Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 10) / Erinnerung an alte Weinkeller und sehenswerte Verkaufsräume

Verziertes Eingangstor führte zum Treppenabgang

Bad Mergentheim.Der Keller ist für uns heute ein untergeordneter Raum. Meist dient er als Abstellkammer für die Dinge die eventuell vielleicht noch einmal gebraucht werden könnten. Früher hatte er eine größere Bedeutung.

Der Keller, abgeleitet vom spätlateinischen cellarium, hatte früher eine ganz große Bedeutung für den Handel und für die Versorgung der Menschen. Das Vergären und die Lagerung von Wein war eine Aufgabe. Unter den früheren Mergentheimer Weinhandelshäusern finden wir die größten Gewölbekeller. Das Bauersche Haus, heute Café Europa, ist ein Beispiel dafür.

Der frühere Leiter des Freilandmuseums Bad Windsheim Konrad Bedal und der heutige Leiter Herbert May stellen in dem Buch „Häuserbauen in Franken“ fest, dass spätestens ab dem 13. Jahrhundert zum städtischen Bürgerhaus ein Keller gehört.

Die ersten Keller waren mit Holzbalkendecken flach gedeckt und wurden erst später eingewölbt. Die Bauforschung geht davon aus, dass ältere, romanische Keller Schalungsspuren der Bretter des Lehrgerüstes zeigen. Die Steine wurden in einem satten Mörtelbett verlegt, das auf die Bretterschalung aufgetragen wurde. Das Erscheinungsbild ist dem eines modernen Betongewölbes, bei dem sich die Bretterschalung abzeichnet, nicht unähnlich. Ansonsten ist das Alter der Kellergewölbe schwer zu bestimmen. Die Konstruktion hat sich über die Jahrhunderte nicht verändert.

Die Steinoberflächen weisen keine Strukturen auf, anhand derer man zeittypische Steinmetzwerkzeuge erkennen kann. Sie können vor oder nach dem dazugehörigen Haus errichtet worden sein. Sie stimmen meist nicht mit dem Hausgrundriss überein. Das darüber liegende Haus wurde eigenständig gegründet.

Neben der Lagerung von Wein und Nahrungsvorräten dienten die Keller in den städtischen Bürgerhäusern als Verkaufsraum. Die wertvolle Habe konnte dort mit dem bestmöglichen Schutz vor Feuer und vor Diebstahl aufbewahrt werden. Die früheren Händler warben um ihre Kunden in dem sie die Kellerhälse bis auf die Straßen führten. Ein reich verziertes Eingangstor führte zum Treppenabgang. Die Treppe war mit einem überdachten Vorbau, dem Treppenhaus, versehen.

Zahlreiche Prozessakten geben Auskunft über die Streitereien zwischen der politischen Gemeinde und den Einzelinteressen der Händler, die die Kellerhälse immer weiter in den Straßenraum schieben wollten.

Die Keller sind ein untrennbarer Bestandteil der Bürgerhäuser. Deshalb bedauert das Bürgerforum „Stadtbild“ nach eigener Darstellung den Verlust dieser wichtigen Belege der Mergentheimer Stadtgeschichte sehr. In der Burgstraße sind in den letzten Jahren die Keller unter den Ladengeschäften C&A und Pro Optik verloren gegangen. Die Scheitel der Gewölbe ragten über das Straßenniveau heraus. Die Verkaufsräume waren nur über Stufen erreichbar. Ein Graus für die heutigen Handelsgesellschaften, die die Kunden übergangslos von draußen nach drinnen bitten möchten. bs