Bad Mergentheim

Zweite „Jüdische Kulturtage Taubertal“ Unter der Regie von sechs Jugendlichen der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim und weiterer Förderer auf die Beine gestellt

Viele spannende Eindrücke vermitteln

Zum zweiten Mal werden im Taubertal vom 4. bis 11. Mai die „Jüdischen Kulturtage“ durchgeführt. Die Macher haben wieder ein Programm auf die Beine gestellt, das für jeden Geschmack etwas bietet.

Main-Tauber-Kreis. Benedikt Selbach, Marco Girg, Jana Krank, Lisa Ulsamer, Valeria Zwetzich und Angelina Lesch besuchen die Jahrgangsstufe 12 der Kaufmännischen Schule Bad Mergentheim. Allesamt besitzen sie sicherlich ein Smartphone, doch sie gehören keinesfalls zu jener Kategorie Jugendlicher, die den überwiegenden Teil ihrer Zeit damit verbringen. Nein, sie blicken lieber über den Tellerrand hinaus, sind willens, im realen Leben zu kommunizieren, sich zu treffen, etwas Produktives und Nachhaltiges auf die Beine zu stellen.

Das Sextett nimmt mit großem Erfolg an einem schulischen Seminarkurs teil, der sich mit einer äußerst sensiblen Thematik befasst. Resultat dieses lobenswerten Engagements sind die zweiten „Jüdischen Kulturtage Taubertal“, die vom 4. bis 11. Mai mit einem abwechslungsreichen Programm in Bad Mergentheim, Igersheim und Creglingen durchgeführt werden (siehe auch Extra-Kasten).

Nicht zuletzt dem Einsatz der Schüler sei es zu verdanken, dass auch die zweite Auflage dieser Kulturtage, als deren Schirmherr neben den Stiftern Adele und Roy Igersheim aus den USA kein Geringer als der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, fungiert, ausgetragen werden könne, lässt Ingrid Kaufmann-Kreußer von der Gemeinde Igersheim im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten durchblicken. Ihre Kommune stehe mit der Manfred-Schaffert-Bürgerstiftung genau so hinter diesem Event wie das Bad Mergentheimer Deutschordensmuseum, die Kaufmännische Schule sowie das Jüdische Museum Creglingen.

„Es interessiert mich, später einmal Veranstaltungen zu planen“, meint eine der Schülerinnen unter anderem zu den Beweggründen, warum sie sich derart engagiere. Und ein anderer ergänzt, dass man hier die Möglichkeit habe, „eine andere Kultur kennenzulernen“, mit all dem, was sie beinhalte. „Hier erhalten wir spannende Einblicke.“ Und ein weiterer fügt an, dass dies etwas ganz anderes sei, als „der normale Schulunterricht“. Unisono vertreten Benedikt, Marco, Jana, Lisa, Valeria und Angelina die Auffassung: „Uns macht dies einfach viel Spaß.“

Sehr viel Arbeit

Zweifellos stecke hinter dem Ganzen sehr viel Arbeit, die auf den ersten Blick gar nicht so ins Auge steche. Doch das lohne sich, einerseits erweitere man so seinen eigenen Horizont, andererseits tue man der Gesellschaft etwas Gutes, in der Hoffnung, dass die „Jüdischen Kulturtage Taubertal“ auf eine breite Resonanz stoßen und einen Beitrag dazu leisteten, diverse Ressentiments gegen all das, was sich mit dem Judentum befasse, zu reduzieren.

Tatkräftig unterstützt werden die Seminarkursteilnehmer von den beiden Pädagogen Annette Breitenbach und Klaus Huth. Während die Lehrer explizit das Tun ihrer Schüler hervorheben, halten auch die nicht mit Lob zurück: „Sie stehen uns immer helfend zur Seite.“

„Bereits im September vergangenen Jahres haben die Vorbereitungen für das Projekt begonnen“, betont Annette Breitenbach. Und es sei bestimmt nicht zutreffend, dass die Thematik eine einfache sei. Genau das Gegenteil sei der Fall, es handle sich hierbei um eine vielfältige Materie, die solch eine umfangreiche Vorlaufzeit benötige. Zunächst sei es darum gegangen, „Ideen zu sammeln und Ziele zu definieren“, ergänzt ihr Kollege Klaus Huth.

Viele Einzelstücke seien in den folgenden Wochen und Monaten zu einem Gesamtkonstrukt zusammengefügt worden, das sich sehen lassen könne. Unter anderem habe man auch im Rahmen von Unterrichtsstunden jüdische Rezepte ausprobiert – und natürlich genossen. Auf einen Nenner gebracht: Das Schülersextett hat sich in dieser Zeit einen großen Erfahrungsschatz angeeignet, der ihm jetzt zugutekommt.

Weiteres Projekt

Während die „Jüdischen Kulturtage“ nun gewissermaßen „eingetütet“ sind, hoffen Lehrer und Schüler noch auf ein weiteres Vorhaben. „Wir planen für Bad Mergentheim ein Stolperstein-Projekt“, lassen die Jugendlichen von der Kaufmännischen Schule abschließend wissen. Hierfür habe man bereits einige hundert Unterschriften gesammelt – darunter befänden sich auch einige Stadträte. Jetzt gehe es noch darum, das komplette Gremium von dieser guten Sache zu überzeugen – in der Hoffnung, dass alle auf diesen Zug mit aufspringen.