Bad Mergentheim

Vor 400 Jahren 1618 begann der 30-jährige Krieg und wütete auch im Taubergrund um Mergentheim / Durch Feuer und Schwert Landstriche in Einöde verwandelt

Tote zusammen in einem Loch begraben

Der Ausbruch des 30-jährigen Krieges jährt sich in diesem Jahr zum 400. Mal. Raub und Mord waren an der Tagesordnung.

Bad Mergentheim. Der 30-jährige Krieg, der vor 400 Jahren ausbrach, explodierte zu einem europäischen „Weltkrieg“ mit geradezu monströsem Ausmaß. Er „verheerte seit 1618 die Länder so, daß allenthalben die Pest und andere bösartige Krankheiten und große Theurung herrschten, daher Handel und Wandel gänzlich gesperrt, und nicht einmal die Jahrmärkte mehr, wegen Mängel an Münzen, abgehalten werden konnten“, heißt es in der Breitenbachschen Chronik aus dem 19. Jahrhundert.

Wie katastrophal sich allein der Durchzug riesiger Heere auf den Taubergrund und seine Bevölkerung auswirkten, zeigte sich im Oktober 1621, als Graf Ernst von Mansfeld mit sage und schreibe „18 000 Mann an den Thoren von Mergentheim vorüber in die untere Pfalz zog. Und da er seine Leute nur durch Raub und Brandschazung erhalten konnte, so folgte ihm die Verwüstung überall auf dem Fuße nach.“

„Schaudervolle Zeit“

Zwar sei Mergentheim während des Truppendurchzugs verschont geblieben, weil der Statthalter des Deutschen Ordens für die Verteidigung und Sicherheit der Stadt gesorgt habe, „allein umso schrecklicher war die Umgegend durch Feuer und Schwert in eine Einöde verwandelt“. 13 Weiler und Höfe seien „entvölkert und gänzlich verwüstet“ worden, unter ihnen Dainbuch bei Althausen, Igelstrut bei Hachtel und Rödelsee bei Harthausen.

Die Zeit damals muss wahrlich „eine schaudervolle bedrängte Zeit“ gewesen sein, wie die Chronik überliefert. „Freundliche und feindliche Heere durchzogen das Land, verzehrten und verheerten alles, begingen die schändlichsten Ausschweifungen jeder Art“, und „zugleich herrschte überall Hungersnoth und Pest“.

Die Pest wütete 1626 in Mergentheim „so sehr, daß kein Haus mehr war, aus dem nicht einige Menschen starben. In der ganzen Mühlwehrgasse fand sich Niemand mehr am Leben, als ein einziges Kind, das beim Durchsuchen entdeckt wurde.“ Um die vielen Toten einzusammeln, wurde extra ein Leichenwagen gefertigt, dessen Räder mit Filz gefüttert wurden, offensichtlich, um das Fahrgeräusch zu dämpfen. Damit fuhr man in der Stadt umher, „um die Toten darauf zu laden und in ein Loch zusammen zu begraben“.

Der 30-jährige Krieg war auf der einen Seite ein Glaubenskrieg zwischen der Katholischen Liga, zu der auch der Deutsche Orden und damit Mergentheim gehörten, und der Protestantischen Union. Auf der anderen Seite war er aber auch ein Kampf um die Vorherrschaft im Heiligen Römischen Reich. Kontrahenten waren hier der Habsburger Kaiser und mehrere Landesfürsten im Inneren, sowie das Reich und europäische Widersacher wie Frankreich, Dänemark und Schweden im Äußeren.

Schwedische Besatzung

An Mergentheim zogen nicht nur riesige Heere mit all der Gewalt und den Hungersnöten und Seuchen im Gefolge vorbei, sondern die Stadt wurde auch belagert, beschossen und 1631 über zwei Jahre lang von den Schweden besetzt, „die viel Wein und Lebensmittel aus der Stadt in das schwedische Lager brachten“ und hohe finanzielle „Kriegsentschädigungen“ eintrieben.

Der katholische Pfarrer musste zum evangelischen Glauben übertreten. Den entmachteten Deutschordensbrüdern wurde untersagt, das Ordenskreuz zu tragen. Als die Schweden dann aber eine schwere Niederlage bei der Schlacht bei Nördlingen erlitten und aus Mergentheim wieder abziehen mussten, hielt der Hochmeister des Deutschen Ordens, Johann Caspar von Stadion, Einzug in Mergentheim, und den Protestanten blieb nichts anderes übrig, als entweder zum katholischen Glauben überzutreten oder die Stadt zu verlassen.

„Die Folgen dieses Kriegs waren für Mergentheim, so wie fürs ganze Land höchst traurig, indem die Felder öde und verwüstet lagen, die Dörfer entvölkert oder abgebrannt, keine Straße mehr sicher und Raub und Mord an der Tages-Ordnung waren“, schildert die Breitenbachsche Chronik nicht müde werdend die verheerenden Folgen des Krieges.

„Die Noth stieg so hoch, daß Hunde und Katzen gegessen wurden“ und „sehr viele Menschen Hungers starben“. Hungersnöte und Seuchen kosteten mehr Menschen das Leben als die eigentlichen Kampfhandlungen. Schätzungen gehen davon aus, dass der 30-jährige Krieg sechs Millionen Menschen das Leben gekostet hat.

Tausende Tote „auf der Höhe“

Wir könnten hier natürlich noch schier endlos weiter berichten von kaiserlichen, schwedischen, sächsischen, bayerischen, polnischen, böhmischen oder französisch-weimarischen Truppen oder von der Schlacht auf der Höhe bei Herbsthausen mit Tausenden von Toten. Aber es würde dabei nicht mehr herauskommen, als dass die Spirale der Gewalt und Not sich über drei Jahrzehnte hinweg immer weiter im Kreis gedreht hat.

Wichtig ist uns noch abschließend zu sagen, was es mit dieser Breitenbachschen Chronik auf sich hat. Eine Abschrift der Chronik befindet sich im Stadtarchiv. Sie wurde in Buchform vor zwei Jahren von der Geschichtswerkstatt in der Reihe „Geschichte(n) aus Bad Mergentheim“ unter dem Titel „Breitenbach. Chronik der Stadt Mergentheim“ herausgegeben. Sie stammt von Anton Breitenbach (1800-1868). Er arbeitete als Archivar im Deutschordenshauptarchiv zu Mergentheim.