Bad Mergentheim

Mitgliederversammlung des Weinbauverbands Präsident Hohl blickte auf ein herausforderndes Jahr zurück

Trotz Wetterkapriolen hochwertige Ernte

Archivartikel

Der Klimawandel hat auch Auswirkungen auf den Weinbau. Welche, das war unter anderem Thema bei der Mitgliederversammlung des Weinbauverbands.

Markelsheim/Besigheim. In der Alten Kelter des schönsten deutschen Weinortes trafen sich die Mitglieder des Weinbauverbandes Württemberg zu ihrer Mitgliederversammlung. Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stand der Jahresbericht des Verbandspräsidenten Hermann Hohl, der 2018 als ein herausforderndes Weinjahr mit einigen Wetterkapriolen bezeichnete: früher Austrieb, langanhaltende Trockenheit, regionaler Hagelschlag und Starkregen. Zum Glück wandte sich im Spätsommer dann noch vieles zum Guten. Und so konnte württembergweit eine an Menge und Güte hochwertige Traubenernte eingebracht werden. Die Mostgewichte lagen bei allen Sorten über dem langjährigen Mittel. Besonders den makellosen Gesundheitszustand der Trauben hob Hohl hervor. Dies führte zu hervorragenden Qualitäten, die sich in die Reihe der Jahrhundertjahrgänge einordnen lassen.

115 Millionen Liter Most geerntet

Auf der 10 904 Hektar großen Ertragsrebfläche wurden 115 Millionen Liter Weinmostmenge geerntet. Aus heutiger Sicht sollte diese Menge den Weinmarkt nicht durcheinanderwirbeln und zu Billigpreisen führen, so Hohl. Vielmehr müsse das Preisniveau dem Qualitätsniveau gerecht werden und eigentlich zu Preiserhöhungen führen. Als eine der wichtigsten Aufgaben des Verbandes sieht Präsident Hohl den Erhalt der landschaftsprägenden Steilst- und Terrassenlagen in Württemberg. „Die Steillagen prägen in besonderer Weise unsere Kulturlandschaft. Somit leisten sie auch für die Tourismuswirtschaft einen besonderen Beitrag. Unsere Touristen halten sich sehr gerne in diesen einzigartigen Naturwelten auf und genießen diese in vollem Umfang“.

Ein besonderes Augenmerk richtete der Präsident in seinem Jahresbericht auch auf die Zukunft des Weinbaus im Blick auf den bereits deutlich spürbaren Klimawandel. Ein ernstes Thema, mit dem sich auch die anschließende Diskussionsrunde beschäftigte. Durch die witterungsbedingte Auswirkung des Klimawandels werde man es vermehrt mit Wetterkapriolen zu tun haben, so Hohl. Diese wirken sich besonders durch einen frühen Austrieb der Reben aus und sind dadurch den verstärkten Spätfrösten ausgesetzt. Hinzu kommt das Risiko von vermehrten Hagelunwettern mit Starkregen sowie ausgeweitete Dürreperioden, die zu erheblichen Schäden in den Weinbergen führen. Um gewisse Vorsorge zu leisten, müsse man ein Risikomanagement entwickeln, das auf einer Versicherungslösung aufgebaut ist. Minister Peter Hauck habe bei verschiedenen Anlässen durchblicken lassen, das Bestreben des Weinbauverbandes, eine Versicherungslösung auf den Weg zu bringen, zu unterstützen.

Weitere Themen die der Präsident ansprach, waren das Bezeichnungsrecht, die strukturellen Veränderungen im Weinbau mit der Folge, dass immer mehr kleinere Betriebe und viele Nebenerwerbswengerter aufhören, die schlechte Marktsituation und die erdrückende Bürokratie, mit der auch große Weingüter und Vollerwerbsbetriebe nicht mehr zurechtkommen. Sehr erfreut zeigte sich der Verbandspräsident über den Berufsnachwuchs: „Auf diesen dürfen wir zweifellos stolz sein. Nach wie vor finden sich immer noch genügend junge Menschen, die bereit sind, den Beruf des Winzers zu erlernen. Damit dies auch in Zukunft so bleibt, sind attraktive Ausbildungsangebote wichtiger denn je, so dass der Berufsnachwuchs noch besser auf die künftigen Anforderungen vorbereitet ist“.

Abschließend sprach Hohl die allgemeine Situation auf dem Weinmarkt an und stellte fest, dass der Marktdruck seitens der Auslandsweine weiter zunimmt. Dies habe sich einmal mehr auf der „ProWein“ in Düsseldorf gezeigt, wo im März circa 6 800 Aussteller aus über 65 Nationen, und damit so viele wie niemals zuvor, um die Gunst der Besucher buhlten. Auf dem deutschen Markt selbst hat sich leider der Auslandsweinanteil ebenso weiter erhöht, wie die Konzentration im Lebensmittelhandel und somit der Einkaufsstätten. Dies zulasten des Direktverkaufs ab Hof. Dort sind nach Hohls Ansicht neue Ideen und Konzepte gefragt, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

Veränderung der Pflanzenwelt

Die anschließende Podiumsdiskussion zeigte, dass zu den Folgen der globalen Erwärmung auch eine veränderte Pflanzenentwicklung gehört. Die Rebe als wärmeliebende Pflanze ist davon betroffen. Die Folgen der globalen Erwärmung auf den Weinbau können sich positiv oder negativ und dabei regional unterschiedlich auswirken. Witterungsschwankungen wirken sich auf die Menge und Qualität des Weines aus. Darum ergeben sich typische Jahrgangsunterschiede. Die bereits erfolgte, wie die zu erwartende weitere globale Erwärmung, haben Auswirkungen auf Entwicklung, Vegetationsdauer, Rebsortenspektrum, Ertragsmenge, Traubenqualität, Beereninhaltsstoffe, Laubarbeit, Ertragsregulierung, Bodenpflege, Pflanzenschutzmaßnahmen, Auftreten neuer Schadorganismen und der Traubenverarbeitung. Sowohl positive wie negative Folgen sind bereits eingetreten und weiter zu erwarten.

Der größte Effekt des globalen Klimawandels geht vom Temperaturanstieg aus, welcher sich in den nördlichen Weinbauregionen von Europa bislang vorteilhaft auf die Reife ausgewirkt hat. Die Temperatur bestimmt im Wesentlichen mit einer Reihe von anderen Faktoren die Entwicklung der Rebe. Steigende Temperaturen beschleunigen das Wachstum, sinkende Temperaturen verzögern es. Durch die globale Erwärmung wird die Vegetationszeit für Pflanzen, damit auch der Rebe, verlängert, wie Beobachtungen in verschiedenen Weinbauversuchseinrichtungen zeigten.