Bad Mergentheim

Leserbrief Zu „Über 240 000 Besucher in 2018“ (FN 10. April)

Sandburgen-Mentalität in der Sauna

Letzte Woche berichteten Sie vom Gespräch mit dem Betreiber des Solymars. Er sei zufrieden mit der Auslastung, das Bad sei ein Erfolgsmodell, Leute strömten von überall her um dort Erholung und Spaß mit der ganzen Familie zu finden. Als häufiger Besucher des Bads kann ich im Wesentlichen zustimmen, aber mir leider eine Einschränkung nicht verkneifen.

Ein Problem, das Sie im Bericht angesprochen haben, trübte mir schon manches Mal einen anderen Besuch der Freizeiteinrichtung und dort des Saunabereichs. Häufig kam ich verschwitzt und recht erschöpft vom Aufguss nach draußen in den Ruhebereich und fand weit und breit keine Möglichkeit mich entspannt hinzulegen. Auch bei geringerer Auslastung des Bades waren fast alle Liegen dauerhaft mit Handtüchern belegt. Es dürfte wohl der Regelfall sein. Manche Besucher scheinen sich zu denken, nun zahlen sie schon einen durchaus stolzen Eintrittspreis für sich und den Partner, da hätten sie doch auch das Recht, sich ganztägig eine Doppelliege zu reservieren. Ich beobachtete Leute, die ihr Territorium dadurch abgrenzten, indem sie eine Liege fast wie im gut geführten Hotel kunstvoll bezogen hatten, damit niemand auf die Idee käme, dort Hand anzulegen, dann aber stundenlang gar nicht mehr auftauchten.

Einmal bedachte mich ein tätowierter Wüterich mit dem Götzzitat, weil ich es gewagt hatte, sein Handtuch vom Badepersonal ins bereitgestellte Körbchen legen zu lassen. Fast wäre er handgreiflich geworden. In diesem Moment hätte ich mir ein Schild an der Wand gewünscht, auf das ich hätte hinweisen können, dass das Belegen der Liegeflächen untersagt sei. Ein entsprechender Hinweis steht zwar auf den Körbchen, dort aber verhältnismäßig klein aufgedruckt. Das engagierte Personal räumt zwar die Liegen frei, aber nicht immer sind genügend Angestellte vorhanden, oft gebe es Engpässe bei höherem Krankenstand, wie mir der Betreiber gegenüber einmal aussagte. Alles erinnert mich an meine Kindheitserlebnisse an der Ostsee mit den Sandburgen um die Strandkörbe und die Platzhirsche, die ihr Geweih schon bedrohlich senkten, wenn andere nur in die Nähe ihres Territoriums kamen. Spricht man Leute im Solymar an, heißt es, das würden eben alle so machen, das sei hier so üblich. Tatsächlich kommt es mir so vor, als würden andere Bäder das Problem besser lösen, weil es dort eben mehr Hinweisschilder gibt.

Mein Vorschlag an den Betreiber: Schreiben Sie doch einen Wettbewerb aus für die Gestaltung lustiger Hinweisschilder um das Problem einzuschränken. Das Bad ist doch für die Erholung aller da und nicht jeder wagt es, sich sein eigenes Recht auf Erholung gegebenenfalls zu erstreiten.