Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 15) / Steinriegel und Weinbergtulpe sind verschwunden

„Steinerne Echsen“ prägen die Täler

Archivartikel

Steinriegel wärmten über Generationen nachts die Weinstöcke. Inzwischen wurden manche von ihnen abgetragen, um an Baumaterial zu kommen. Einmal fand sich dabei ein wertvoller Schatz.

Bad Mergentheim. Links der Tauber sind vom Katzenberg bis zum Braunstal so ziemlich alle Relikte der Rebkultur verschwunden. Das gilt für den rundum kahlen, vom Wartturm bekrönten Eisenberg, der Quellstube der Stadt. 1322 wird hier erstmals, zufällig, ein Weinberg erwähnt. Ein Jahrhundert später überließ die wohlhabende Bürgerin Agnes Schreiber, nach früheren Stiftungen, ihr ganzes Vermögen samt Grundbesitz dem Spital und dem St. Rochus geweihten Siechenhaus vorm Wachbacher Tor.

Dafür sollte in der Spitalkapelle eine ewige Messe für sie gelesen werden. Das geschieht seitdem jeden Monat, bis heute. 1809 ballte sich zwischen den Reben am Westhang des Eisenberges der erste Widerstand der Ordensbauern gegen das anrückende württembergische Exekutionskorps.

Eisenberg und Galgenberg

Zwischen Eisenberg und Galgenberg zog die Weinlage Häslich aufwärts. Stefan Röser bestockte hier zwei Hektar mit jungen Reben. Auch die Familie Speeth hatte hier Weinbesitz. Im Juli 1846 schrieb Eduard Mörike an Gretchen Speeth: „Die Leute hoffen infolge dieser Witterung goldne Berge von dem Wein – ich dachte gleich ans Häschen...“.

Karl Schumacher führt den Lagenamen auf Haselgebüsch zurück. Links der Wachbach wuchs an der schroffsteilen Ottenklinge, 1422 erstmals genannt, ebenfalls die Rebe. Am Südhang des Wolfentales ist der Weinbau 1311 bezeugt. Das Hangende Loh, also ein früherer lichter Eichenwald, rechts der Trillbergsteige, wurde früh für die Rebkultur gerodet.

Ein im Auftrag der Stadt 1858 von Johann Eberhart in Öl gemaltes Mergentheimer Panorama lässt hier noch einen mächtiggrauen Steinriegel ahnen.

Diese Wälle wurden von vielen Generationen aus den mehr als faustgroßen Brocken des Hauptmuschelkalks längs der Parzellengrenzen aufgehäuft und seitlich aufgeschichtet. Steinernen Echsen gleich geben diese talwärts ziehenden Riegel dem oberen Taubergrund und Vorbachtal bis heute das Gepräge, soweit sie nicht pietätlos für den Wegebau verschottert worden sind.

Kachelöfen gleich strahlten diese Steinriegel die tags gespeicherte Wärme nachts an die Weinstöcke ringsum zurück. 1926 fand man beim Abtragen eines Igersheimer Riegels für den Kursaalbau ein Schatzversteck mit Münzen aus Gold und Silber vom 14. bis ins später 16. Jahrhundert.

Vertraute Begleitpflanzen

An die aufgelassenen Weinberge im Schüpferloch erinnerten wie am Trillberg bis in die 1920er Jahre kühlgelbe Weinbergtulpen, deren Zwiebeln das traditionelle Hacken überstanden, als vertraute Begleitpflanzen an die verschollene Rebkultur.

Im Braunstal, an der sonnigtrockenen südlich exponierten Hangkante des Unteren Bürgerwaldes, wo offenbar die letzten Braunbären der Gegend ihr Refugium gefunden hatten, ist historischer Weinbau ebenfalls bezeugt. bfs