Bad Mergentheim

GEW-Protestaktion am 8. Juli „Landesregierung will 9000 Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit schicken“

„Saisonlehrkräfte in den Sommerferien bezahlen“

Archivartikel

Bad Mergentheim.Während sich Ende Juli 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg über den Beginn der Sommerferien freuen, schickt die grün-schwarze Landesregierung 9000 Lehrkräfte in die Arbeitslosigkeit, so die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). In Bad Mergentheim wollen sich am Montag, 8. Juli, zahlreiche Referendare unter dem Motto „Damit es für Meer reicht“ für eine Bezahlung ihrer Sommerferien stark machen.

„Die Steuereinnahmen sprudeln. Trotzdem zeigt sich die grün-schwarze Landesregierung in Zeiten des Lehrermangels und des Unterrichtsausfalls als Arbeitgeber ohne Verantwortung. Welcher andere Arbeitgeber schickt den gefragten Nachwuchs nach der Ausbildung erst einmal in die Arbeitslosigkeit? Die befristet beschäftigten Lehrer für Vertretungen sind für die Schulen oft der Rettungsanker. Sie halten unter oft schwierigen Bedingungen und schlechterer Bezahlung als ihre Kollegen den Unterrichtsbetrieb in Baden-Württemberg aufrecht.

Die meisten Referendare und befristet Beschäftigten werden laut GEW nach den Ferien wieder am Lehrerpult gebraucht, trotzdem schickt sie die Landesregierung in die Arbeitslosigkeit. Wir erwarten, dass diese Praxis noch dieses Jahr gestoppt wird“, schreibt Jana Kolberg, Kreisvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Baden-Württemberg in Bad Mergentheim in einer Pressemitteilung.

Verträge enden

Zum Ferienbeginn im Juli enden in Baden-Württemberg die Verträge von fast 4000 befristet beschäftigten Lehrer, der große Teil habe nicht einmal Anspruch auf Arbeitslosengeld. Zusätzlich werden über 5000 Referendare entlassen, obwohl die meisten ab September zum neuen Schuljahr wieder in den Klassenzimmern stehen.

Die Bildungsgewerkschaft GEW setzt sich dafür ein, dem Beispiel von Rheinland-Pfalz zu folgen, das vergangenes Jahr beschlossen hat, ab 2019 die Saisonlehrer in den Ferien zu bezahlen.

Grüne und CDU hatten im Wahlkampf 2016 versprochen, diese Lehrkräfte wie in einigen anderen Bundesländern auch in den Sommerferien zu bezahlen. Die GEW berichtet, dass immer wieder Lehrkräfte in benachbarte Bundesländer oder die Schweiz wechseln, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Dadurch wird sich der Lehrermangel in Baden-Württemberg voraussichtlich weiter verschärfen.

In Baden-Württemberg sind etwa 4000 Lehrerinnen und Lehrer befristet angestellt. Diese „Saisonlehrer“ arbeiten in der Vertretungsreserve sowie in Vorbereitungsklassen (VKL) und in Klassen des Vorqualifizierungsjahrs Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (Vabo), in denen auch geflüchtete Kinder und Jugendliche unterrichtet werden.

Für den überwiegenden Teil dieser Lehrkräfte enden die Arbeitsverträge am letzten Schultag. Noch 2008 lag die Zahl der befristet Beschäftigten bei 1216.

Ausbauplan gestoppt

„Offenbar hat in der Landesregierung niemand gemerkt, dass in den vergangenen Jahren tausende junge Lehrerinnen und Lehrer eingestellt wurden: Wir haben zu unserer Freude viele Schwangerschaften und dementsprechend steigt der Vertretungsbedarf. Der dringend notwendige Ausbau der ständigen Vertretungsreserve wurde 2013 von der ehemaligen Landesregierung gestoppt“, sagt Silvia Bambusch, Kreisvorstand Schwäbisch Hall.

Im Jahr 2012 hatte Grün-Rot beschlossen, jedes Jahr 200 neue Stellen für die feste Vertretungsreserve zu schaffen.

Derzeit müssen laut Gewerkschaft 6000 bis 7000 der fast 120 000 Lehrkräfte dauerhaft vertreten werden. In der ständigen Lehrerreserve gibt es aber nur 1666 Stellen.

Zusätzlich werde es angesichts des Lehrermangels in vielen Bereichen immer schwieriger, durch befristet Beschäftigte die Lücken zu stopfen. gew