Bad Mergentheim

Gemeinderat Jahresabschluss des Stadtwerks Tauberfranken mit großer Freude vernommen / 3,9 Millionen Euro

Stadtwerk füllt Stadtkasse mit Millionen

Archivartikel

240 000 Euro mehr als im Vorjahr und damit knapp 3,9 Millionen Euro spülte das Stadtwerk Tauberfranken, das der Stadt Bad Mergentheim zu 51,36 Prozent gehört, laut Bilanz 2018 in die Stadtkasse.

Bad Mergentheim. Der Jahresabschluss 2018 wurde mit großer Freude im Gemeinderat aufgenommen. Erneut ernteten die Geschäftsführer und ihre Mitarbeiter Beifall vom Gremium.

Paul Gehrig und Dr. Norbert Schön stellten die Bilanz für das vergangene Jahr vor. Geschäftsführer Gehrig teilte mit, dass der Aufsichtsrat und die Gesellschafter des Unternehmens das Jahresergebnis bereits im Mai verabschiedet haben: „5,04 Millionen Euro erzielte das Stadtwerk als Ergebnis nach Steuern. Rund die Hälfte des Ergebnisses kommt zwischenzeitlich aus den Beteiligungen und neuen Geschäftsfeldern. Größten Anteil hat daran die rund 20 Millionen Euro-Beteiligung des Stadtwerks an der Thüga, für die das Unternehmen eine Dividende von 2,12 Millionen Euro erhielt.

Aber auch die Beteiligungen ’Thüga Erneuerbare Energien’, ’Windpark Külsheim’, ’Stadtwerk Külsheim’ sowie an der ’Naturwärme Bad Mergentheim’ bringen 0,4 Millionen Euro Ergebnisanteil, Tendenz steigend. Dies ist umso wichtiger, als die Margen im harten Wettbewerb des Strom- und Gasvertriebs deutlich niedriger sind. Es zeigt aber auch, dass das Stadtwerk mit seinen Investitionen in die unterschiedlichen Beteiligungen und in die regenerative Energieerzeugung frühzeitig die richtigen Weichen gestellt hat“, so Gehrig.

Die Gesellschafter haben dem Unternehmen zugestanden, 300 000 Euro des Ergebnisses zur Stärkung des Eigenkapitals im Unternehmen zu belassen. Der Mehrheitsgesellschafter Stadt profitiert mit 2,43 Millionen Euro am Ergebnis. Ergänzt durch die gesetzlich vorgeschriebene Konzessionsabgabe von 937 000 Euro, durch Gewerbeertragssteuer von 442 000 Euro sowie Verwaltungskostenbeitrag und Fremdenverkehrsabgabe erhält die Stadt eine Gesamtabführung vom Stadtwerk von 3,88 Millionen Euro und damit rund 240 000 Euro mehr als im Jahr zuvor.

Gehrig weiter: „Froh ist unser Unternehmen auch, dass mit der Gemeinde Großrinderfeld der Konzessionsvertrag Erdgas neu abgeschlossen werden konnte und die gute Zusammenarbeit fortgesetzt wird.“

Nach dem Jahresabschluss präsentierte die Geschäftsführung auch die aktuellen Projekte und Prognosen. Gehrig: „Klimaschutz ist weltweit wichtig, beginnt aber regional. Das Stadtwerk Tauberfranken leistet seit Jahren einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Klimaschutz und engagiert sich für eine umweltfreundliche Energiezukunft in der Region. Folgende Projekte wurden bereits erfolgreich umgesetzt:

Das Naturwärmekraftwerk hat sich im Alltagsbetrieb bestens bewährt und hat mittlerweile seine Kapazitätsgrenze erreicht. 95 Prozent der eingesetzten Biomasse stammt aus einem Umkreis von maximal 50 Kilometern. Verwertet werden ausschließlich naturbelassene Hackschnitzel aus der Waldbewirtschaftung, aus Landschaftspflegematerial sowie Straßenbegleitgrün. So wurden ca. 30 Millionen kWh Wärme und sieben Millionen kWh Strom erzeugt und dabei 13 500 Tonnen CO2/Jahr eingespart. Um die Spitzenlast des steigenden Wärmebedarfs in Bad Mergentheim zu decken, wird eine erdgasbefeuerte Heizzentrale in der Riedstraße (ehemaliges Rudolph-Gelände) in kalten Wintermonaten zusätzlich Wärme einspeisen. Weil durch die zentrale Wärmeerzeugung viele ungefilterte Einzelheizungen wegfallen, trägt die Wärmeversorgung zusätzlich zur Luftreinhaltung in der Kur- und Badestadt bei.

