Bad Mergentheim

Rummel um die Höhle

Der Rummel um die Rettung einer Fußballmannschaft aus einer überfluteten Höhle in Thailand hat absurde Züge angenommen. So lud etwa FIFA-Präsident Gianni Infantino die jugendlichen Spieler zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaft ein (das sie aus gesundheitlichen Gründen jedoch nicht besuchen können). Schulkinder in Indien beteten für die Eingeschlossenen und hielten medienwirksam selbstgebastelte Plakate in die Kamera. Tesla-Gründer Elon Musk reiste ungefragt mit einem Mini-U-Boot nach Thailand, das dann bei der Rettung nicht zum Einsatz kam. Sogar ein Filmteam aus Hollywood war vor Ort, um sich die Rechte an der Geschichte zu sichern. Nun gibt es Pläne, ein Museum in der Höhle einzurichten.

Sicher verdienen die Retter großen Respekt für ihren selbstlosen Einsatz. Besonders der Taucher, der sein Leben ließ, als er Pressluftflaschen in der Höhle deponierte, hat ein großes Opfer gebracht. Auch war es selbstverständlich, alles zu tun, um die dreizehn Eingeschlossenen zu retten.

Über all dem Rummel sollte aber nicht vergessen werden, warum die Mannschaft überhaupt in Gefahr war. Trotz Regenzeit und obwohl Schilder vor dem Betreten warnten, sind der Trainer und die Jugendlichen in die Höhle gegangen. Dieses extrem leichtsinnige Verhalten sollte nicht noch durch Karten für ein wichtiges Fußballspiel belohnt werden. Angemessener wäre es, den Trainer zur Rechenschaft zu ziehen, auch mit Blick auf die sicherlich enormen Kosten der Rettungsaktion.

Das Geld wird jedoch eventuell auf anderem Wege wieder hereingeholt. Die Verantwortlichen in Thailand hoffen schon auf eine neue Touristenattraktion. Auch andere profitieren von dem Unglück. So deuteten etwa verschiedene Kommentatoren Elon Musks Angebot, mit dem Mini-U-Boot zu helfen, vor allem als PR-Aktion. Der Leiter des Rettungseinsatzes sagte über das Wasserfahrzeug: „Das brauchen wir nicht.“ Als Hollywood-Produzent Michael Scott gefragt wurde, ob es nicht etwas unsensibel sei, so schnell mit einem Filmteam vor Ort zu sein, antwortete er sinngemäß: „Wenn wir es nicht machen, macht es ein Anderer.“ Wahrscheinlich wird der Film, sollte er wirklich gedreht werden, ein Erfolg. Denn die Rettungsaktion ist auf großes Medieninteresse gestoßen. Fast täglich wurde im Fernsehen und in den Zeitungen darüber berichtet, auch wenn es manchmal kaum Neuigkeiten gab. Ob angesichts von Kriegen und Naturkatastrophen rund um den Globus dreizehn Menschen, die sich selbst in Gefahr gebracht haben, so viel Aufmerksamkeit verdienen, darf jedoch bezweifelt werden.