Bad Mergentheim

Leserbrief Zum Bericht aus dem Gemeinderat „Glatthaar: Mahnung an Verein ’Stolpersteine’ ausgesetzt“ (22. Mai)

Was ist uns das Gedenken wert?

Die sachliche Richtigkeit der Rechnung, die für die Arbeiten des städtischen Bauhofs erstellt wurde, ist die eine Sache. Für eine funktionierende Verwaltung sollte es kein Problem sein, die Kosten zu begründen. Eine ganz andere Sache ist die Haltung der Stadt Bad Mergentheim, die sich hier zeigt.

Menschen wurden gedemütigt, körperlich misshandelt, ihres Eigentums beraubt, deportiert, gefoltert, auf grausame Weise ermordet und ihr Leichnam in Massenkrematorien verbrannt.

Keine Spur einer Erinnerung an ihr Leben sollte übrig bleiben. Eine Gruppe engagierter Bürger akzeptiert dies nicht, sondern setzt sich zusammen mit einem international agierenden und angesehenen Künstler dafür ein, dass wenigstens dort, wo diese Menschen zuletzt gewohnt haben, wo sie sich zum letzten Mal in ihrem Leben als Mitbürger gefühlt haben könnten, ein Zeichen der Erinnerung gesetzt wird: Das Unrecht ist nie wieder gutzumachen, aber wir vergessen wenigstens nicht, dass ihr einmal hier unter uns gelebt habt.

Erinnerung an die Toten, eine Menschenpflicht, scheint hier ins kleinliche Gezerf um knapp 800 Euro zu münden, die Stadtverwaltung droht juristische Konsequenzen und Mahngebühren an.

Könnte man nicht erwarten, dass die Arbeit des örtlichen Vereins „Stolpersteine“ eine angemessenere Würdigung in Bad Mergentheim erfährt?