Strom für 8500 Haushalte

Windpark Külsheim: Sehr positiv entwickelt sich auch der Windpark Külsheim, der trotz windschwachem Jahr 2018 mehr Strom als prognostiziert erzeugte. Das Stadtwerk ist mit 40 Prozent an diesem Gemeinschaftsprojekt beteiligt. Weitere Partner sind hier das Stadtwerk Külsheim mit 15 Prozent und die Thüga Erneuerbare Energien GmbH und Co. KG mit 45 Prozent. Im Berichtsjahr wurden über 30 Millionen kWh Strom erzeugt. Das entspricht dem Strombedarf von ca. 8500 Haushalten. Der Windpark erzeugt damit doppelt so viel Strom wie in Külsheim inklusive Stadtteilen benötigt wird.

Über die Beteiligung des Stadtwerks an der Thüga Erneuerbare Energien GmbH (THEE) engagiert sich das Stadtwerk auch bundesweit in der regenerativen Stromerzeugung. Sowohl das Stadtwerk regional als auch THEE prüfen aktuell Investitionen in Freiflächen-Fotovoltaik-anlagen, um das Portfolio der regenerativen Energieerzeugung sinnvoll zu ergänzen.

Neue Geschäftsfelder: Ein neues, innovatives Feld des Stadtwerks ist der Ausbau von Breitband und WLAN. Wir investieren in moderne Funktechnologien und bauen unsere Glasfaserinfrastruktur kontinuierlich weiter aus. Die modernen Funktechnologien und die Glasfaserinfrastruktur sind Grundlage für künftige Smart-Home und Smart-City-Dienstleistungen: Durch intelligente Steuerung von Sensoren und Auswertung der Messergebnisse sollen in Zukunft Abläufe und Prozesse viel (energie-)effizienter steuerbar sein: Ampeln lassen sich automatisch an den aktuellen Verkehrsfluss anpassen, Mülleimer werden nur noch angefahren und geleert, wenn sie voll sind, Parkanlagen nur gegossen, wenn der Sensor meldet, dass Wasser nötig ist.

Freies WLAN wird in 2019 und in 2020 vorwiegend in den Stadtteilen weiter ausgebaut.

In der Elektromobilität hat das Unternehmen aktuell elf öffentliche Ladesäulen im gesamten mittleren Main-Tauber-Kreis realisiert und weitere acht in Planung. Stolz ist man über die erste Schnell-Ladesäule, die in der kommenden Woche vor dem Parkhaus am Bahnhof in Bad Mergentheim in Betrieb gehen wird.

Ein Leuchtturmprojekt für den ganzen Main-Tauber-Kreis soll im Baugebiet ’Auenland III’ in Bad Mergentheim entstehen. Energieeffizienz, nachhaltige Nutzung der erneuerbaren Energien, eine stark ökologische Ausrichtung gepaart mit neuen Möglichkeiten der Elektromobilität und zukunftsweisenden Smart-City-Lösungen hat sich das Stadtwerk hier zum Ziel gesetzt. Über das Förderprogramm Wärmenetze 4.0 ist bereits die Machbarkeitsstudie in Arbeit, Ergebnisse werden zum Beginn des vierten Quartals erwartet.“

Geschäftsführer Gehrig machte auch deutlich, dass zum Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele weit mehr Engagement als bisher nötig sein werde. Dies werde politisch über Fordern (gesetzliche Vorgaben) und Fördern (Anreiz durch gut gefüllte Fördertöpfe) gepuscht werden. Ob Solaranlage auf dem Dach mit Stromspeicher, Heizungsmodernisierung, Wärmedämmung, Smart-Home-Lösungen, E-Mobilität und Energieeffizienzmaßnahmen – das Stadtwerk stelle sich personell und qualitativ neu auf, um private und gewerbliche Verbraucher ebenso wie Kommunen, umfassend über alle Fördermöglichkeiten beraten zu können.