Bad Mergentheim

Schulkunstausstellung im Deutschordensmuseum Vom 13. April bis 10. Mai / Kreative Werkgedanken ins „werkgerechte“ Material umgesetzt

Vom gemalten Bild bis zur Lichtinstallation

Bad Mergentheim.Die Schulkunstausstellung 2018 gastiert im Deutschordensmuseum unter dem dreiteiligen Motto „Bild - Material - Objekt“. Über 15 Schulen aller Schularten der Kreise MainTauber und Hohenlohe haben sich kreativ mit dem weit gefassten Thema beschäftigt. In den Räumen des Deutschordensmuseum teilt sich den Besucher eine große Bandbreite an zahllosen Objekten, Installationen, Modellen und Bildern mit.

Das Thema spannt einen weiten interdisziplinären Bogen von dem traditionellen Bild, gemalt oder als fotografische Dokumentation, über Relief, Lichtinstallation zu Modell, Plastik und Objekt. Fokus und gemeinsamer Nenner ist hierbei der für alle Kunstwerke so selbstverständliche wie elementar notwendige Begriff des „Materials“. Wie Schüler hier ihre kreativen Werkgedanken ins „werkgerechte“ Material umsetzen, ist für die Kunst in allen Zeiten stets ein absolut zentraler Aspekt künstlerischer Tätigkeit gewesen.

Wie Ch. Gögger in seiner kunsthistorischen Abhandlung zum Thema schreibt, könnte dieses „dreibegriffliche“ Schulkunstmotto mit den Bindestrich-Verbindungen zu Atomen wie eine chemische Formel begriffen werden, so dass das Verhältnis von „Bild - Material - Objekt“ als Prozess dargestellt wird, bei dem das Bild Ausgangspunkt hin zu einem künstlerischen „Objekt“ ist. Nicht umsonst bildet in den neuen Bildungsplänen für das Fach Bildende Kunst (BK) der handlungsorientierte Unterricht mit künstlerischer Produktion auch weiterhin den Schwerpunkt und das zentrale Kraftfeld des Faches BK, so Dr. Andreas Zoller.

Die materiale Treffsicherheit der Schülerkreationen in der Ausstellung, die eine enorme Bandbreite an Erfahrungsräumen, überraschende Einblicke, Ansichten und Erfahrungen widerspiegeln, wie Schüler das Phänomen „Material“ wahrnehmen, ist auch in diesem Jahr wieder beeindruckend sichtbar.

Über den Begriff „Objekt“, der Sache, dem Ding, dem Gegenstand können vielfältige Brücken zum Alltag der Schüler geschlagen werden. Kunst und Leben verschmelzen, heißt es in einer Handreichung. Im Sinn eines erweiterten Beuysschen Kunstbegriffes kann alles als Mittel der Kunstgestaltung dienen. Alltagsgegenstände und -materialien, auch der eigene Körper, können eingesetzt werden. Rollenspiele in Form von Selbstdarstellungen oder Nachspielen von schülertypischen Begegnungen oder Konflikten können beispielsweise als „Freeze“ fotografisch festgehalten werden. Dies kann wiederum Ausgangspunkt für ein Relief oder für freiplastische Figuren werden. In Anlehnung an die spektakulären Versuchsanordnungen des Künstlerduos Fischli/Weiss können geräuschvolle oder geruchsintensive Dominoeffekte erprobt werden. Auch die „Soft Sculptures“ eins Claes Oldenburg oder Objektverhüllungen á la Christo lösen Irritationen, ein Schmunzeln und/oder Befremden aus.

In diesem Zusammenhang können auch Kaffeebohnen und Maiskörner als Belegmaterial, mit den Lieblingsfarben der Kinder bemalt, dienen wie uns die Reliefs von Katja Brandenburger zeigen. Die Verwendung dieser Ess-Genuss- und Lebensmittel spricht den Geruchssinn, das haptische Moment und den optischen Reiz genauso an, wie sie sie in der Überarbeitung mit Farbe vollständig konterkariert und in eine totale Künstlichkeit katapultiert.

Weitere Bezugspunkte ergeben sich zu Architektur und Design; Peter Zumthor, weltbekannter Architekt aus dem schweizerischen Graubünden, arbeitet mit dem Erleben purer Materialwerte; er arbeitet mit den örtlich verfügbaren Materialien und findet dadurch naheliegende architektonische Lösungen für die spezielle Örtlichkeit. Ein Museumsbesuch und die Betrachtung von Originalen vor Ort bringen Sinnlichkeit und Haptik ins Spiel: so bei der Betrachtung der „Nagelbilder“ eines Günter Uecker, dass an ein im Wind wogendes Feld erinnert; oder bei Tafelbildern mit montierten Gegenständen als „objets trouvés“.

Die Schulkunstausstellung ist vom 13. April bis zum 10. Mai im Deutschordensmuseum in Bad Mergentheim, zu den Öffnungszeiten des Museums zu sehen. epfp