Bad Mergentheim

Ökumenische Fachstelle für Flüchtlingshilfe im Main-Tauber-Kreis Aktion von Sprechern der Helferkreise / Gewisse Ermüdung im Engagement festzustellen

"Weniger Bürokratie, dafür mehr Menschlichkeit nötig"

Bad Mergentheim/Tauberbischofsheim.Ihre Positionen zur Flüchtlingsthematik haben Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe im Rahmen ihres Sprecherkreistreffens klargemacht. Sie fordern "weniger Bürokratie und stattdessen mehr Menschlichkeit".

Die Koordination dieser Aktion übernahm die Ökumenische Fachstelle für Flüchtlingshilfe im Main-Tauber-Kreis. Ursprünglich stammt die Idee von der Initiative "Haltung zeigen", einer hanseatischen Aktion für Flüchtlinge und Asylsuchende, wo Ehrenamtliche in kurzen Videos Position beziehen.

Viele der Helfer im Main-Tauber-Kreis sind bereits seit fast vier Jahren unermüdlich im Einsatz in der Begleitung und Unterstützung von Flüchtlingen.

Auf den von ihnen verfassten Karten ist herauszulesen: Insgesamt wünschen sie sich weniger Bürokratie und mehr guten Willen seitens der Behörden. Einige der Helfer geben an, dass eine Integration der Geflüchteten anscheinend politisch nicht erwünscht sei: Zum einen gebe es einen spürbaren Wandel in der Willkommenskultur. Die Slogans "Refugees welcome" und "Wir schaffen das" scheinen in der aktuellen politischen Lage keinen Bestand mehr zu haben.

Spürbar werde das für die Helfer der Asylkreise unter anderem in der rückläufigen Zahl der ehrenamtlich Engagierten.

Abschiebung statt Integration

Zum anderen führten aktuelle Gesetzesänderungen zu einer Verschärfung der Asylpolitik. Hier liegt aus Sicht der Ehrenamtlichen der Schwerpunkt zunehmend nicht mehr auf der Integration von Geflüchteten, sondern darauf, die Abschiebungen im Einklang mit den Gesetzen schnell und effektiv durchführen zu können.

Dennoch, und da sind sich Ehrenamtliche und die Mitarbeitenden der Ökumenischen Fachstelle einig, sei in den vergangenen Jahren einiges erreicht worden. Viele der Geflüchteten seien wirklich angekommen in Deutschland. Sie arbeiten, engagieren sich und haben Sprachkenntnisse erworben, die für eine weitergehende Integration notwendig seien.

"Integration kann dann gelingen, wenn die Zusammenarbeit auf vielen Ebenen klappt", ist sich Horst Hoffmann vom Arbeitskreis Asyl in Bad Mergentheim sicher. Er ist seit über drei Jahren täglich ehrenamtlich im Büro des Arbeitskreises "Asyl" in Bad Mergentheim An-sprechpartner für kleine und große Anliegen und packt aktiv bei Umzügen an.

Er hat das Gefühl, dass manchmal einfachere Lösungen schneller zum Erfolg führen würden: "Haltung zeigen kann auch schwer sein, weil pragmatische Lösungen nicht immer gewünscht sind!"

"Fremde" können Freunde werden

Claudia Sazinger ist ebenfalls seit drei Jahren im Arbeitskreis "Asyl" in Bad Mergentheim tätig. Sie hat viele Geflüchtete getroffen, die im Laufe der Zeit Freunde geworden sind: "Ich zeige Haltung, weil diese 'Fremden' Menschen sind und zu Freun-den werden können."

Kurt Ludwig ist seit Anfang diesen Jahres im Arbeitskreis "Asyl" in der Kurstadt aktiv. Er engagiert sich, weil "er etwas zurückgeben möchte".

Die Sprecherkreistreffen werden sechsmal jährlich von der Ökumenischen Fachstelle zentral in Tauberbischofsheim initiiert. Eingeladen sind dazu die Sprecher der Helferkreise sowie Interessierte im Bereich der Flüchtlingshilfe. Ziel ist es, Ehren- und Hauptamtliche zu vernetzen und einen fachlichen Austausch zu ermöglichen. Weiterhin werden neue Entwicklungen und Gesetzesänderungen durch die Fachstelle vorgestellt.

Die Ökumenische Fachstelle ist eine gemeinsame Einrichtung des Caritasverbandes im Tauber-Kreis, des Diakonischen Werkes im Main-Tauber-Kreis und des Kolping-Bildungswerks, in Kooperation mit dem evangelischen Kirchenbezirk Wertheim und der Caritas Heilbronn-Hohenlohe. Ziel der Fach-stelle ist es, die Flüchtlingsarbeit im Main-Tauber-Kreis mit fachlichen, organisatorischen, finanziellen und personellen Ressourcen zu stärken und zu begleiten. Besonderer Fokus liegt dabei auf der Unterstützung bürgerschaftlichen Engagements, insbesondere der Asyl-Helferkreise. Dies geschieht beispielsweise durch Beratung, Schulung und Vernetzung.

Auch die Arbeit mit Kirchengemeinden stellt einen wichtigen Bestandteil des Aufgabenspektrums dar. Daneben wird auch die Zusammenarbeit und Vernetzung mit weiteren Akteuren in der Flüchtlingsarbeit angestrebt und ausgebaut. pm