Bad Mergentheim

Schulprojekt „Soziale Arbeit“ des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums Einkommensschwache Familien unterstützt / Gemüse, Obst und ein bisschen Schokolade

Pausenvesper für Kinder spendiert

Von der Schule in die Wirklichkeit – das haben 18 Abiturientinnen des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums ganz bewusst erlebt. Sie waren für einen Tag im Tafelladen mit dabei.

Bad Mergentheim. Das Abitur haben sie schon so gut wie in der Tasche, die Schüler des 13. Klasse des Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums der Schule für Ernährung, Pflege und Erziehung (EPE) in der Seegartenstraße. Doch ein Teil der Klasse macht engagiert weiter mit im Unterricht. 18 Schülerinnen beteiligen sich im Fach Sozialmanagement am Projekt „Soziale Arbeit“, und dazu gehörte auch ein Tag im Tafelladen. Am vergangenen Dienstag war es soweit, und die Abiturientinnen – sie kommen aus der Stadt und einem Umkreis von rund 30 Kilometern um Bad Mergentheim, sogar eine Wertheimerin ist mit dabei – tankten im wahrsten Sinne des Wortes soziale Realität.

Dass die Schere zwischen Besitzenden und Habenichtsen in unserer Gesellschaft immer weiter auseinander geht, zeigt sich an vielen Beispielen. So auch am Tafelladen. Immer mehr Menschen sind darauf angewiesen, hier zu günstigen Preisen einkaufen zu können.

Die in der „Tafel“ angebotenen Lebensmittel sowie weitere Gegenstände des täglichen Bedarfs sind allesamt gespendet. Viele Lebensmittel sind am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums; die Supermärkte entscheiden sich nicht fürs Wegschmeißen, sondern für eine Weitergabe an die Tafel. Auch Privatleute können (und viele tun das auch!) der Tafel benötigten Waren spenden. Verkauft werden diese zu überaus günstigen Preisen; ein „Gewinn“ ist nicht angestrebt.

Im Tafelladen einkaufen dürfen nur Berechtigte; den dafür nötigen Ausweis stellt das Sozialamt aus. Einkommensschwache Familien bilden dabei einen guten Teil der Einkaufsberechtigten.

Die Schülerinnen wollten mit ihrem Projekt einen ganz praktischen Beitrag leisten – und entschieden sich für eine Kooperation mit dem Tafelladen. „Mal schauen, wie das da so ist und läuft“ war dabei nur ein Gedanke. Vor allem aber sollte etwas „zum Anfassen“ dabei herauskommen. Also entschlossen sie sich, für Schulkinder ein Pausenvesper zusammenzustellen. Und natürlich sollte es ein richtig gutes Vesper werden – gesund und wohlschmeckend eben. Da traf es sich gut, dass dem Tafelladen ein ganzer Karton Brotboxen gespendet wurde – die kamen wie gerufen für die Projektaktion.

Also fanden sich die Schülerinnen am Dienstagmorgen am Bad Mergentheimer Tafelladen ein, begleitet von ihrer Lehrerin, Dr. Anne Rauscher. Und die war „ganz begeistert“ von den jungen Leuten. „Es ist ja schon die ’Nach-Abi-Zeit’, und das Engagement für und im Projekt ist wirklich beeindruckend“, sagte die Pädagogin. Und ja, es sei eine gute Gelegenheit, „raus aus dem Kokon“ zu kommen und der sozialen Realität zu begegnen, „einen anderen Blickwinkel einzunehmen“ eben. Die Schülerinnen seien übrigens „im positiven Sinn Wiederholungstäter“, erzählt Rauscher. Im vergangenen Jahr haben sie nämlich eine Modenschau organisiert. „Tatort“ war der Kleiderladen, der wie der Tafelladen gespendete Kleidung zu günstigen Preisen an Berechtigte verkauft.

Was war zu tun? „Die Brotboxen füllen“, erklärte Michelle Ditrich, die zusammen mit fünf weiteren Projektteilnehmerinnen – die anderen zwölf konnten, da der Tafelladen ja nicht so groß ist, nicht gleichzeitig mit dabei sein – die bereitstehenden Boxen befüllten. Obst, Gemüse, ein bisschen Schokolade und ein Teebeutel sind mit flinken Fingern schnell verpackt, und natürlich trugen die Abiturientinnen dabei die grüne Schürze der Tafelladen-Mitmacher, die allesamt ehrenamtlich wirken.

Der Pack-Aktion ging eine theoretische und analytische Vorbereitung zum Thema „Tafelladen“ voraus, „und wir werden das natürlich auch noch nach- und aufarbeiten“, sagte Jenny Häffner. Fleißige Hände arbeiten bekanntlich schnell, und so waren alle Brotboxen schnell bestückt und somit bereit für den Verkauf am Nachmittag – am Dienstag kommen stets viele Familien mit Kindern. Und die dürfen diese Brotbox behalten. Ein Anreiz, sie weiterhin, gefüllt mit „guten, gesunden Sachen“, gekauft im Tafelladen, mit in die Schule zu nehmen.

Doch auch am „Wie läuft das hier denn so ab?“ bestand großes Interesse. Und während die Tafel-Mitarbeiter – vorwiegend sind es Frauen – noch die Regale einräumten, fand sich auch etwas Zeit, den Schülerinnen den Ablauf vor, während und nach den Öffnungszeiten zu erklären.

„Es war eine gute Erfahrung“, sagte abschließend Sophie Meissner. Ja, sie könne sich durchaus vorstellen, „im Tafelladen mitzuarbeiten“, meinte Juliane Haag. „Ich war noch nie in einem Tafelladen, aber ich bin wirklich beeindruckt, was hier geleistet wird“, berichtete Mara Schammann. Und Laura Englert zeigte sich „überrascht von der Vielfalt der Lebensmittel, die sonst weggeschmissen worden wären“. Nach wie vor gutes Essen einfach wegzuwerfen, „das sollte einfach nicht sein“, pflichtete ihr Vanessa Müller bei. Aber „es ist leider so in unserer Gesellschaft, dass es Bedürftige gibt und Tafelläden nötig sind“.