Bad Mergentheim

Vortragsveranstaltung „800 Jahre Kommenden Mergentheim und Würzburg“ im Reinhold-Würth-Haus / Hans-Georg Boehm stellte Geschichtswerk vor

Rund 150 Burgen sind heute noch nachweisbar

Archivartikel

Bad Mergentheim.Ein Beitrag der Historischen Deutschorden-Compagnie zum Jubiläum 800 Jahre Kommende Mergentheim und der Führungskultur rund um den Drillberg: Die Abendveranstaltung war ein Meilenstein durch die Ordensgeschichte, vorgetragen vom Ehrenmitglied des Deutschmeisterbundes in Wien, Hans-Georg Boehm.

Die rund hundert Gäste wurden begrüßt durch den Geschäftsführer Marcus Otto, der auf die lange gute Zusammenarbeit von Boehm und Armin Rother im Kuratorium „Führungskultur“ hinwies, das zu dieser Veranstaltung hinführte.

Der Spruch auf der dazu erstellten Schrift über die 335 Besitzungen des Deutschen Ordens in den 23 Balleien, „Nur Tätigkeit ist Leben,“ merkte man dem Festredner spürbar an: Er hatte sich mit dieser Arbeit mit Freuden zwei Jahre beschäftigt.

Burg Montfort war der Ausgangspunkt seiner Übersicht in die Geschichte, die dann über Akkon-Venedig-Marienburg und Wenden in Livland, ihren Lauf nahm. Die Aufstellung der Niederlassungen in ganz Europa gehen wohl auf Hochmeister Hermann von Salza zurück, dessen Grab in Barletta bis heute noch nicht gefunden wurde.

Von Venedig hat sich der Orden allmählich vom Mittelmeer in den Ostseeraum verlagert. In dieser Zeit lassen sich auf dem Weg nach Norden die meisten Gründungen von Kommenden nachweisen. Bozen 1202, Regensburg 1210, Lengmoos 1211, Hüttenheim 1213, Ellingen 1216, St. Leonhard 1219, zur selben Zeit wie Mergentheim und Würzburg, so die Aufzählung von Boehm. Nägelstedt in Thüringen wäre 1222 an der Reihe. Eine Gästeabordnung war dazu zum Fest jetzt in Bad Mergentheim und wurde von Boehm betreut, da seit der Wende eine Vorzeigeverbindung besteht.

Boehm verwies darauf, dass für eine derartige Ausdehnung schon damals ein entsprechender Verwaltungsapparat und Gliederung nach Ländern, Balleien und Kommenden notwendig wurde. Es war wohl die erste, die es im europäischen Raum gab. Wie wichtig so etwas war, wurde an Beispielen deutlich.

Am umfangreichsten ist auch heute noch der Burgenbau, 150 sind nach einer Burgenkarte nachweisbar, wenn manche auch nur als Ruinen in Preußen zu finden sind. Dass dafür im Vorfeld viele Reisen notwendig waren, wie nach Apulien und Sizilien, Ost-und Westpreußen, aber auch Riga und Tallinn, konnte man an den gezeigten Bildern auf der Leinwand im Vorspann erkennen.

Interessant war der Inhalt des Briefes eines Mergentheimer Bürgers an den Bürgermeister der Badestadt von 1942 aus Tallinn. Auch diese Schilderung gehört zur Ordensgeschichte, so Boehm und sollte nicht vergessen werden.

Er selbst hätte einen Wunsch zum 800-jährigen Geburtstag, den auch sicher viele Bürgen der aufstrebenden Badestadt begrüßen würden. Man spricht über die „Ketterburg“ über nur das, was O. Schönhuht 1847 geschrieben hat, nicht mehr. Man könnte doch einmal einen Grabungsschnitt auf der Rückseite wagen, um etwas mehr zu wissen über den Ursprung nach 800 Jahren.

So wäre nach etwa 20 Jahren auch ein Kaffee „Ketterburg“ oder eine „Steinburg“ denkbar, wie in Würzburg in den Reben. Das sollte für die Weiterentwicklung der Kurstadt kein Wunschtraum bleiben, so kam Boehm ins Schwärmen. Dazu gehört auch die Kennzeichnung mit einem gelben Punktkleber in der Arbeit, die zu den Orten der Aufstellung angebracht wurden, dessen Siegel bei der Forschungsstelle „Deutscher Orden“ bei der Uni Würzburg durch die Sammlung Boehm vorhanden sind, die angebracht werden könnten.

Einen solchen roten Punkt überreichte Boehm Dr. Kemmer von der Universität Würzburg, für die weitere Forschungsarbeit. Oberbürgermeister Udo Glatthaar sprach, als er diese Arbeit überreicht bekam, wie auch weitere Ehrengäste, von einem „Lebenswerk“ das Boehm in den über 50 Jahren für den Orden und so auch für die Stadt geleistet habe.

Die Rolle es Deutschen Ordens in der allgemeinen Geschichte Deutschlands und Europas, „bereichert für uns das Erbe der langen Geschichte. Wenn wir das weitertragen, dann haben wir wirklich einen Geburtstag im Sinne für ein neues Europa begangen“, so Boehm in seinen Schlussworten. hdoc