Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ Diesmal widmet man sich dem Bildhauer und Maler Tobias Weiß

Religiöse Motive dominierten

Archivartikel

Bad Mergentheim.Tobias Weiß (1840-1929) ist kein gebürtiger Bad Mergentheimer. Doch die Stadt an der Tauber ist eine der entscheidenden Stationen seines künstlerischen Schaffens. Nach einer Lehre als Elfenbeinschnitzer und Kunstdrechsler studierte der talentierte und fleißige Sohn eines armen Gemeindehirten an der angesehenen Kunstgewerbeschule in Nürnberg, begab sich zu Privatstudien nach München, wo er im Künstlerkreis um Wilhelm Leibl verkehrte. Die Kunstakademie blieb ihm allerdings verschlossen.

Zeitlebens war er mit seinem ehemaligen Lehrer Peter Lenz, der als Pater Desiderius zum Begründer der „Beuroner Kunstschule“ wurde, befreundet. Der radikalen Kunstrichtung seines Freundes konnte sich Tobias Weiß nicht anschließen, auch wenn andernorts „Beuroner“ Einflüsse durchaus bemerkbar sind und Weiß verschiedentlich für seinen Freund arbeitete. Doch als freier Künstler hatte sich Tobias Weiß nach den Erwartungen seiner Auftraggeber zu richten. Im Schaffen des Bildhauers und Malers dominieren religiöse Motive. Sehr intensiv befasste er sich mit dem Totentanz-Thema. Sein „Biblischer Totentanz“ in St. Michael in Bad Mergentheim ist eines seiner Hauptwerke, das mit einem druckgraphischen Band „Moderner Totentanz“, der mehrere Auflagen erreichte, korrespondiert.

Im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden die Arbeiten dieser Kunstperiode unverdient gering geachtet und getilgt.

Als „Schreinergotik“ geschmäht, fielen auch Altäre und Kanzeln der Bad Mergentheimer Kunstschreinerdynastie Eichhorn diesem neuen Zeitgeist zum Opfer.

Obwohl diese Tendenzen auch in Bad Mergentheim zu verspüren waren, ist hier die größte Dichte erhaltener Arbeiten des Künstlers Tobias Weiß zu finden.

Sie sind Thema des Stadtrundgangs, den das Bürgerforum „Stadtbild“ veranstaltet. Hans-Werner Kress, einer der besten Kenner der Weißschen Werke, führt durch die Stadt.

Treffpunkt ist am Samstag, 16. Juni, um 15 Uhr vor der Marienkirche.