Bad Mergentheim

Gästeführer Weiterbildung zum Thema „Johanniter und Deutscher Orden“ mit Franz Thiele / Zeitweise bürgerkriegsähnliche Zustände im Heiligen Land

Politische Machtkämpfe des Mittelalters

Archivartikel

Im Rahmen der Weiterbildung der Gästeführer der Kurstadt fand unlängst ein Vortrag zum Thema „Johanniter und Deutscher Orden – Konflikte in Mergentheim und anderswo“ statt.

Bad Mergentheim. Gästeführer Franz Thiele stellte die aus der Stadtgeschichte bekannten örtlichen Querelen, Zwistigkeiten und teils handgreiflich ausgetragenen Konflikte zwischen den beiden Orden in den größeren Zusammenhang der Rivalitäten unter den drei Kreuzzugsorden – Templer, Johanniter, Deutscher Orden – , die sich vor allem auf den „Heidenkampf“ im Heiligen Land negativ auswirkten.

Der Deutsche Orden erhielt 1219 durch den Eintritt von drei Söhnen des Hauses Hohenlohe, von denen einer, Heinrich, 1232 Deutschmeister und 1242 Hochmeister wurde, quasi als „Hauskommende der Hohenlohes“ in Mergentheim von Anfang an eine starke Stellung gegenüber den Johannitern. Die Verleihung der Stadtrechte an den Deutschen Orden 1340 verstärkt diese weiter. Die zahlreichen Besuche von Kaisern und Königen in Mergentheim sind Zeugen dieser Entwicklung.

Aber auch die unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklung beider Orden trug zu einem Übergewicht des Deutschen Ordens bei, der im 13./14. Jahrhundert nach der eindeutigen schrittweisen Verlagerung seines Schwerpunkts vom Heiligen Land ins Baltikum auf den Höhepunkt seiner Größe und Macht zusteuerte, ermöglichte ihm zahlreiche Erwerbungen durch Pfandgewährung, Ankauf usw., unter anderem in Franken und in Mergentheim.

Deutschordenshochmeister Burchard von Schwanden trat 1291 zu den Johannitern über, da er offensichtlich den Einsatz seines Ordens im Heiligen Land nicht für ausreichend hielt. Als dringend benötigte Verstärkung konnte er nicht mehr als 400 Kämpfer, darunter 40 Ritter, als letztes Aufgebot nach Akkon geleiten, was den Verlust des Heiligen Landes nicht mehr verhindern konnte.

Anders als der Deutsche Orden sahen die Johanniter ihren Schwerpunkt auch nach 1291 weiter im Mittelmeerraum, was erhebliche Mittel z.B. für die Befestigung und Verteidigung von Rhodos und den Unterhalt einer Kriegsflotte erforderte, die die Balleien und Kommenden im Reich aufzubringen hatten, sehr oft durch den Verkauf von Liegenschaften.

Dagegen erhob sich schon früh Widerstand an der Basis, z.B auf dem Reformkongress in Franken 1361/1362. Als der Johanniterorden 1366 seine Kommenden in Pommerellen an den Deutschen Orden verkaufte, der sich dieses auch von Polen beanspruchte Territorium 1213 unter zumindest zweifelhaften Umständen angeeignet hatte und damit in einen Dauerkonflikt mit Polen eintrat, setzte die Johanniterballei Brandenburg im Heimbacher Vergleich von 1382 größere Unabhängigkeit von der Ordenszentrale in wirtschaftlicher Hinsicht und auch bei der Besetzung ihrer Führungsposten durch.

Das führte letztlich dazu, dass die Ballei Brandenburg 1538, dem Beispiel des Landesherrn folgend, zum Protestantismus übertrat.

Im politischen Machtkampf des Mittelalters standen die Johanniter und der Deutsche Orden oft auf verschiedenen Seiten. So blieben zum Beispiel Johanniter und Templer 1229 der Zeremonie fern, in der sich der vom Papst gebannte Staufer-Kaiser Friedrich II. in der Grabeskirche zum König von Jerusalem krönte.

Im kriegerischen Konflikt der italienischen Seestädte (1256-1270) – auch „Krieg von St. Sabas“ genannt – , der zeitweise bürgerkriegsähnliche Zustände im Heiligen Land auslöste, standen der Deutsche Orden und die Templer an der Seite von Venedig, die Johanniter unterstützten Genua. Unklar ist, wie sich die Johanniter in Mergentheim, die in der Regel auf der Seite der Bürgerschaft standen, während der Revolte gegen den Deutsche Orden von 1380 verhalten haben.

1433 wurde bei einen Generalkapitel der Johanniter in Rhodos der Tausch der eigenen Besitzungen in Schweden gegen die Kommenden des Deutschen Ordens in Sizilien erwogen. Das Vorhaben scheiterte wohl schon daran, das die schwedischen Johanniter auf keinen Fall zum Deutschen Orden wechseln wollten.

Es gab verschiedene Bestrebungen bzw. Ansätze dazu – 1576 auch am Kaiserhof in Wien – , den Deutschen Orden, eventuell zusammen mit den Johannitern, dauerhaft in Burgen an der ungarischen Südgrenze gegen die Bedrohung durch die Türken zu etablieren. Dafür fand sich allerdings keine hinreichende Zustimmung. Polen hatte bereits auf dem Konzil von Konstanz (1414-1418) die Auflösung des Deutschen Ordens oder seine Verlegung an die Türkenfront gefordert, da nur der „Heidenkampf“ seine Existenz rechtfertige.

Natürlich gibt es auch Beispiele des Zusammenwirkens aller Ritterorden, nicht nur in einzelnen Schlachten im Heiligen Land. So gingen Kontingente der Johanniter, Templer und des Deutschen Ordens im Verbund mit polnischen und böhmischen Kräften in der Schlacht von Liegnitz 1241 gegen die Mongolen unter. fth