Bad Mergentheim

Jahreshauptversammlung Gesamtfeuerwehr Personalstand liegt bei 800 Mitgliedern / 45 550 Dienststunden abgeleistet

Übergriffe auf Einsatzkräfte nehmen zu

Die Gesamtfeuerwehr Bad Mergentheim zieht bei ihrer Jahreshauptversammlung ein – fast – durchweg positives Fazit.

Bad Mergentheim. Die Anwesenheit der Ortsvorsteher, der Stadt- und Ortschaftsräte sowie der zahlreichen anderen Ehrengäste spiegele die Wertschätzung wider, die der Feuerwehr entgegengebracht werde, freute sich Stadtkommandant Andreas Gayer bei der Jahreshauptversammlung im Gemeindesaal Löffelstelzen.

Nach dem musikalischen Willkommensgruß durch den Spielmannszug der Abteilung Markelsheim stellte Gayer fest, dass die Gesamtfeuerwehr nur durch den selbstlosen Einsatz der Mitglieder, ihren hohen Ausbildungsstand und mit der entsprechenden technischen Ausrüstung funktioniert. 365 Tage im Jahr: Schon am 1. Januar musste man zu zwei Verkehrsunfällen ausrücken. Der letzte Einsatz 2018 fand am Abend des 31. Dezembers statt. Die Einsätze der Feuerwehren umfassten neben der Brandbekämpfung vermehrt Einsätze im Bereich technische Hilfeleistung und Umweltschutz. Das bedeute, dass sich die Wehrleute einer ständigen Aus- und Fortbildung stellen müssten. Erschreckend sei die Tatsache, dass es immer häufiger zu Übergriffen gegen Rettungskräfte kommt. Das mache ihn persönlich sprachlos. 2016 habe es 283 schwere und 1156 einfache angezeigte Körperverletzungen gegen Einsatzkräfte gegeben.

Der Personalstand sei mit 800 Mitgliedern, davon 135 Frauen, leicht angestiegen und zufriedenstellend. Allerdings bereite ihm die Tagesverfügbarkeit während der normalen Arbeitszeiten etwas Sorgen. Die Verwaltung solle deshalb bei der Einstellung neuer Mitarbeiter gezielt für die Feuerwehr werben. Mit 402 Einsätzen habe man eine neue Rekordmarke erreicht, die um ein Drittel über der Zahl des Vorjahres liege und sogar viermal so hoch wie 2012. Im Juni habe es mit 89 Einsätzen einen gigantischen Ausreißer nach oben gegeben. Zum Vergleich: Im Mai gab es 22 und im Juli 34.

Die Zahlen, so Gayer, hängen unter anderem mit der gestiegenen Bevölkerungszahl (mehr Haushalte) zusammen. Oder auch mit dem demografischen Wandel (mehr ältere hilfsbedürftige Personen).

Insgesamt leistete die Gesamtwehr der Stadt die stolze Zahl von 45 550 Dienststunden. Davon 37 603 Einsatz- und Übungsstunden, 6397 zur Ausbildung und 1550 Stunden für sonstige Dienste.

Der Kommandant erwähnte noch einige kuriose Einsätze, wie die Rettung eines Bibers, der sich nicht retten lassen wollte, ein im Ententeich des Schloßparks versunkener Rollstuhl, oder ein gemeldeter Tankstellenbrand, der sich als versehentlich ausgelöste Vernebelungsanlage entpuppte. Der Kommandant ging auch auf die allgemeine Ausrüstung im Bereich Lösch-, Rettungs- und Kommunikationstechnik und Dienstkleidung der Wehren ein, die weiter verbessert und aktualisiert wurde.

Erfreulich sei die Entwicklung im Nachwuchsbereich der Abteilungen mit inzwischen zwei Kindergruppen, den „Fire-Kids“ in Markelsheim und den Löschzwergen in Wachbach. Gayer betonte am Ende seiner Ausführungen: „Ehrenamtliche Arbeit ist keine Arbeit, die nicht bezahlt wird. Vielmehr ist sie eine Arbeit, die unbezahlbar ist“. Der Bericht des Jugendleiters der Bad Mergentheimer Gesamtwehr, Sebastian Sieber, beinhaltete das ganze Spektrum der Nachwuchsförderung in der städtischen Feuerwehr, die derzeit 11 Jugendgruppen umfasst mit 194 Mitgliedern.

Neben der Ausbildung in Theorie und Praxis wurden der Nachwuchs auch in der einfachen technischen Hilfeleistung unterrichtet. Nicht ohne Stolz gab der Jugendleiter bekannt, dass 29 Mal die Jugendflamme der Stufe eins und neun Mal die Stufe zwei verliehen wurde. Die allgemeine Jugendarbeit habe einen breiten Raum eingenommen. Zum Beispiel diverse Feiern und jede Menge Freizeitveranstaltungen wie Minigolf, Kinobesuche und Ausflüge. Und dann leisteten die Mitglieder der Jugendgruppen viele freiwillige Stunden für die aktiven Wehren in der Bewältigung der verschiedensten Veranstaltungen. Dies alles wäre nicht möglich gewesen, ohne das Engagement der Jugendleiter in den Abteilungen. Die einzige musikalische Einheit der Gesamtwehr, der Spielmannszug der Abteilung Markelsheim, blickte auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Der überwiegende Teil der Auftritte erfolgte im Rahmen von Feuerwehr-Veranstaltungen, die man musikalisch umrahmte. Aber auch im Bereich Freizeitgestaltung wurde einiges unternommen, wie unter anderem der Ausflug zum Stuttgarter Fernsehturm.

Kassenwartin Petra Weiss legte einen ausgeglichenen Bericht vor, die beiden Kassenprüfer bestätigten ihr eine vorbildliche Buch- und Kassenführung und schlugen Entlastung vor. Diese wurde von Oberbürgermeister Udo Glatthaar beantragt und von der Versammlung einstimmig erteilt. In seinen Grußworten würdigte der OB ausdrücklich die unersetzliche Arbeit der städtischen Wehren. Die Feuerwehr sei eine starke Gemeinschaft für die Gemeinschaft, die gewaltigen Respekt verdiene. Die Zahl von 45 550 Einsatzstunden müsse man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Die Stadt sei stolz auf ihre Feuerwehr, die -verwaltung werde auch künftig ihre Feuerwehr unterstützen. Und so seien im Haushalt wieder 75 000 Euro eingestellt für die weitere Verbesserung der Ausrüstung und damit der Einsatzbereitschaft. In jüngster Zeit habe man leidvoll erfahren müssen, dass Einsätze zu tödlichen Fallen für Kameraden werden können, meinte der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Sebastian Quenzer. Und obwohl die Wehrleute um diese Gefahren wissen, seien sie immer wieder bereit und motiviert diese verantwortungsvolle Aufgabe für die Allgemeinheit wahrzunehmen – im Spagat zwischen Firma, Freizeit und Familie. Nach den Ehrungen für verdiente Mitglieder (siehe Infobox), beschloss der Kommandant die Hauptversammlung in der Hoffnung, dass die Feuerwehr auch künftig ihrem Auftrag nachkommen kann, seine Mitbürger zu schützen.