Bad Mergentheim

75. Geburtstag gefeiert Pfarrer i.R. Peter Keßler befindet sich im „Unruhestand“ / Für 2019 neue Kostümführung geplant

Stets offen für neue Herausforderungen

Archivartikel

Edelfingen.Die evangelische Kirche hat sein Leben geprägt, im Ruhestand ist das Schloss Weikersheim nun stärker ins Zentrum gerückt: Pfarrer i. R. Peter Keßler feierte am gestrigen Dienstag seinen 75. Geburtstag. Wobei: Ruhestand wäre ein irreführender Ausdruck bei der Tatkraft, mit der der Jubilar nach wie vor sein Werk verrichtet.

Geboren wurde Peter Keßler am 1. Mai 1943 in Creglingen. Nach dem Abitur studierte er Theologie in Tübingen, Göttingen und Berlin. Nach dem Vikariat und der ersten Anstellung als Pfarrer in Aichelberg kam Peter Keßler 1981 nach Edelfingen, wo er bis 1994 als Pfarrer wirkte. Von 1994 bis 2005 war Keßler Pfarrer von Neubronn, hier ging er auch in den Ruhestand.

Gottesdienste hält Peter Keßler mittlerweile nur noch manchmal, und wenn, dann in Edelfingen, wo er seit 2005 wieder wohnt – zusammen mit seiner Frau Anita, mit der er seit 1968 verheiratet ist.

Viele Jahre übte Peter Keßler das Amt des Pressepfarrers aus. Seine mit „peka“ gezeichneten Texte waren und sind geprägt von einer klaren Sprache und einer spürbaren Sympathie und Offenheit denjenigen gegenüber, über die er schrieb. Sein seit 1987 ausgeübtes Engagement als Pressepfarrer des evangelischen Kirchenbezirks Weikersheim hat er inzwischen zurück gefahren, aber, wie er selbst sagt, das „Nötigste“ macht er nach wie vor. Und auch für Tauberzeitung und Fränkische Nachrichten wird Peter Keßler nur noch in Ausnahmefällen als Reporter tätig – weit über 30 Jahre lang war „peka“ als freier Mitarbeiter der Bad Mergentheimer Tageszeitungen unterwegs – dabei immer offen für neue Herausforderungen, und so beackerte er als freier Mitarbeiter in all den Jahrzehnten ein weites Themenfeld. Dabei blieb er auch technisch immer auf dem neuesten Stand: Rückschritt gab es bei ihm nicht – dafür ist er ein viel zu wissbegieriger Mensch.

Für seinen Einsatz um die kirchliche Pressearbeit war Peter Keßler im Jahr 2012 mit der Johannes-Brenz-Medaille ausgezeichnet worden.

Wie es sich für einen Pfarrer gehört, ist auch die Musik stets ein wichtiger Faktor seines Engagements gewesen. Von 1997 bis 2005 leitete Peter Keßler als Vorsitzender den Männergesangverein Neubronn.

Im Kirchenchor Edelfingen singt der Jubilar nicht mehr – aus einem einfachen Grund: Es gibt ihn nicht mehr. Dafür ertönt Peter Keßlers Stimme mittlerweile im Gesangverein Edelfingen/Althausen.

Weitere ehrenamtliche Aktivitäten verbinden ihn mit dem Freundeskreis Mobile Dienste, mit dem Seniorenkreis Edelfingen und mit dem Senioren-Besuchsdienst der evangelischen Kirchengemeinde Edelfingen.

Und da ist noch seine große Leidenschaft: das Schloss Weikersheim mit seiner bunten Geschichte, in die sich Peter Keßler inzwischen mit der ihm eigenen Beharrlichkeit hineingekniet hat. Seit 2010 schon ist Peter Keßler dort als kostümierter Fremdenführer tätig – in Person des Hofkapellmeisters Erasmus Widmann und des Grafen Wolfgang II. In den letzten Jahren hat sein Engagement in Weikersheim kontinuierlich zugenommen, die dabei gewachsene Verbundenheit mit seiner jüngsten Wirkungsstätte kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass er von „seinem Schloss“ spricht. Dazu kommt, dass auch seine Frau Anita als Führerin in Weikersheim aktiv ist.

Peter Keßlers Forscherdrang ist ungebrochen, so hat er etwa letztes Jahr die gedruckte Ausgabe des Glaubensbekenntnisses des Grafen Wolfgang II. aus den Tiefen der Archive ans Licht der Gegenwart gezaubert. Die vorläufigen Ergebnisse seiner Forschungen zur Reformationsgeschichte hatte er in zwei gut besuchten öffentlichen Vorträgen präsentiert.

Peter Keßler wäre aber nicht Peter Keßler, wenn sein Wissensdrang damit schon gestillt wäre. Für 2019 hat der 75-Jährige eine neue Kostümführung in Vorbereitung: „Von Frankreich bis ins Frankenland. Monseigneur Joseph de la Grange – Ihro Gnaden treuester Kammerdiener“. Mehr als ein halbes Jahrhundert lang diente er dem barocken Grafen Carl Ludwig. Als Kammerdiener kennt Joseph de la Grange das Leben am Hofe genau.

Im Hohenloher Zentralarchiv Neuenstein hat Peter Keßler fast 300 Seiten zu dem Kammerdiener gefunden – diese gilt es nun aufzubereiten. Zeit dafür hat der Jubilar ja eigentlich – schließlich ist er im (Un)Ruhestand. Nachträglich alles Gute zum 75. Geburtstag! abo