Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 19) / Geschichte des Weinbaus in Althausen und Neunkirchen

Reblaus machte den Häckern zu schaffen

Archivartikel

In Althausen und Neunkirchen endete der professionelle Weinbau schon vor dem Zweiten Weltkrieg.

Althausen/Neunkirchen. Die historischen Wurzeln des Weinbaus der hiesigen Region reichen in die Römerzeit zurück. Nur 20 Kilometer westlich von Bad Mergentheim verlief ab dem zweiten Jahrhundert der „Vordere Limes“, der von vielen Legionären gebaut und dann bewacht wurde. Den Legionären fehlte aber der Wein. Der Nachschub aus Italien hatte einen weiten Weg und so brachten sie aus der Heimat Setzlinge mit und begannen mit dem Weinbau. Im 15. und 16. Jahrhundert erreicht der Weinbau in Tauberfranken seine größte Ausdehnung. Im Jahr 1639 gab es auf Mergentheimer Gemarkung Weinberge von 198 Hektar Fläche und in den vielen Weinkellern der Stadt lagerten bis zu 124 000 Liter. Ab Ende des 16. Jahrhunderts ging der Weinbau langsam zurück, auch weil das Bierbrauen aufkam.

Eingeschleppt aus Amerika

Aus Nordamerika wurde im Jahr 1873 die Reblaus nach Frankreich eingeschleppt. Dieser Schädling hatte in Europa keine natürlichen Feinde und breitete sich innerhalb weniger Jahre auch in Deutschland aus. Dazu kamen zunehmend Nachtfröste im Frühjahr. Mehr und mehr Häcker gaben ab dem 19. Jahrhundert den Weinbau auf und im Jahr 1953 endete in der Kernstadt Bad Mergentheim der professionelle Weinbau.

Zur Geschichte der ehemaligen Dorfgemeinde Althausen gibt es eine im Jahr 1999 herausgegebene zweibändige Dokumentation von Horst Schopf, mit einem Kapitel über den Althäuser Weinbau, aus dem einige der folgenden Zitate stammen. Der Weinbau beginnt in Althausen im späten 12. Jahrhundert. Vom 15. bis 17. Jahrhundert wird eine Weinsteuer erhoben, die reichlich Geld in die Gemeindekasse spült. 1772 gab es 36 Weinberge, nahezu alle Gemeindemitglieder bauten Wein an. Im Jahr 1880 hatte Althausen 532 Einwohner.

Neben Wein wurde nun auch zunehmend Hopfen angepflanzt, die Vermögensverhältnisse der Einwohner sind gut. Ab der Jahrhundertwende 1900 machen aber zunehmend die Reblaus und Nachtfröste zu schaffen und der Weinbau geht zurück. 1908 hat Althausen noch 46 Hektar Weinberge, 1933 endet der professionelle Weinbau. Die noch vorhandenen Weinstöcke verwildern, eine 1936 gestartete Aktion zur Neuanlage von Weinbergen mit neuen Rebsorten scheiterte und 1959 wurde der letzte Weinberg in Althausen aufgegeben. Zur Erinnerung an die goldenen Weinbauzeiten wurde 2013 in der Dr.-Goll-Str. ein „Erinnerungs-Weingärtchen“ eingerichtet.

Umfängliche Chronik

Zur Geschichte von Neunkirchen erschien im Jahr 2012 eine umfängliche Chronik von Edwin Herkner, aus der hier zitiert wird. Der Weinbau ist in Neunkirchen, dem Ort „bei der neuen Kirche“, im 18. Jahrhundert die Quelle für Wohlstand und Wachstum, Neunkirchen war ein „Weingärtnerdorf“. Eine hier noch heute gebrauchte Redensart ist: „mit dem besten Talacker kann man sich keinen Weinberg kaufen, wohl aber mit einem Weinberg den besten Talacker“. Der beste Weingarten war die Klinge im Wolfental. Neben dem Rathaus war bis 1840 die alte herrschaftliche Kelter in Betrieb.

Der Wein konnte über die direkt daneben liegende Rampe auf kürzestem Weg in den großen Gewölbekeller hinab gebracht werden. Die Häckerhäuser standen im Hinteren und Vorderen Gässle, eins davon ist das Geburtshaus von Friedrich Carl Arnold, (1794-1873), berühmtester Neunkirchner, Musikdirektor in Oslo. 1841 gab es in Neunkirchen noch 15 Häcker, aber auch schon ebensoviele Handwerker, Handelsleute und Krämer. Im Jahr 1880 hatte Neunkirchen 379 Einwohner.

Der Weinbau ist schon seit 1850 rückläufig. Die Nachtfröste und Reblaus wurden ab 1900 zu einer regelrechten Plage, die Weingärten wurden nach und nach aufgegeben. Es ist nicht dokumentiert, wann die letzte Weinlese stattfand, aber Einwohner berichten, dass der Weinbau in Neunkirchen vor dem Kriegsbeginn 1939 bereits zu Ende war. bro