Bad Mergentheim

800 Jahre Deutscher Orden 30 Jahre lang wurde an der Stadtbefestigung um Mergentheim gebaut / 1361 war der Bau vollendet / Teil 1

Untertanen geschützt und eingeschlossen

Mergentheim war für feindliche Heere ein „harter Brocken“. Der Deutsche Orden umschloss die Stadt mit einer doppelten Mauer.

Bad Mergentheim. Wenn man sich einmal in die Rolle eines feindlichen Heeres im 16. Jahrhundert versetzt, das die Deutschordens-Stadt Mergentheim in seine Gewalt bringen wollte, dann stießen die angreifenden Soldaten angesichts der imposanten Stadtbefestigung auf eine Reihe von Hindernissen, die nur schwer zu überwinden waren.

Zuerst ragte ein fünf Meter hoher Wall in die Höhe. Hatte man den mühsam erklommen, bildete ein 20 Meter breiter und vier bis viereinhalb Meter tiefer Graben, in dem das Wasser etwa zwei Meter hoch stand, die nächste Herausforderung. Dann erwartete die Feinde noch ein besonderer Hemmklotz in Form einer doppelten Stadtmauer. Zuerst galt es, die mehrere Meter hohe Zwingermauer, die von zwölf Halbrundtürmen verstärkt wurde, in Angriff zu nehmen. Hinter ihr befand sich ein Gang, in dem die Zwingerbesatzung durch Schießscharten das Feuer eröffnen konnte.

Dann war da noch die schier unmöglich zu überwindende Stadtmauer, welche die Stadt um acht bis neun Meter überragte und mit 16 mehrstöckigen, viereckigen Türmen bestückt war.

Weitere Barrieren waren die vier Stadttore, über denen sich mächtige Türme erhoben.

In den unsicheren Zeiten des Mittelalters, in denen das Faustrecht herrschte, war es notwendig, sich vor äußeren Feinden zu schützen. Und so kam es, dass der Deutsche Orden, der vor 800 Jahren (1219) in Mergentheim eine Niederlassung gegründet und vom Kaiser 1340 das Stadtrecht erhalten hat, die Marktgemeinde mit einer mächtigen Befestigungsanlage umschloss.

Schon 1330 begann der Orden mit dem Bau einer Ringmauer und einem Wassergraben mit Wall, obgleich ihm dafür die Erlaubnis des Kaisers fehlte. Prompt protestierten die Marktbewohner, die um ihre Selbstständigkeit fürchteten, bei Kaiser Ludwig. Der stellte sich auf die Seite des Ordens und gewährte diesem 1335 die Berechtigung für den Bau der wehrhaften Anlage. Mit ihr sollte nicht nur der Schutz nach außen gewährt, sondern auch die Kontrolle nach innen verstärkt werden. Der Ortsadel und die Marktbürger sollten in ihrem Freiheitsdrang spürbar eingeengt werden.

Rücksichtsloses Vorgehen

Beim Bau der Befestigungsanlage ging der Orden nicht zimperlich mit dem Besitz des Adels und der Bürger um. Mauern wurden hochgezogen und Gräben ausgehoben, teils ohne Rücksicht auf Privateigentum. Häuser, die im Wege standen, wurden abgerissen und Grundstücke beschlagnahmt. Es kam zu zahlreichen Auseinandersetzungen, die bis vor den Thron des Kaisers reichten. Dieser sandte „Commissäre“ nach Mergentheim, die zwischen den Geschädigten und dem Orden schlichten und ausgleichen sollten. So wurde beispielsweise der Witwe des Ritters Martin eine finanzielle Entschädigung für den Abbruch von Gebäuden gezahlt.

In den ersten Jahren, also bis etwa 1340, war der Bau der Befestigungsanlage allein Sache des Ordens. Danach wurden auch die Bewohner an den Kosten beteiligt. Unter anderem wurde eine Abgabe auf hier angebaute Weine erhoben.

Der Bau der Stadtmauer zog sich über drei Jahrzehnte hin. Laut einer Urkunde ist im Jahre 1361 die „Stattmauer das erstemal um die Statt geführet worden“.

Erst in der Zeit zwischen 1540 und 44 wurde der von einem Wall und einem Wassergraben umzogene Mauerring von einer zweiten Mauer ergänzt, der so genannten Zwingermauer.

Sie wurde nur wenige Meter von der Stadtmauer entfernt hochgezogen und erhöhte damit den Schutz vor feindlichen Angreifern.

Allerdings darf man sich nicht der Illusion hingeben, dass ein derartiges Bollwerk immer ein zuverlässiger Schutz gegen feindliche Heere war. Im Bauernkrieg (1525) wurde die Verteidigungsanlage geradezu überrumpelt, denn aufständische Bürger hatten von innen die Tore geöffnet und den „Tauberhaufen“ hereingelassen.

Im Schmalkaldischen Krieg (1552) wurde die Stadt neun Tage lang belagert und beschossen. Als dann noch der Feind mit 2000 zusätzlichen Reitern Verstärkung erhielt, musste sich Mergentheim auf Gnade und Ungnade ergeben. Nicht besser ging es der Stadt im 30-jährigen Krieg.

In Zeiten des Raubrittertums war die Stadtbefestigung ein wirksamer Schutz, die allerdings im Laufe der Jahrhunderte aufgrund massiver Belagerungen und moderner Feuerwaffen immer mehr an Bedeutung verlor, wobei auch die mangelnde Ausstattung der Verteidiger eine Rolle spielte.

Nutzlos geworden, wurde die Mauer samt Türmen nach und nach abgebrochen. . .