Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 8) / Stattlich war die Häckerzunft

Traubenheiliger auf edlem Stoff

Archivartikel

Stubenzeichen und Prozessionsfahne waren wichtig für das öffentliche Auftreten der Häckerzunft.

Bad Mergentheim. „Der Anfang oder die Entstehung der Mergentheimer Sanct Urbans-Pflege verliert sich in dem Altertum“. So hob 1787 der Chronist der Bruderschaft, Erasmus Baumgartinger, an. Alles, was er davon wisse, beruhe auf der mündlichen Tradition der Häcker, „daß einige Vermögliche unter ihnen in den Vorzeiten den Fond zu dieser Pflege geleget...“.

Die mittelalterlichen Weingärtnerzünfte waren mehr als Berufsgenossenschaften; ihr Handwerk weckte ein kultisches Echo. Am Urbanstag, dem 25. Mai, versammelten sich die Urbansbrüder zum Amt in der Pfarrkirche. Von der Ordensherrschaft, von der Stadt, vom Schöntaler Propsthof und vom Spital erhielten sie zusammen 56 Kreuzer und einen Pfennig, dazu 32 Maß Wein und 34 Pfund Brot. Von dem Geld wurde noch extra weißes Brot gekauft.

Der Pfleger, der das Zinsbuch führte, und der Mesner erhielten davon ihr Quantum. Die Schulkinder „beiderlei Geschlechts“ und alle, die dazu kamen, bekamen einen Trunk und Brot. So geriet der Tag zu einem kleinen Fest für das Städtchen. Ausgaben hatte die Pflege nur für die vier jüngsten Häcker, die das Standbild des Heiligen trugen. So sammelte sich aus den Kreuzerlein ein Kapitalstock von 600 Gulden an. 1789 entschloss man sich, für 100 Gulden eine Prozessionsfahne anzuschaffen. Sie war aus rotem Damast und zeigte neben dem Traubenheiligen die Botschafter aus dem gelobten Lande mit der Kalebstraube. Das Jahr zuvor war die Goldene Krone in der Burggasse, das spätere Haus Büdel, zum Zunftlokal gewählt worden. Dort hing nun das Stubenzeichen der Zunft mit St. Urban. In der katholischen Pfarrgemeinde wusste auf Anfrage niemand mehr Bescheid über den Verbleib der Urbansfahne. 1927 hatte Karl Fleck notiert, die Prozessionsstange der Häckerzunft werde heute noch mitgetragen, die Fahne sei mit anderen ins bischöfliche Museum nach Rottenburg gekommen.

Da der 25. Mai öfter auf andere kirchliche Feiertage fiel, wurden Amt und Prozession 1807 auf den Sonntag vor St. Urban verlegt.

Neue Rebsorten

Der um die Stadt verdiente prominente Uhrmachermeister Erasmus Baumgartinger, der Hirschenwirt und Reichsposthalter Georg Sambeth, Bäckermeister und Ochsenwirt Franz Sturm sowie der Igersheimer Adlerwirt Möhler, Vater des berühmten Theologen Johann Adam Möhler, sorgten Ende des 18. Jahrhunderts für neue Rebsorten. Baumgartinger führte 1803 mit dem Schultheiß Taglieber das Räuchern der Weinberge gegen die gefährlichen Spätfröste ein. Der Orden erlaubte dafür das Sammeln von Laub und Moos. Igersheim, Markelsheim, Löffelstelzen und Edelfingen schlossen sich der Aktion an. Ein Pater im Dominikanerkloster kontrollierte in den kritischen Nächten das Thermometer.

Die Hälfte des Herbstes wurde nach den Aufzeichnungen des Schieferdeckermeisters Valentin Eichhorn im Städtle heruntergeschwenkt, der Rest auswärts verkauft. Hirschenwirt und Straußenwirt kauften Wein von den Ordensbeamten mit Grundbesitz auf. Professionelle Weinhändler waren um 1800 unter anderem Salme Abraham und Jakob Jonas. bfs