Bad Mergentheim

Jahreshauptversammlung Naturschutzgruppe hat 411 Mitglieder / 180 Aktivitäten / Vortrag über naturnahe Gärten

Schutz der Meere ist Ziel für 2019

Archivartikel

Die Naturschutzgruppe Taubergrund setzt sich seit 39 Jahren für die Umwelt ein. Zurzeit verzeichnet man 411 Mitglieder, die im vergangenen Jahr etwa 180 Aktivitäten organisierten.

Bad Mergentheim. „Gebt acht auf unseren wunderbaren Planeten!“ Das war die Kernaussage der Videobotschaft des deutschen Astronauten Alexander Gerst vor seiner Rückkehr zur Erde. Mit dieser Botschaft eröffnete der Vorsitzende der Naturschutzgruppe Taubergrund (NSG), Josef Gulde, die 39. Jahreshauptversammlung in Markelsheim. Und fügte an: „Unsere Erde ist ein zerbrechliches Raumschiff, das gegenwärtig existenziell großen Gefahren ausgesetzt ist.“ Passend zu der hochaktuellen Problematik habe die Gruppe den diesjährigen Schwerpunkt: „Plastik vermeiden heißt unter anderem Meere schützen“ gewählt. Diese sowie ihre Bewohner seien nämlich durch Plastikabfälle massiv bedroht.

Rekord-Mitgliederzahl

Die NSG werde übers ganze Jahr verschiedene Projekte, Vorträge, Filme, Exkursionen und noch andere Veranstaltungen anbieten. „Im Moment hat unsere Gruppe die höchste Mitgliederzahl seit ihrer Gründung vor 39 Jahren. 411 Menschen unterstützen unsere vielseitige und vielfältige Arbeit im Natur- und Umweltschutz“, freute sich Gulde. „Wir würden uns wünschen, dass wieder mehr Menschen, besonders in der Altersgruppe von 16 bis 50, sich aktiv im Naturschutz allgemein und ganz konkret auch bei uns in der Gruppe engagieren.

In den Arbeitskreisen – aber auch im Vorstand!“ Man könne versichern, dass sich ein aktives Mitarbeiten bei der NSG lohne und ein positives Gefühl vermittele.

Erstmals war Oberbürgermeister Udo Glatthaar zu einer Jahreshauptversammlung der Naturschutzgruppe gekommen. Die Kritik und die Enttäuschung von Josef Gulde an „der unseligen Diskussion um ein ’Pestizidfreies Bad Mergentheim’“ nahm Glatthaar auf und versprach eine baldige Einberufung des Runden Tisches. Till Preuss als stellvertretender Vorsitzender des Landesnaturschutzverbands schilderte die Aktivitäten auf Landesebene. Erika Neumann stellte dar, in welcher Vielfalt sich die ungefähr 180 verschiedenen Aktionen und Projekte des vergangenen Jahres bewegten. So feierte die Pflanzentauschbörse ihren dreißigsten Geburtstag. 600 Arbeitsstunden in der Landschaftspflege wurden geleistet und 780 Kurgäste marschierten mit den Wanderführern der Gruppe mit. Susanne Uekermann berichtete über geordnete Finanzen und Holger Schmitt bescheinigte ihr eine vorbildliche Arbeit. Im Anschluss nahm man die Ehrung langjähriger Mitglieder vor (siehe Infobox).

Dann folgte ein Vortrag über „Naturnahe Gartengestaltung“ von Jürgen Mayer. Der ist ein ungewöhnlicher Pflanzenkenner und -freund, er hat eine enorme Sammlung von 1200 Gehölzen und kennt alle mit lateinischen Namen. Wie eine naturnahe Gartengestaltung verwirklicht werden kann, stellte er mit anschaulichen Beispielen dar.

Naturnahe Gartengestaltung sei historisch gesehen ein Widerspruch in sich. Gärten seien in ihrem Ursprung immer gestaltete Naturräume, die den Ansprüchen und Bedürfnissen ihrer Nutzer entsprechend angelegt wurden. „In Gärten werden Pflanzen kultiviert, eine künstliche Welt, die der Mensch versucht, nach seinen Vorstellungen zu gestalten und zu lenken. Würde er das nicht tun, wäre er kein Gärtner und der Garten kein Garten, sondern ein Stück Natur. Was also ist dann ein Öko-, Bio- oder Naturgarten?“

Es seien die Einstellung zum Garten und seinen Bewohnern und es seien die Methoden, die den Ökogärtner vom „Normalgärtner“ unterscheiden. Naturnahe Gärten sind weniger repräsentativ und nicht sonderlich ordentlich, gepflegt und aufgeräumt.

Das Ziel laute: „So natürlich wie möglich, so kultiviert und gestaltet wie nötig.“ Das bedeute jedoch nicht, ungepflegter oder ausufernder Wildwuchs. Die naturnahe Gestaltung sei eine möglichst geringe Versiegelung von Gartenflächen. Deshalb solle man nur Flächen befestigen, die unbedingt notwendig sind.

Zudem solle man eine möglichst wasserdurchlässige Befestigung wählen (wassergebundene Kiesdecke, Rasenfugenpflaster, Dränpflaster) und bereits versiegelte Flächen, die nicht benötigt werden, entsiegeln und begrünen. Das bedeute auch, möglichst Materialien aus der Umgebung zu verwenden und dadurch weite Transportwege zu vermeiden. Im Oberen Taubertal seien am besten Naturmaterialien wie Muschelkalk geeignet. Aufgabe und Sinn der Bepflanzung eines Gartens seien: die Schaffung erlebbarer und überschaubarer Räume, die Gliederung des Gartens, ein Sicht- und Windschutz, eine Zierfunktion (durch Wuchs, Blüten, Herbstfärbung), die Schaffung von Lebensräumen für Tiere und Insekten und der Anbau von Obst und Beeren.

Die Bepflanzung eines möglichst naturnahen Gartens orientiere sich immer an der Vegatation des Standorts. Wenn möglich solle man erhaltenswerten vorhandenen Bewuchs schützen und in die Neugestaltung miteinbeziehen. Bei einer Neuanpflanzung solle man die natürlichen Voraussetzungen beachten. Ebenso die Himmelsrichtung der Besonnung sowie die Klima- und Bodenverhältnisse. Darüber hinaus seien auch die Windverhältnisse und der vorhandene Platz zu beachten.

Bei Nichtbeachtung (willentlich oder unbewusst) entstünden auf jeden Fall ein erhöhter Pflegeaufwand (Winterschutz, Düngung, Schädlingsbekämpfung, Schnitt), ein Kümmerwuchs, eine Blühunwilligkeit, mangelnde Erträge, Anfälligkeiten gegen Schädlinge und Krankheiten und ein Platzmangel durch zu starkes Wachstum. Die Vorteile einer naturnahen Bepflanzung würden sich durch blühwillige und ertragreiche, langlebige und robuste Pflanzen äußern.

Außerdem sei der Pflegebedarf (Düngung, Schnitt, Schädlingsbekämpfung) relativ gering, gebe es einen Lebensraum und ein vielfältiges Nahrungsangebot für Vögel und Insekten. Der einzige Nachteil sei, dass der Garten nicht unbedingt „repräsentativ“ ist.