Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Leserbrief „Umweltschutz, neue Arbeit und mehr Unabhängigkeit“ (FN 19. Juli)

Ohne teure Subventionen geht überhaupt nichts

Archivartikel

Zitat aus Herrn Tuschhoffs Leserbrief in den FN zur „Energiewende“: „Strom aus neu gebauten konventionellen Kraftwerken ist schon heute teurer als Windstrom“. Die Aussage ist ebenso korrekt wie falsch. Tatsächlich ist eine Kilowattstunde aus Windstrom konkurrenzlos billig.

Warum muss dann Windstrom überhaupt subventioniert werden? Ohne kräftige Subventionen stünde heute kein kommerziell betriebenes Windrad in Deutschland! Der Grund ist völlig klar: Man benötigt in unserer Region die etwa sechsfache installierte Leistung, um die gewünschte Arbeit zu erhalten.

Beispiel: Ein Bauunternehmer braucht einen Vollzeitmitarbeiter. Um sich die Arbeitskraft langfristig zu sichern, muss er aber sechs Vollzeitkräfte beschäftigen und bezahlen. Das ist Unfug und übersetzt auf eine Windkraftanlage bedeutet es, dass sechs Anlagen betrieben werden müssen, um die volle Arbeit einer Anlage zu erhalten.

Schlussendlich muss der tatsächliche Erzeugerpreis einer Kilowattstunde mit sechs multipliziert werden, um den wirklichen Arbeitspreis aus Windenergie zu erhalten.

Deshalb müssen Windkraftanlagen subventioniert werden, um überhaupt existieren zu können. Diese Rechnung sieht je nach Standort der Anlagen besser aus (an der Küste werden bis zu 25 Prozent Auslastung erreicht, aber auch dort geht ohne Subventionen nichts) oder auch schlechter (weniger als 15 Prozent).

Die Subventionierung geht aber noch weiter: Weht mal der Wind in ganz Deutschland richtig kräftig, zum Beispiel bei einem Skandinavien-Tief mit Windstärke sechs aus Nordost, dann ist sofort die etwa sechsfache Leistung am Netz, die Anlagen müssen teilweise abgeschaltet werden. Dafür bekommt der Anlagenbetreiber aber rund neun Cent Vergütung je Kilowattstunde; für Strom, den er nicht verkaufen konnte, also ziemlich genau seine Selbstkosten.

Man stelle sich das bei einem Gemüsebauern vor: Bei Überangebot bekommt er – umgelegt auf alle seine Kunden – seine Kosten für unverkauftes Gemüse erstattet!

Mit jedem neu in Betrieb gehenden Windrad steigt der Strompreis weiter – weil es subventioniert werden muss! Dies gilt im Prinzip auch für Photovoltaik-Anlagen; ohne teure Subventionen geht gar nichts. Für eine sichere Grundversorgung, auch nachts und bei Windstille sind konventionelle Kraftwerke unverzichtbar und müssen deshalb vorgehalten werden, auch das lassen sich die Kraftwerksbetreiber bezahlen, sie sind ja keine „Wohltätigkeitsorganisationen“, wie Herr Tuschhoff richtig schreibt.