Bad Mergentheim

In der Wandelhalle Gerd Landkammer schwang zum letzten Mal den Dirigentenstab / Zuschauer von musikalischer Leistung begeistert

Promenadenkonzert war bittersüß

Beim Promenadenkonzert in der vollen Wandelhalle überschlugen sich die Gefühle. Freude über die schöne Musik – aber auch Wehmut über den Abschied von Gerd Landkammer.

Markelsheim. Es war Mal wieder soweit: Der Musikverein Markelsheim stellte sich in der Öffentlichkeit in der vollen Wandelhalle vor. Für den langjährigen Dirigenten Gerd Landkammer war es ein ganz besondere Veranstaltung – das letzte Promenadenkonzert nach 45 Jahren.

Als Gründungsmitglied der Kapelle vor 50 Jahren, reifte in Gerd Landkammer nun der Entschluss, dass es an der Zeit ist, den Dirigentenstab in jüngere Hände zu übergeben. Somit schwankte die Stimmungslage der Musiker in den Proben zwischen der Vorfreude auf das Konzert und der Wehmut des Abschieds. „Man soll aufhören, solange es noch Spaß macht und, wenn es am schönsten ist“. Ja: Spaß habe es ihm immer noch gemacht und es war immer noch wunderschön vorne am Dirigentenpult zu stehen. Aber nun sei er irgendwie erleichtert, die Verantwortung nicht mehr tragen zu müssen. Beruhigend sei die Gewissheit, in Stephan Deppisch einen würdigen Nachfolger gefunden zu haben. Die ganze Situation schien die Markelsheimer Musikanten geradezu zu beflügeln. Dies spürte man schon bei dem schwungvollen und mächtigen Konzertmarsch „Per aspera ad astra“, komponiert von Ernst Urbach, der sich ansonsten eher der leichten Unterhaltungsmusik widmete. Den schönsten Melodien von Guiseppe Verdi folgte der Titel „Bärentanz“ mit Tizian Halbmann als Solist auf dem Fagott. Danach kündigte sich der Welthit „Music“ von John Miles an, sein erfolgreichstes Werk überhaupt. In dieser einmaligen Ballade, mit ihren abrupten Tempowechseln und starken Kontrasten, die bisweilen Gänsehaut erzeugen, vereinigen sich die Elemente zu einem großen getragenen Finale. Die Ballade beschreibt in ihren ersten Textzeilen mit den Worten „Music was my first love, and it will be my last“ (übersetzt: „die Musik war meine erste Liebe, und sie wird meine letzte sein“) in etwa das innerste Verhältnis von Gerd Landkammer zur Musik. Als Kontrast dazu, die „kleine Tischmusik“ eine viel beklatschte und lustige Holzlöffel- Einlage der vier Schlagzeuger der Kapelle, mit dem Schlussakkord „Mahlzeit“. Nach der „Vajnorska Polka“ (Musikantentraum Polka), Melodien aus der gleichnamigen Oper „Schwarzwaldmädel“ und der „Klarinetten Bravour Polka“, einem Solo für Klarinetten, kündigte sich der Wechsel an der musikalischen Spitze des Musikvereins Markelsheim an, als die Vorsitzende Verena Hüttl ans Mikrofon trat. In Ihrer Laudatio blickte sie nochmals kurz zurück auf die letzten 50 Jahre der Kapelle.

Von Zeitzeugen habe sie gehört, wie der Gerd quasi in dieses Amt gedrängt wurde, als sich trotz intensiver Suche kein anderer fand. Er habe es mit den Worten „ich werde es versuchen“ dann angenommen. Gerd Landkammer, so Verena Hüttl, wurde zu „dem“ Gesicht der Kapelle. Er, der 45 Jahre mit Leidenschaft arbeitete und sein ganzes Herzblut in den Verein gesteckt hat. Er, der viel von den Musikern forderte, sie aber auch förderte. Er, für den in der Probe die Worte „geht nicht“ nicht existierten. Und er, für den die Musikkapelle so etwas wie eine zweite Familie war, das Familienleben der Landkammers fand sozusagen im Rhythmus der Kapelle statt. Hüttl könnte noch lange erzählen über einen Mann, der sein Leben der Musik widmete. Dies alles seien genug Gründe dafür gewesen, Gerd Landkammer zum Ehrendirigenten des Musikvereins zu ernennen. Sie freue sich mit Gerd Landkammer, dass beim Konzert nicht nur sein Sohn Florian als Schlagzeuger dabei ist, sondern auch Enkelin Jule als fester Bestandteil der Kapelle. Ehre wurde auch Karl Ikas und Theo Satzinger zuteil, die nach vielen Jahren als Musiker ebenfalls ihre aktive Karriere in der Kapelle beenden. Auch Claudia Kemmer, die Ortsvorsteherin von Markelsheim, würdigte die außerordentlichen Verdienste, die sich Gerd Landkammer um die Kapelle und die Gemeinde erworben hat. Und da bekanntlich hinter einem erfolgreichen Mann stets eine starke Frau stehe, möchte sie auch seine Traudl erwähnen, die nicht nur das Hobby ihres Gerds teilte. Sondern ihn über die Jahre rückhaltlos unterstützte. Und das, obwohl sie wusste, ihn mit der Nebenbuhlerin „Musik“ teilen zu müssen.

Kemmer wünsche Gerd und Traudl Landkammer, dass beide der Musik – in welcher Art auch immer – treu bleiben mögen, und vielleicht manchmal zurückdenken, wenn sie sich zuhause zurücklehnen, an viele schöne und spannende Jahre mit den Markelsheimer Musikanten. Schlussendlich würdigte Oberbürgermeister Udo Glatthaar die Verdienste, die sich Gerd Landkammer um die Gemeinde Markelsheim und somit auch um die Stadt Bad Mergentheim erworben hat.

45 Jahre im Ehrenamt

Wenn ein Mann 45 Jahre im Ehrenamt der Allgemeinheit dient, sei das eine überragende menschliche Leistung. Er habe auch nach all der Zeit nichts von seiner Freude an der Musik und dem Elan verloren. Gerd Landkammer habe den Verein darüber hinaus zu einem exzellenten Botschafter für die Gemeinde und die Stadt geformt.

Und dann kam der erste große öffentliche Auftritt des neuen Dirigenten Stephan Deppisch, der mit dem Marsch „Salve Imperator“ sein Debüt gab. Dies tat er mit einer Souveränität, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Schon in diesen kurzen Minuten war erkennbar, dass er unbedingt der richtige Nachfolger für Gerd Landkammer ist. Für das Finale mit dem Medley „Udo Jürgens Highlights“, dem „Florentiner Marsch“ und als Zugabe den berühmten und beliebten „Radetzky- Marsch“ übernahm dann nochmals Gerd Landkammer den Dirigentenstab, der von den begeisterten Zuhörern mit minutenlangem Applaus belohnt und verabschiedet wurde.