Bad Mergentheim

Moritz und Lux Zum dritten Mal in Folge den Deutschen Buchhandlungspreis erhalten / Kulturstaatsministerin würdigt „großartige Arbeit“

Ort der Kultur und der Begegnung

Archivartikel

Die Buchhandlung Moritz und Lux hat den Deutschen Buchhandlungspreis verliehen bekommen – nach 2016 und 2017 nun bereits zum dritten Mal in Folge.

Bad Mergentheim. Einmal ausgezeichnet zu werden – gut, das kann passieren. Zweimal hintereinander eine Ehrung zu erhalten – das mag man als Zufall bezeichnen oder als eine merkwürdige Laune des Schicksals. Wenn man aber zum dritten Mal in Folge einen wichtigen Preis entgegennehmen darf, dann muss da zweifelsohne ein triftiger Grund vorliegen: herausragende Arbeit. Die Rede ist vom Deutschen Buchhandlungspreis, mit dem die Buchhandlung Moritz und Lux nach 2016 und 2017 auch in diesem Jahr geehrt wurde.

Das undotierte Gütesiegel ging neben Moritz und Lux an bundesweit neun weitere unabhängige Buchhandlungen – es ist ein Sonderpreis für jene Sortimenter, die im Jahr die Umsatzgrenze von einer Million Euro überschreiten.

Gewürdigt werden mit dem vom Kulturstaatsministerium ausgelobten und von einer hochkarätig besetzten Jury ermittelten Preis Buchhandlungen, deren Engagement weit über den Verkauf von Büchern hinausgeht. Die Buchhandlung wird hier verstanden als Ort der Kultur und Begegnung, der Leseförderung und Literaturvermittlung. Dass Rosemarie Lux, Rainer Moritz und ihr Team erneut zu den Ausgezeichneten gehören, spricht für deren kontinuierliches, nachhaltiges Wirken.

In ihren Filialen in Bad Mergentheim und Lauda haben sie sich über Jahrzehnte nicht nur eine treue Stammkundschaft aufgebaut; sie beleben auch das kulturelle Angebot der Region – etwa mit Veranstaltungen in den eigenen Räumlichkeiten oder außerhalb, mit Fahrten zu Buchmessen oder wie in diesem Jahr zum Literaturarchiv Marbach, mit Programmen für den Lesenachwuchs in Kindergärten und Schulen.

In diesem Sinne sind Buchhandlungen wichtige Orte – nicht nur, aber gerade auch in der Provinz. Sie sind Zentren öffentlichen Lebens und der Diskussion. Pathetisch ausgedrückt: Sie fördern das demokratische Miteinander.

Bei der Preisverleihung kamen die Preisträger und Nominierten nun am Mittwoch in der Documenta-Halle in Kassel zusammen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters lobte das weit über kommerzielle Interessen hinausweisende Tun der Ausgezeichneten: „Mit ihrer großartigen Arbeit und ihrer Begeisterung für die Welt der Bücher sorgen die Buchhändlerinnen und Buchhändler dafür, dass es auch abseits der Bestsellerlisten Aufmerksamkeit gibt für außergewöhnliche Geschichten, für ungehörte und unerhörte Stimmen, für neue Perspektiven.“

Der Buchhandlungspreis für inhabergeführte Geschäfte ist auch ein Statement gegen den von großen Konzernen bestimmten Online-Handel, der nicht nur zu einer Verarmung des kulturellen Angebots, sondern auch zu einem Ausbluten der Innenstädte beiträgt. „Wir wenden uns damit“, so Monika Grütters, „gegen die Degradierung des Kulturguts Buch zur bloßen Handelsware und zum Konsumgut.“

Bei der Veranstaltung in Kassel erklärte die Kulturstaatsministerium, die seit Beginn ihrer Amtszeit vehement für den Erhalt eines vielfältigen Buchmarkts eintritt, dass das Engagement mit dem vor drei Jahren eingeführten Buchhandlungspreis keinesfalls enden darf: „Deshalb setzen wir uns beispielsweise im Rahmen der Urheberrechtsreform auf europäischer Ebene dafür ein, dass Autoren und Verleger von den Früchten ihrer Arbeit auskömmlich leben können – gerade auch im digitalen Zeitalter. Wir werden unabhängige Verleger und Buchhändler mit einem neuen Instrument unterstützen: Angesichts des Erfolges unseres Deutschen Buchhandlungspreises und nach dessen Vorbild werden wir einen Deutschen Verlagspreis ausloben. Er soll die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung der unabhängigen Verlage, ihr Profil, Engagement und ihre Bedeutung für die kulturelle Vielfalt und den demokratischen Diskurs würdigen.“

Dies dürften nicht zuletzt die inhabergeführten Buchhandlungen begrüßen. Nach einigen Hiobsbotschaften in der Verlagswelt – so musste etwa der für seine historisch-kritischen Klassikereditionen bekannte Stroemfeld Verlag in Frankfurt am Main kürzlich Konkurs anmelden – ist das ein wichtiges Signal. Denn in kaum einem anderen Land gibt es – noch – eine solch blühende Verlagslandschaft, die wiederum auf einen starken Buchhandel angewiesen ist.

Übrigens ist die Buchhandlung Moritz und Lux von Anfang an Mitveranstalter der Reihe „Literatur im Schloss“ im Deutschordensmuseum Bad Mergentheim, die auf ihre Weise ein Zeichen für literarische Vielfalt setzt: Am Sonntag, 25. November, findet zum zweiten Mal die Bad Mergentheimer „Winterlese“ statt, ein Büchermarkt unabhängiger Verlage, bei dem Kleinverlage aus der ganzen Republik zu Gast sein werden. Monika Grütters dürfte das gefallen. ric