Bad Mergentheim

Schlaganfall Ärzte informierten bei Aktionstag über Risikofaktoren und Möglichkeiten zur Vorbeugung

„Viele Fälle ließen sich vermeiden“

Bad Mergentheim.Ein roter Doppeldeckerbus und ein Rettungswagen standen gestern auf dem Deutschordenplatz. Ein akuter Notfall lag zwar nicht vor, trotzdem wurden möglicherweise mehrere Leben gerettet. Denn die Fahrzeuge waren Teil des Aktionstages „Herzenssache Lebenszeit“, bei dem das Caritas-Krankenhaus, die Diabetes-Klinik und das Deutsche Rote Kreuz über das Thema Schlaganfall informierten.

Viele der 270 000 Schlaganfälle, die es jedes Jahr in Deutschland gibt, wären laut Mathias Buttmann, Chefarzt der der Neurologie am Caritas-Krankenhaus, vermeidbar. Um das zu erreichen, sei es aber wichtig, dass man sein persönliches Schlaganfall-Risiko kenne und seine Lebensweise entsprechend anpasse.

Fragebögen und Untersuchung

Beim Aktionstag hatten die Besucher nun die Möglichkeit, Fragebögen zu den bekannten Risikofaktoren auszufüllen. Die Gefahr für einen Schlaganfall erhöhen zum Beispiel wenig Bewegung, ein hoher Cholesterinspiegel oder Rauchen. Im Doppeldeckerbus bekamen Interessierte außerdem von Pflegepersonal Blutdruck und Blutzucker gemessen.

Denn auch Vorerkrankungen wie Diabetes können das Schlaganfallrisiko erhöhen. Thomas Haak, Chefarzt an der Diabetes-Klinik Bad Mergentheim, berichtet, dass es in Deutschland etwa sieben Millionen Diabetiker gibt. Zwei Millionen von ihnen wüssten jedoch nichts von ihrer Krankheit: „Oft stellen wir nach einem Schlaganfall fest, dass der Patient auch Diabetiker ist.“

Auch beim Aktionstag kam es zu Überraschungen. So wurde bei einer älteren Dame, die mit ihrer Tochter gekommen war, ein erhöhter Blutzuckerwert festgestellt. „Hast Du wieder deine Tabletten nicht genommen?“, vermutet die Tochter. Doch selbst ohne Tabletten war der Wert ungewöhnlich hoch, erklärte ihr der Krankenpfleger Klaus Rotter und empfahl, die Ursache untersuchen zu lassen.

Gefahr steigt mit dem Alter

Selbst wenn man sich richtig ernährt, sich genug bewegt und die notwendigen Medikamente nimmt, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Denn mit dem Alter steigt generell die Gefahr für einen Schlaganfall, so Neurologe Buttmann. Daher informierte er auch darüber, was zu tun ist, wenn es soweit kommt.

Um überhaupt zu erkennen, ob ein Schlaganfall vorliegt, empfiehlt Buttmann die so genannte „Fast“-Methode. Jeder Buchstabe von „Fast“, Englisch für „schnell“, steht dabei für einen Handlungsschritt. So sollte man zuerst im Gesicht (Face) eines Betroffenen nach Verkrampfungen schauen. Ein weiterer Hinweis auf einen Schlaganfall ist, dass der Betroffene nicht mehr beide Arme (Arms) mit den Handflächen nach oben vorwärtsstrecken kann. Ist dann noch seine Sprache (Speech) eingeschränkt, ist Zeit (Time) wichtig.

Schnell ins Krankenhaus

So sollten die Betroffenen so schnell wie möglich in eine spezielle Einrichtung wie etwa die „Stroke Unit“ im Caritas-Krankenhaus gebracht werden, mahnt Buttmann. Nur dort stünden die verschiedenen zu einer effektiven Behandlung notwendigen Spezialisten zur Verfügung. Und selbst wenn der Patient erst nach ein paar Stunden eingeliefert werde, könnten die Ärzte in manchen Fällen noch helfen, die schwerwiegenden Folgen, wie etwa Lähmungen, abzuschwächen.

Wie groß das Interesse am Thema Schlaganfall ist, zeigte der Andrang beim Aktionstag. Bereits am Morgen standen Menschen im Doppeldeckerbus Schlange oder besichtigten den Rettungswagen. fhm