Bad Mergentheim

Fachklinik Schwaben Ärztlicher Direktor Dr. Lukas André sprach über den neuen internetbasierten Weg der Gesundheitsnachsorge

„Tele-Medizin kann nachhaltig helfen“

Archivartikel

Bad Mergentheim.Über den Begriff der Tele-Medizin sprach Dr. Lukas André, Ärztlicher Direktor und Leitender Arzt der Inneren Medizin in der „Rehasan“-Fachklinik Schwaben.

Tele-Medizin soll der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation dienen.

Im Bereich der Rehabilitation bedient sich die Fachklinik Schwaben sei dem Jahr 2016 dieser neuen „rehasonanz“ genannten Technik.

Genutzt werde sie bei Adipositaskranken, also krankhaft an Fettsucht leidenden Menschen. Seit diesem Jahr seien auch Diabeteskranke einbezogen. Hier laute der Oberbegriff „Telediabetologisches Kompetenz-Centrum (TDKC)“. Beide Bereiche der Tele-Medizin würden Reha-Patienten nach einer Reha-Maßnahme auf freiwilliger Basis angeboten.

Dr. André betreut das internetbasierte System, das einen neuen Weg der Nachsorge darstellt.

Wie er darstellte, sei es wichtig gewesen, die Reha-Medizin hier zu veränderung. Zum einen weil ein nachhaltiger Erfolg durch einen nur dreiwöchigen Klinikaufenthalt nicht zu erzielen sei. Außerdem seien Gewichtreduzierungen sind dringend notwendig, sowohl bei Adipositas-, also auch bei Diabetes-Erkrankungen. Durch die einjährige Nachbetreuung sei seiner Erfahrung nach eine zehnprozentige Gewichtsabnahme in Eigenverantwortung des Patienten durchaus realistisch. Allein hierdurch würden die Krankheitsrisiken schon halbiert. Bei den Diabeteskranken führt dies auch zu einer Verringerung der Medikamentengabe.

Schon bei ihrer Anmeldung in der Fachklinik würden die Patienten ihrer Probleme anhand eines Fragebogen darlegen. Auf diese würde dann beim Aufnahmegespräch eingegangen, bei dem auch auf die Teilnahme an der internetbasierten Nachsorge hingewiesen.

Neben der Motivation des Patienten würden auch Gewicht, Ernährungsweise, Bewegung und Lebensstil abgefragt – wichtige Faktoren bei jeder Reha-Maßnahme.

Selbstverantwortung stärken

Im Falle der Zustimmung zur telemedizinischen Nachsorge würden die Patienten mit einem e-Learningprogramm bekannt gemacht, das sie mit dem Internetportal und den dort gestellten Fragen vertraut macht.

Nach seiner Entlassung führt der Patient ein Online-Tagebuch, das vier wichtige Bereiche abfragt: Selbsteinschätzung, Ernährungsweise und Trinken, aktuelles Gewicht und Bewegung. Die gesammelten Daten würden wöchentlich an die Fachklinik gesandt und dort ausgewertet. In einem vierteljährlichen Report bekomme der Patient eine Rückmeldung vom Arzt.

Möglich sei auch das direkte Gespräch mit dem Arzt, etwa durch den Austausch in einem Chat-Room oder bei einer Online-Sprechstunde. Sollte bei der ärztlichen Verlaufsbeobachtung eine Intervention notwendig werden, geschehe dies per E-Mail oder telefonisch. Auch die Vorbereitung ambulanter Kontrollen könne durch dieses System erfolgen.

Dr. André betonte ausdrücklich, dass die Datenerhebungen nicht der Datensammlung diene, sondern ausschließlich, um den Patienten nachhaltig zu helfen.

Die telemedizinische Nachbetreuung weise bei den Patienten der Fachklinik eine gute Resonanz auf. Besonders gute Erfolge seien bei Adipositas-Erkrankten zu verbuchen. Auch ältere Patienten profitieren in besonderem Maß von diesem neuen Weg. Für Dr. André verstärke die telemedizinische Nachbetreuung den Erfolg einer Rehamaßnahme, denn sie unterstreiche, dass Reha wirksam sei. Die Fachklinik Schwaben sei, so der Ärztliche Direktor, hier gerne ein Vorreiter. Auf dieses Alleinstellungsmerkmal der Fachklinik Schwaben wies auch Verwaltungsdirektor Klaus Rockenmaier im Gespräch mit unserer Zeitung hin. Allerdings koste diese Zusatzmaßnahme die Klinik zurzeit auch jährlich ca. 100 000 Euro, die nicht von den Krankenkassen erstattet würden.

Rockenmaier wünscht sich aber ein Umdenken der Kassen, da die Erfolge in der Tele-Medizin seiner Meinung nach künftige Pflegefälle, die von den Pflegekassen monatlich mit bis zu 2500 Euro bezuschusst werden müssten, verhindern bzw. hinauszögern könne. Derzeit würden rund 100 Adipositas-Kranke und ebenso viele Diabeteskranke an der telemedizinischen Nachbetreuung teilnehmen. WM