Bad Mergentheim

Diabetes-Akademie 32. Langzeitdiabetikertreffen / Infos und Tipps in Vorträgen und Workshops

Sensoren überprüfen ständig Zucker-Status

Archivartikel

Bad Mergentheim.Das 32. Langzeitdiabetikertreffen fand an der Diabetes-Akademie Bad Mergentheim statt. Mit dabei waren Menschen, die länger als 20 Jahre Diabetes haben. Unter den Teilnehmern befand sich allerdings auch ein Spitzenreiter, der bereits seit 69 Jahren mit der Stoffwechselerkrankung lebt.

Unter dem Motto „Neue Zeiten – neue Ziele“ erfuhren die Teilnehmer, was es Neues in der Diabetologie gibt. Mittlerweile messen die meisten Patienten mit einer Insulintherapie nicht mehr den Blutzucker, sondern verfügen über ein kontinuierliches Zuckerüberwachungssystem.

Dies funktioniert in Form von Sensoren, die etwa so groß sind wie eine 2-Euro-Münze und auf der Haut am Oberarm aufgeklebt werden. Auf diese Weise kann man jederzeit überprüfen, ob der Zucker im Zielbereich liegt.

Genau dies war das Thema von Dr. Torben Biester aus Hannover, der den Teilnehmern erläuterte wie eine gute Zuckereinstellung aussehen muss. „Mehr als 70 Prozent der Werte sollten im Zielbereich zwischen 70 und 180 mg/dl liegen“, so Biester in seinem Vortrag. „Schauen Sie sich Ihren Zucker regelmäßig an und reagieren Sie auf die Werte“, so seine Empfehlung.

In einem weiteren Vortrag berichtete der Bad Mergentheimer Psycho-Diabetologe Dr. Berthold Maier über das sogenannte „Diabetes-Burnout“ und beantwortete die Frage, ob dies ein Modetrend ist oder ob es das wirklich gibt. Seine Antwort lautete, „Ja, das gibt es“. Mit einem Diabetes ist man jeden Tag 24 Stunden beschäftigt und muss sich um ihn kümmern. Dies kann irgendwann die Betroffenen überfordern. Die Folge ist, dass man sich nicht mehr ausreichend um die Stoffwechselerkrankung kümmert und der Blutzucker schlechter wird. Dies führt zu Frustration und verstärkt das ganze. „Holen Sie sich im Falle eines Diabetes-Burnouts kompetente Hilfe beim behandelnden Arzt oder eben beim Psychologen“, so sein Rat.

Gefahr „Übertherapie“

Aus Ulm war Prof. Werner Kern angereist und sprach über die Gefahren der Unterzuckerung.

Der größte Fehler der Diabetologen in den letzten 20 Jahren war offenbar, Unterzuckerungen zu verharmlosen, obwohl diese von Patienten gefürchtet sind. Mit einem Unterzucker kann man nicht mehr richtig denken oder sogar vollkommen hilflos werden. Dies dürfe man keinesfalls hinnehmen, sondern muss die Einstellung so korrigieren, dass Unterzuckerungen nur noch selten und dann in leichter Form auftreten.

Mit den bereits beschriebenen Sensoren und modernen Therapien ist dies auch möglich. Sollte die Einstellung nicht stimmen, muss sie vom Diabetologen korrigiert werden oder es sollte eine Neueinstellung in einer Fachklinik erfolgen.

Unter dem Motto „Weniger ist mehr – welche Medikamente werden im Alter entbehrlich?“ referierte Dr. Til Uebel aus Ittlingen. Insbesondere warnte er vor einer Übertherapie im höheren Lebensalter. Teilweise nehmen die Patienten 15 und mehr Tabletten pro Tag ein. In vielen Fällen heben sich die Wirkungen der Tabletten auf oder es gibt in der Kombination gefährliche Nebenwirkungen.

Dennoch sprach er von einem Dilemma, denn jeder Arzt versuche ja das Beste für seine Patienten zu erzielen. Dennoch sollte man gerade im höheren Lebensalter bestimmt Medikamente auch weglassen, da sie keinen Nutzen bringen. Doch jede Änderung der Medikamententherapie erfordere Mut, sowohl durch den Arzt, als auch durch den Patienten.

Schließlich will man sich nicht Vorwurf machen lassen, dass durch das Weglassen von Medikamenten der Patient einen Nachteil erleide. Allerdings müsse man auch akzeptieren, dass frei nach Wilhelm Busch „das Leben eben lebensgefährlich ist“.

Der Höhepunkt der Veranstaltung ist immer die Ehrung der Jubilare für ein erfolgreiches Leben mit Diabetes. Wer mit 40, 50 oder 60 Jahren Diabetesdauer einen „runden Geburtstag“ feierte erhielt ebenso ein Geschenk wie alle Teilnehmer, die länger als 60 Jahre Diabetes haben.

Am Nachmittag hatten die Teilnehmer die Gelegenheit mit den Referenten aus dem Diabetes Zentrum Mergentheim in zahlreichen Workshops alle Fragen rund um die Erkrankung loszuwerden und sich mit den anderen Teilnehmern auszutauschen. dam