Bad Mergentheim

Leserbrief Zur Situation im Caritas-Krankenhaus

Neues Leben und der Tod, Tür an Tür

Wir (oder besser gesagt meine Frau) haben kürzlich unser erstes Kind im Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim entbunden. Leider gab es Komplikationen unmittelbar nach der Geburt. Wir fühlten uns jedoch die ganze Zeit sehr gut aufgehoben, was nicht nur an unserer kompetenten und liebenswerten Hebamme lag, sondern auch an dem guten und herzlichen Personal im Kreißsaal, dem raschen, professionellen und zielgerichteten Eingreifen der Ärztinnen und Ärzte, der guten Fürsorge auf der Intensivstation und der überaus liebevollen und top Betreuung im Anschluss auf der Geburtshilfe-Station!

Die unbeschreiblich große Freude über die Geburt des eigenen Kindes ist wahrscheinlich für fast alle Menschen ein ganz besonderes Highlight in ihrem Leben, gepaart mit einzigartigen Momenten, die man nie vergisst!

So ist es nicht verwunderlich, dass man auf der Geburtshilfe-Station des Caritas viele freudestrahlende, glückliche Gesichter von frisch gebackenen Eltern und Angehörigen sieht.

Getrübt wird diese schöne Atmosphäre jedoch von Menschen, die leider auf dem Flur derselben Station sorgenvoll und ängstlich um das Leben ihrer Liebsten bangen und diese loslassen müssen. Grund dafür ist, dass seit einiger Zeit im Caritas die Geburtshilfe- und Palliativ-Abteilung auf ein und derselben Station untergebracht sind.

Ohne Frage: Geburt und Tod gehören zu unserem Leben. Aber muss das wirklich sein? Muss man beiden Menschengruppen diese innerliche Zerreißprobe antun? Vor allem von einem kirchlichen Träger dürfte man sich mit Verlaub mehr erwarten.

Wo bleibt die Menschlichkeit, ja die Christlichkeit? Leider haben viele immer noch nicht erkannt, dass das reine Streben nach Profitmaximierung, verbesserten Auslastungszahlen, gesteigerter Effizienz etc. unsere Gesellschaft und unser Leben an die Wand fahren lässt.

Selbstverständlich muss auch ein Krankenhaus zumindest kostendeckend beziehungsweise profitabel arbeiten und die Entscheidungsträger hatten sicherlich ihre Gründe dafür. Ich vermute die soeben genannten. Ein kirchlicher Arbeitgeber sollte jedoch sein Handeln an christlichen Werten orientieren.

Wir hatten vor einigen Jahren auch wirklich professionelle Betreuung von Angehörigen auf der damaligen Caritas-Palliativ-Station bei der Onkologie. Meine Frau und ich waren tief beeindruckt von der Herzlichkeit, der Professionalität und überaus großen Würde, mit welcher das Personal dort mit den Patienten umgegangen ist.

Sehr geehrte Entscheidungsträger: Lassen Sie Ihre Mitarbeiter Ihren Job machen – den die meisten in Ihrem Haus mit sehr großer Hingabe, guter Qualifikation und überragender Menschlichkeit tun! Und schaffen Sie die dafür notwendigen Voraussetzungen, orientiert an Ihren eigenen christlichen Werten!

Die Zusammenlegung von Geburtshilfe und Palliativ auf einer Station, gehört jedoch ganz bestimmt nicht dazu. Und bringen Sie die Angehörigen beider Gruppen nicht in solch menschlich herzzerreißende Situationen!