Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 16) / Hubert Mitzes letzter Weinberg am Schorren

Viele Helfer pflegten Tradition

Archivartikel

Bad Mergentheim.Woran keiner mehr geglaubt hätte, das schaffte Hubert Mitze – er betrieb den letzten veritablen Weinberg am weitgehend schon überbauten Schorren. Der gebürtige Westfale, Jahrgang 1934, hatte sich über Koch, Empfangschef, Hoteldirektor, auch im Ausland, hochgearbeitet und 1982 das Sanatorium und Kurhotel Karlsbad am Anfang der Edelfinger Straße erworben. 1928 war es als Haus Sixt mit Gewölbekeller solide erbaut worden. Dahinter erstreckte sich eine von Reben durchschlungene Wildnis, die über den Ketterburgweg hinausreichte. Weineinkauf und Weinangebot waren Mitze vertraut. Der grüne Dschungel im Rebgewann Schorren verlockte zu eigenem Anbau. 99 Stöcke waren genehmigungsfrei zugelassen. Er wollte mehr.

Ein befreundeter Weingutsbesitzer im Rheingau schickte zwei Männer, die das Stück rodeten und zunächst 360 Müller-Thurgau pflanzten. Das wurde dem Regierungspräsidium angezeigt. Dr. Groenewold in Stuttgart zeigte Verständnis und ließ weiteren Anbau nach einem dreistelligen Bußgeld zu. Mitze wollte ja nicht verkaufen, sondern treuen Gästen zum Abschied eine Flasche Hauswein mitgeben.

Er fand überraschenden Zuspruch, auch anpackende Hilfe, wie etwa von den Blauweißen; Pferdeäpfel wurden aus Löffelstelzen geliefert; Kellermeister Erwin Lustig von der Weingärtnergenossenschaft Markelsheim vermittelte, trotz Widerständen im eigenen Betrieb, für den Ausbau den erfahrenen Pius Schurk. 500 Stöcke Schwarzriesling kamen hinzu, dazu Gutedel als Tafeltrauben am Weg zur eigenen Blockhütte, in summa tausend Stöcke auf 13 Ar. Zu Laurenzi wurde Kupfervitriol, sonst nur selbstangesetzte Brennnesselbrühe gespritzt, der Jungfernwein 1986 gelesen.

Fränkisch trocken

Die meisten Gäste waren Diabetiker, so baute Schurk den Weißen mit drei, den Roten mit vier Gramm Restzucker pro Liter fränkisch trocken aus. Da viele aus der Frankfurter Gegend kamen, gab’s auch eigenen Äbbelwoi, geschmacklich wie farbig veredelt von Quittensaft aus dem östlich anschließenden Obstbaumstück. Die Karlsbader Gäste waren begeistert. Mitze: „Das Ganze kam besser und billiger als jede Reklame an, die wir gar nicht machten, hat uns die Stammgäste beschert“. Eine einzige Beschwerde landete mal bei der AOK: „Er kocht mit Wein!“Schließlich gab es sogar eine Besitzurkunde für eine Rebe; ihr waren als biblische Sinnsprüche vorangesetzt: „Ein jeder wird unter seinem Weinstock wohnen“, 1 Kön 5,5, „und einer den andern einladen unter dem Weinstock“, Sach 3,10.

Als Hubert Mitze sich 1998 zur Ruhe setzte, riss der junge Traditionsfaden ab. bfs