Bad Mergentheim

Kopernikus-Realschule Präventionssiegel des Regierungspräsidiums Stuttgart für Präventionskonzept verliehen / Schülerbefragung als Grundlage für Erstellung eines Konzepts

Schule als Raum, der die Würde des Einzelnen achtet

Bad Mergentheim.Für ihr Präventionskonzept hat die Kopernikus-Realschule das Zertifikat „stark.stärker.WIR“ des Regierungspräsidiums Stuttgart erhalten. Das Kultusministerium hat eingeführt, dass Schulen, die zu Aushängeschildern in Baden-Württemberg werden, ein Siegel bekommen. Dieses ziert nun auch den Flur der Kopernikus-Realschule.

Ziele des Konzeptes sind laut der Handreichung des Programms die Schule als Raum zu gestalten, in dem Würde und Gesundheit jedes Einzelnen geachtet werden. Schüler und Lehrkräfte sollen sich dort sicher fühlen, ihre Konfliktlösungskompetenz stärken und über gute Voraussetzungen zur Lebensbewältigung und -entfaltung verfügen. Alle sind in ihrer Persönlichkeit und Selbstwirksamkeit gestärkt.

Erschreckende Zahlen

Hintergrund des Konzepts war eine Schülerbefragung im Jahr 2016, bei der es um die Lebenswelt von Jugendlichen aus dem Landkreis ging. Die Ergebnisse im Bereich der psychischen und physischen Wohlgefährdung der Kinder brachte teils erschreckende Zahlen zutage.

Laut Schulleiter Heiko Knebel müssten die Schüler stark gemacht werden, so dass es beispielsweise erst gar nicht zu übermäßigem Alkoholkonsum käme. Es würden Konzepte gebraucht, die durch eine gute Prävention eine Intervention überflüssig machten. Also haben sich Fachleute, Schulsozialarbeiter, Eltern und Lehrer an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam einen Präventionsleitfaden zu entwickeln. Evelyn Deisel gilt nun als Präventionsbeauftragte der Kopernikus-Realschule.

Emotionales Erlebnis

Für die Heranwachsenden geht es um Wahrnehmungen und Empfindungen, Selbstregulation und Lernen, Bewegung und Entspannung, Körper und Hygiene, Ernährung, Sucht und Abhängigkeit, Mobbing und Gewalt, Sicherheit und Unfallschutz. Perfekt in das Konzept passte der Auftritt des Theaters „Q-rage“, der sich in seinem Stück „Total vernetzt, alles klar“ mit dem Thema Medienkompetenz beschäftigte. Die Veranstalter bezeichneten ihr Engagement als emotionales Erlebnis, das in den Köpfen der Schüler wirke und auch die Lehrer bestätigten, dass es eine tolle Erfahrung gewesen sei. Ebenso passend war der pädagogische Elternabend am gleichen Tag, der die Eltern der kommenden Fünftklässler für das Thema Medienbildung sensibilisierte.

In ihren Reden beriefen sich Gerd Frick und Andreas Kieninger, Fachmänner und Präventionsbeauftragte des Regierungspräsidiums Stuttgart, auf die Sängerin des Auftaktliedes im Rahmen der Feierstunde.

Nelia Stöckle aus der Klasse 8m hatte mit Schülern der Klasse 5m das Lied „Fight Song“ präsentiert. Den Auftritt bezeichneten die Präventionsbeauftragten als stark, auch weil er eine starke Verbindung zum Thema schaffe. Stark sei auch, dass alle da seien, Lehrer, Eltern, Experten. Stark sei das neue Konzept. Stärker sei, dass alle dahinter stehen würden, ganz im Sinne des Konzeptes. So trügen alle am Schulleben Beteiligte zum Wohl der Schüler bei. Schulsozialarbeiterin Ivonne Kohler stellte das Präventionsprogramm der Schule in aller Kürze dar. In Klasse 5 und 6 liege der Fokus auf der Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere damit die Schüler lernten, eigene Bedürfnisse und Grenzen und die der anderen wahrzunehmen und anzuerkennen. Zusätzlich werde viel in der Klasse gearbeitet. Dazu zählten beispielsweise sozial-emotionales Lernen, Klassenrat, Medienkompetenzbildung, Gesundheitstag, verschiedene Programme in Zusammenarbeit mit der Polizei (wie „Abseits?!“) sowie ein Selbstbehauptungstraining.

Entwicklung zu Stärke

In Klasse 7 und 8 stehen Sucht- und Gewaltprävention im Vordergrund, da das die Zeit ist, erste Dinge auszuprobieren. In Klasse 9 und 10 soll auf das Ausbildungs- und Berufsleben vorbereitet werden. Beispielhaft hierfür seien das Heidelberger Kompetenztraining zur Entwicklung mentaler Stärke sowie weitere Kooperationen mit der Polizei zu den Themenbereichen „Alkohol und Führerschein“ oder „Alkohol und Schwangerschaft“. Die wichtigste Erkenntnis aus der gemeinsamen Arbeit sei laut Frick: „Suchtpräventionsarbeit darf sich nicht auf das Durchlaufen verschiedener Programme mit Schülern beschränken. Um der Entstehung von Suchtverhalten vorzubeugen und herausforderndem Schülerverhalten zu begegnen, ist der wichtigste protektive Faktor im schulischen Kontext Bildung und Beziehung. Prävention ist daher eine Frage der pädagogischen Haltung und findet jeden Tag aufs Neue statt.“