Bad Mergentheim

Deutschordensmuseum Theaterprojekt „Odyssee des Lebens“ mit dem deutschen Theaterpreis „amarena“ ausgezeichnet

„Spannend, zeitgemäß und auch feinfühlig“

Das Deutschordensmuseum hat mit seinem Theaterprojekt „Odyssee des Lebens“ den Deutschen Amateurtheaterpreis „amarena“ gewonnen.

Bad Mergentheim. Mit großer Freude, so heißt es in einer Pressemitteilung des Museums, habe Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer die Nachricht entgegen genommen, dass das Theaterprojekt den Preis in der Sparte „Offene Theaterformen“ gewonnen hat. Unter 189 Bewerbern habe sich die Jury für dieses Projekt entschieden.

In ihrer Begründung schreibt die Jury: „Die Stückentwicklung „Odyssee des Lebens“ verbindet die Fluchtgeschichten der am Projekt teilnehmenden Spieler mit Motiven aus Homers Odyssee... (Die Zuschauer erfahren) ansatzweise die mögliche Bedrängnis, den Verlust von privatem Raum, die Entwürdigungen, die mit einer Flucht einhergehen können, in teils beißend klaren, teils wunderbar poetischen Bildern und durchaus am eigenen Leib, jedoch immer im geschützten Rahmen des Spiels“. Und weiter: „Das Kuratorium empfindet die äußere Form des Stücks als vorbildlich für die Kategorie ’Offene Theaterformen’, die Erzählweise als unaufdringlich und schätzt die Inhalte als spannend, zeitgemäß und feinfühlig aufbereitet ein“.

Die Preisträger nehmen am 2018“ Preisträgerfestival teil, das vom 27. bis 29. September in Leipzig stattfindet. Hier stellen sie ihre Inszenierung auch vor.

Der Deutsche Amateurtheaterpreis – Schirmherrin ist die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Dr. Eva-Maria Stange – ist eine Auszeichnung, die an Theatergruppen und auch an Theatermacher für Inszenierungen in unterschiedlichen Genres vergeben wird.

Prämiert wird dabei die künstlerische Leistung im ehrenamtlichen kulturellen Engagement. Entscheidend für die Auswahl ist, dass die Preisträger mit ihrer künstlerischen Arbeit exemplarisch für das aktuelle deutsche Amateurtheater stehen und gleichzeitig wegweisend und impulsgebend für die Amateurtheaterarbeit sind.

Initiiert wurde die auf Homers „Odyssee“ aufbauende Stückentwicklung von Deutschorden-Museumsdirektorin Maike Trentin-Meyer. Spielleiter war Florian Brand.

Das Ensemble des integrativen Theaterprojekts setzt sich aus 14 Laienschaupielern im Alter zwischen 14 und 65 Jahren zusammen. Die Spieler stammen aus sechs unterschiedlichen Nationen (Syrien, Afghanistan, Libanon, Griechenland, Krim, Baden-Württemberg) mit zum Teil jahrelanger Schauspielpraxis bis hin zum Schauspieldebüt.

Mit den Mitteln der Theaterpädagogik bildete Spielleiter Florian Brand eine homogene Spielgemeinschaft und schuf damit ein positives Gemeinschaftsgefühl. Vier Monate lang hatte sich die Gruppe blockweise getroffen und in angeleiteten Improvisationen erste Szenen entwickelt. Einen Monat vor der Premiere stieg man in eine intensive Endprobenphase ein.

Jetzt wurde eine komplexe Dramaturgie entwickelt, eigene Texte geschrieben, Choreografien erdacht und einstudiert, Kostüme und Requisiten genäht und gebastelt sowie das Bühnenbild entworfen und umgesetzt. Ohne die Mittel des Innovationsfonds Baden-Württemberg und private Spenden hätte das Projekt nicht verwirklicht werden können. Neben der öffentlichen Generalprobe gab es noch sieben weitere Aufführungen.

Das starke Medienecho und die vielen sehr emotionalen und positiven persönlichen Rückmeldungen der Zuschauer bestärkten die Spieler und haben das Projekt positiv in ihrem Bewusstsein verankert.

Die unter den Schauspielern geknüpften freundschaftlichen Verbindungen, die Verbindung zum Regisseur und zum Museum hätten, so die Pressemitteilung weiter, auch über das Projektende hinaus Bestand. Zum Wettbewerb angemeldet wurde das Projekt vom Bundesfreiwilligen im Deutschordensmuseum Björn Küppers.

„Von allen Seiten, auch von der Öffentlichkeit her, besteht ein großes Interesse an der Fortführung und Wiederaufnahme des Projektes, das Preisgeld könnte der Startschuss dafür sein“, heißt es in der Pressemitteilung.

Ziel sei es, die hohe Qualität und die Vielfalt des Amateurtheaters einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen und über die künstlerische Reflexion den gesellschaftlichen Diskurs anzuregen.