Bad Mergentheim

Frühjahrskonferenz Erntemenge 2018 fiel kleiner aus / Klimawandel wirkt sich auf Anbau aus / Druck durch Auslandsprodukte steigt

Weinwirtschaft hat ernste Probleme

Die regionale Weinwirtschaft sieht sich mit großen Problemen konfrontiert. Die Ernte 2018 fiel kleiner aus – trotzdem fordert der Einzelhandel geringere Preise. Andernfalls wird aus dem Ausland bezogen.

Markelsheim/Weinsberg. Die Weinwirtschaft Württemberg hängt zunehmend am Tropf des Marktes und der Klimawandel ist für die Wengerter im Land nicht mehr übersehbar. Auf diesen Nenner brachte Verbandspräsident Hermann Hohl die aktuelle Situation des Weinbauverbands Württemberg bei der Frühjahrspressekonferenz in Weinsberg.

Die Erntemenge 2018 fiel kleiner als ursprünglich angenommen aus. Nach den jetzt vorliegenden Erntemeldungen sind es knapp 116 Millionen Liter Wein. Anfänglich wurde die Lesemenge auf rund 120 Millionen geschätzt. Nach den geringen Ernten der Jahre zuvor war 2018 ein Wunschherbst für die Erzeuger im Verbandsgebiet. Besonders zu erwähnen ist die hervorragende Qualität des Jahrgangs, die sich in die Reihe der Jahrhundertjahrgänge einordnen lässt. Das große Problem der Weinwirtschaft ist die aktuelle Marktsituation. Zunehmend stärker wird der Druck durch Auslandsprodukte, die zu Dumpingpreisen in Deutschland in den Regalen des Lebensmittel-Einzelhandels stehen, besonders bei den Discountern. Die Waren aus dem Ausland besitzen jetzt schon einen Marktanteil von über 55 Prozent, wie der Präsident beklagt. Hinzukommt eine Strangulierung der Branche mit überzogenen Forderungen vonseiten des Einzelhandels für heimische Waren. Normal wären Preisanhebungen für die Weine aus Württemberg notwendig, um die höheren Produktionskosten abdecken zu können.

„Diese Ausgangssituation führt zu wirtschaftlichen Problemen in unseren Weinbaubetrieben im Land“, so der Verbandspräsident Hohl. Das hat zur Folge, dass letztendlich viele Betriebe, die keine Nachfolger haben oder finden, aufhören. Erfreulich ist trotz allem, dass es ein gutgefülltes Reservoir von hervorragend ausgebildeten Jungwinzern gibt, die viele neuen Ideen und Motivation mitbringen und bereit sind, sich den Marktgegebenheiten zu stellen und Betriebe zu übernehmen. „Um erfolgreich zu sein, brauchen diese Betriebe auch Verbraucher, die bereit sind, etwas mehr für die Flasche auszugeben, um die Leistungen dieser jungen Generation wertzuschätzen.

Zudem gewährleistet der Verbraucher beim Kauf eines heimischen Weines den Erhalt unserer Kulturlandschaft und unseres Lebensraumes“, so Hermann Hohl. Erhebliche Auswirkungen auf die Reben hat der zunehmende Klimawandel.

Extreme Wettersituationen wie die langanhaltende Trockenheit, der Starkregen oder Frost und Hagel sowie zunehmende Stürme beeinflussen die Produktionsbedingungen. Intensive Regenfälle bei hohen Temperaturen führen zu einem erhöhten Pilzdruck und zu einem starken Befall von Schadinsekten wie beispielsweise der Kirschessigfliege. Um finanzielle Schäden für die Betriebe zu minimieren, fordert der Verband eine Mehrgefahrenversicherung mit einer geförderten Prämie, um sie für die Weinbaubetriebe bezahlbar zu gestalten.

„Der Klimawandel wurde nicht allein von den Weingärtnern verursacht“, so der Präsident. Es sei eine gesellschaftspolitische Aufgabe dem Problem zu begegnen und dort, wo es Schäden gibt, diese finanziell auszugleichen. Die Weinwirtschaft Württembergs sei auch zukünftig bereit, Lösungsmöglichkeiten zu suchen und umzusetzen, um einen nachhaltigen Anbau zu gewährleisten.