilte Kollai eine Absage. „Solange wir bestehende Zughalte im Taubertal nicht bedienen können, können wir keinen zusätzlichen einrichten“. Mögliche Probleme sieht der Experte in Zukunft beim Fahrradtransport an den Wochenenden. Hierfür besitzt die Westfrankenbahn einen Fahrradwagen, der zusätzlichen Platz für 56 Räder bietet. Dieser ist aber nicht barrierefrei und nach dem neuen Verkehrsvertrag ab 2020 nicht mehr zugelassen. Die neuen Fahrzeuge haben dagegen nur noch 19 Fahrradplätze. Hermino Katzenstein versprach. sich dafür einzusetzen, dass ein solcher Engpass gar nicht erst entsteht.

Der zunehmende Fahrkartenkauf im Internet führt laut Kollai dazu, dass die Fahrgäste einen erhöhten Beratungsbedarf im Zug haben.

Bleibe es bei der vom Land festgelegten Zugbegleitquote von 25 Prozent, träfen viele Reisende aber gar keinen Zugbegleiter mehr an. „Ich will es auch wieder ermöglichen, Fahrscheine im Zug zu kaufen“, so Kollai. Deshalb wünsche er sich eine Zugbegleitquote wie in Bayern von mindestens 50, besser noch 80 Prozent. Die Ankündigung der Bayerischen Landesregierung, die Bahnstrecke von Miltenberg bis Aschaffenburg zu elektrifizieren, führte auch in Baden-Württemberg zu Überlegungen. Kollai hält die Elektrifizierung von Königshofen bis Bad Mergentheim für sinnvoll.

Im Verkehrsministerium sei man der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen, auf der Tauberbahn als Pilotprojekt den „Eco-Train“ einzusetzen, berichtete Hermino Katzenstein.

Weil eine vollständige Elektrifizierung der Strecke von Miltenberg bis Crailsheim zu aufwändig sei, kämen Hybridfahrzeuge zum Einsatz, die nur kurze elektrifizierte Abschnitte benötigen und die Lücken dazwischen batterieelektrisch fahren. Man könne die Abschnitte elektrifizieren, bei denen es kein oder nur wenig Konfliktpotential gibt. „Unter Umständen genügt auch ein zehnminütiger Aufenthalt an den Endpunkten der Strecke zum Aufladen der Batterien“, so Kollai.

Die Neuentwicklung muss allerdings noch vom Eisenbahnbundesamt zugelassen werden. Dieses Verfahren benötige mindestens 36 Monate. pm