Bad Mergentheim

Katholisches Gemeindehaus Sarah Schneider, Misereor, sprach zum Thema Artenvielfalt und Ernährung

Plädoyer für agrarökologische Ernährungswende

Archivartikel

Bad Mergentheim.Zum Thema Artenvielfalt und Ernährung sprach im katholischen Gemeindehaus Sarah Schneider, die beim Hilfswerk Misereor Referentin für Landwirtschaft und Ernährung ist.

Eingebettet war dieser Vortrag in das Programm der Naturschutzgruppe Taubergrund, das in diesem Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf die regionale, arterhaltende und umweltgerechte Ernährung legt. In Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung wurde nun der Blick vom Lokalen auf das Globale geweitet.

Sarah Schneider wies anfangs daraufhin, dass einem im Supermarkt eine enorme Vielfalt präsentiert wird. Der Schein trüge jedoch, denn in Wirklichkeit ernähre sich die Weltbevölkerung von nur rund 20 Pflanzenarten, essbar seien jedoch 30 000. Die Ursache dafür läge besonders an der industriellen Landwirtschaft, die auf Hochertragssorten und Monokulturen ausgerichtet sei. Dadurch werde zwar äußerst viel produziert, aber trotzdem litten über 800 Millionen Menschen weltweit Hunger. Außerdem seien zwei Milliarden Menschen mangelernährt, während fast zwei Milliarden Menschen übergewichtig seien.

All das seien Symptome für Fehlentwicklungen im Ernährungssystem sowohl im globalen Süden als auch hierzulande. Am Beispiel von Paraguay, wo mittlerweile 73 Prozent der Nutzfläche für den exportbestimmten Sojaanbau verwendet werde, erläuterte Sarah Schneider, dass es immer weniger kleinbäuerliche Betriebe gebe und ihre Bedeutung als Nahrungsmittelproduzenten schwinde. Damit verbunden sei der Verlust des einheimischen Saatguts, der Pflanzenkunde und der Anbautraditionen. Nahrungsmittelimporte nähmen zu und die Preise würden stetig steigen.

So plädierte Sarah Schneider für eine agrarökologische Ernährungswende, bei der es nicht um Produktivitätssteigerung, sondern um qualitative Verbesserungen gehe. Dazu gehöre die Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Mit agrarökologischen Methoden könnten bäuerliche Familienbetriebe vielfältige und hochwertige Nahrungsmittel für alle ermöglichen, die Böden geschont und der Pestizideinsatz verringert werde. Dazu komme, dass diese Art Landwirtschaft auch besser den Veränderungen durch den Klimawandel gewachsen sei. Dafür bräuchten Bauern die Kontrolle über Land, Wasser sowie Saatgut und müssten ihre Produkte lokal und zu einem angemessenen Preis vermarkten können. In erster Linie müsse es um die Entwicklung lokal angepasster bäuerlicher Lösungen gehen, die mit den verfügbaren Ressourcen auskommen.

An den Vortrag schloss sich ein reger Austausch an. Dabei wurde die Frage aufgeworfen, ob hier nicht verstärkt auf politischer Ebene Veränderungen angestoßen werden müssten. Sarah Schneider wies daraufhin, dass sich da durchaus etwas tue, aber vieles im Moment parallel liefe. Auf der einen Seite würde die Agrarindustrie gefördert, andererseits liefen aber auch Programme zur Förderung kleinbäuerlicher Landwirtschaft. Wohin die Reise gehen würde, sei momentan angesichts wechselnder Regierungen noch unklar. Ein Teilnehmer wies darauf hin, dass momentan eine Aktion des Naturschutzbundes mit der Bezeichnung 114 Euro laufe, die sich für eine neue EU-Agrarpolitik stark macht.

Zur Sprache kamen auch konkrete lokale Maßnahmen zur Stärkung einer agrarökologischen Wende wie etwa das Konzept einer solidarischen Landwirtschaft, Food Sharing und die Einrichtung eines örtlichen Ernährungsrates. Dabei wurde von einem Teilnehmer hingewiesen, dass sich dazu alle interessierten Gruppen, Verbände und gesellschaftlichen Kräfte zusammenschließen müssten, um Erfolge zu erzielen.

Mit aus Abfall hergestelltem Christbaumschmuck aus Ecuador bedankten sich Andreas Steffel von der Katholischen Erwachsenenbildung und Josef Gulde von der Naturschutzgruppe bei der Referentin für ihre Ausführungen und versprachen, die eingehenden Spenden des Abends einem Misereorprojekt, welches gesunde Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft fördert, zukommen zu lassen. anste