Bad Mergentheim

Bürgerforum „Stadtbild“ „Mergentheimer Weindenkmale und Weinorte“ (Folge 14) Die Weinlagen Arkauberg und Schorren

Warmer Goldton im herbstlichen Laub

Archivartikel

Lagenamen spielgeln ein Stück Kulturgeschichte wieder. In Bad Mergentheim verraten sie, wie bestimmte Flächen in der Vergangenheit genutzt wurden.

Bad Mergentheim. Die alten Lagenamen, heute weitgehend aus dem Gedächtnis gelöscht, klangen oft anschaulich prall, drastisch einprägsam, voll erdigen Eigengeschmacks, von der Königheimer Steinrutsche bis hin zur Tauberzeller Arschkerb. Darüber hinaus stellen sie Urkunden der historischen Landschaft dar und sollten allein schon deshalb geborgen und ins Gedächtnis zurückgerufen werden.

Der Erbhofglaube an die Besonderheit einzelner Rebhänge, an die fröhliche Wissenschaft vom Widerspiel der Erdenkräfte zeugte in Deutschland mehr als 20 000 etikettenwürdige Lagenamen. Viele blieben mehr oder minder einfallsreiche Phantasiegebilde, weit mehr jedoch spiegelten ein Stück Kulturgeschichte wider. Das neue Weinrecht von 1971 ließ, ein schmerzlicher Aderlaß, davon gerade mal 3000 Einzellagen und 150 Großlagen übrig, stürzte also mal wieder von einem Extrem ins andere.

Achttägige Leseordnung

Die Mergentheimer achttägige Leseordnung von 1531 begann mit Katzenberg und Häslich; für zwei Tage folgte der Arkauberg; dann „das Tal uff der rechten Hand gegen den Arkhau und, wenn nötig, das ander Tal gegen die Kettrein“. Es folgten Braunstal und Schüpfersteig, hangende Loh und Wolfental, Eisenberg und Ottenklinge. „Zum achten und letzten liest man der teutschen Herren 18 und dann sieben Morgen Weingarten“. Propstei, Johanniter und Spital sollten ebenso lesen, „denn es ist alter Herkommen und Gebrauch“. Die Obrigkeit behielt sich also eine Art Spätlese vor.

Völlig mit Reben bestockt

Der Arkauberg erscheint auf einem Kupferstich von 1629 völlig mit Reben bestockt; sein Name hat mit der Au, so Karl Schumacher, gar nichts gemein, sondern bildete sich, wie die älteste Bezeichnung Arkhau verrät, aus Gehau, also gerodetem Wald. Auch der Weinbau am Ketterberg, 1219 als „mons et silva Ketereit“ genannt, reichte früher bis an den Scheitel des Berges. Als in den 1730er Jahren die Reste der Ketterburg abgebrochen wurde, planierte man den Platz weitgehend und legte dort Reben an.

Als Mergentheimer Nobellage galt unbestritten der Schorren, der untere Bereich des Berges im hitzigen Wellenkalk, dem jenseits des Schorrenweges Mittlerer und Hauptmuschelkalk folgten. Schorren meint schroffer Fels, wie in Schrozberg, Vorbachzimmern, Grünsfeld, Schweigern, Möckmühl. Carl Julius Weber, Ende des 18. Jahrhunderts Sekretär des Ordensstatthalters, erzählt, vornehme Gäste hätten an der Tafel des Hochmeisters den Schorren als den edelsten Rheinwein getrunken.

Weitgehend wüst

Dabei lag der bürgerliche Anteil der Lage damals weitgehend wüst. Stefan Röser aus der bekannten Beamtenfamilie des Ordens, kaufte ab 1801 Weinberge auf, dazu einen Steinbruch für Mauerbau und Wasserrinnen. Damals wuchsen vor allem Österreicher, also Silvaner, und Süßrot.

In ein schon ererbten Rebstück hatte Röser den 1793 abgebrochenen gotischen Turmkranz von St. Johann hinaufgebracht und zur Weinlese mit Lichtern bestockt. In seinem Erinnerungsbuch „Die Reise in die Heimat“ schreibt Hans Heinrich Ehrler von einem Häcker aus der Törkelgasse, der in der einstigen Ketterburg Schatzgräberei betrieb. Aber selbst am Schorren waren damals keine Schätze mehr zu heben. Die Naturschutzgruppe Taubergrund hat sich der verwilderten Sukzessionsstücke angenommen, um Flora und Fauna wieder Luft und Licht zu schaffen. Es liegt nun an allen, das vertraute Bild des Mergentheimer Hausberges zu wahren, auch wenn sich in dessen herbstliches Laub kein warmer Goldton der Reben mehr mischt. s bf