Bad Mergentheim

Auf dem Gelände des ehemaligen städtischen Altenpflegeheims Stellungnahme des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Bereich Main-Tauber / Nur ein Ersatz für Jugendherberge erwünscht

„Vollhotel unter Deckmantel Jugendgästehaus lehnen wir ab“

Archivartikel

Bad Mergentheim.Zum geplanten Jugend- und Familiengästehaus im ehemaligen städtischen Altenpflegeheim befragte die Redaktion auch den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), Bereich Main-Tauber. Kreisvorsitzender Frank Bundschu nahm in Abstimmung mit seinen Vorstandskollegen Schaffers, Schulz und Heimberger wie folgt Stellung.

Wie steht der Dehoga zum Jugendgästehaus-Projekt mit Jufa?

Frank Bundschu: Wir begrüßen ein Jugendgästehaus, das einen Ersatz für die weggefallene Jugendherberge darstellt. Ein solches Angebot muss sich an Jugendliche, junge Erwachsene und junge Familien mit Kindern, als klar definierte Zielgruppe, richten.

Uns ist bewusst, dass dies heute keine Massenschlaflager mit Verpflegung aus der Gulaschkanone mehr sind. Ein voll konzessionierter Beherbergungsbetrieb, der in alle Richtungen offen ist und Geschäftsreisende, Urlauber und Seminargruppen anspricht, lehnen wir ab.

Wir beobachten, dass unter dem Deckmantel des Jugendgästehauses ein Vollhotel entsteht, das auf allen Märkten und Zielgruppen um Gäste wirbt. Dass dies so ist, kann jeder Interessierte auf der Internetseite der Jufa nachlesen.

Hätte Jufa das Grundstück und das Gebäude für einen marktüblichen Preis gekauft und würde auf eigenes Risiko investieren, hätten sie auch das Recht eines Unternehmers dort frei zu handeln.

Da die Stadt über den Erbpachtvertrag und einen einmaligen Zuschuss in der Mitverantwortung steht, fordern wir, dass die Stadt das Angebot einschränkt und auf die gewünschte Zielgruppe ausrichtet.

Wie wird der Vertrag der Stadt Bad Mergentheim mit Jufa von Dehoga beurteilt?

Bundschu: Leider kennen wir als Dehoga keine Vertragsdetails. Bereits im Herbst 2017 haben wir die Verwaltung aufgefordert, die markanten Merkmale des Vertrags allen Bürgern bekannt zu machen. Da dies nicht geschehen ist, muss es wohl etwas geben, das nicht alle wissen sollen.

Alle Informationen wurden uns nur zugetragen und beruhen auf Gerüchten. Sollten diese stimmen, zahlt Jufa an die Stadt für das Grundstück und das Gebäude einen minimalen, eher symbolischen Preis. Zusätzlich gewährt die Stadt einen Zuschuss von 1 500 000 Euro an ein privatwirtschaftliches Unternehmen. Hierfür fehlt uns das Verständnis und wir lehnen diese Vertragsgestaltung ab.

Welche Verpflichtungen nach Vertragsablauf auf die Stadt zukommen wissen wir nicht, wir gehen aber davon aus, dass Jufa das Gebäude nicht ohne Entschädigung für die geleisteten Investitionen an die Stadt zurückgeben wird.

Wir würden uns mehr Transparenz durch die Verwaltung wünschen.

Was weiß der Dehoga über die Klage von Tobias Motz gegen das Vorhaben und die Einstufung als Beherbergungsbetrieb?

Bundschu: Selbstverständlich stehen wir mit Tobias Motz in Kontakt und sind über sein Vorgehen informiert. Detaillierte Einzelheiten kennen wir nicht, da es sich um ein juristisches Verfahren handelt. Wir wissen auch nicht wogegen Tobias Motz direkt klagt und wie die mögliche Einigung mit dem Regierungspräsidium aussieht.

Wie positioniert sich Dehoga weiter?

Bundschu: Wir fordern die Stadtverwaltung und den Gemeinderat auf, ihren Wunsch und ihr Versprechen an die Bürger umzusetzen. „Wir wollen einen Ersatz für die Jugendherberge“. Dies bedeutet das Angebot auf die gewünschte Zielgruppe zu begrenzen und dies auch vertraglich durch Eingrenzung der Konzession festzuschreiben, so dass für die gesamte Vertragslaufzeit der Erbpacht Rechtssicherheit besteht. Unabhängig von Legislaturperioden des Gemeinderates und Amtszeiten des Oberbürgermeisters.

Sollte die Einschränkung des Angebotes im Vertrag zwischen Jufa und Stadt nicht möglich sein, fordern wir das Gebäude und Grundstück nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten zu verwerten.