Bad Mergentheim

Buchvorstellung Die Geschichtswerkstatt stellt 32 interessante Persönlichkeiten aus Bad Mergentheim und den Stadtteilen vor / Spiegel des 20. Jahrhunderts

„Zeitgeschichte erlebbar gemacht“

Archivartikel

Die Geschichtswerkstatt präsentierte ihr neues Buch. Es enthält 32 Biografien Bad Mergentheimer Bürger aus dem 20. Jahrhundert.

Bad Mergentheim. Else Bofinger war die erste Frau in Bad Mergentheim, die in den Gemeinderat gewählt wurde. Das war 1946, als sie für die Liste der christlich-demokratischen Vereinigung angetreten war. Da war sie, die „willensstarke“ und „großzügig dem Leben zugewandte Frau“, die zusammen mit ihrem Mann die Kurklinik am Frauenberg gegründet hat, immerhin schon 68 Jahre alt.

Sie hatte sich schon frühzeitig politisch engagiert, setzte sich für die Rechte der Frauen ein und unterzeichnete 1918 einen in der Tauber-Zeitung veröffentlichten Aufruf zu Frauenversammlungen in Mergentheim, Weikersheim und Vorbachzimmern. Als Gemeinderätin „hat sie sich mit mitfühlendem Herzen und beredtem Mund vor allem für die schwachen Glieder der Gemeinde eingesetzt, die in ihren vielfältigen Sorgen der Fürsprache und Betreuung bedurften“.

Else Bofinger ist eine der vier Frauen im Buch der „32 Lebensbilder aus der Zeit von 1914 bis heute“, das Autoren des Vereins Geschichtswerkstatt Bad Mergentheim und Gastautoren erarbeitet haben und das im Kulturforum vorgestellt wurde. Neben Else Bofinger wird auch das Leben von Bertha Wunderlich (1888 bis 1964) geschildert, wobei die Vorsitzende des Vereins, Hannelore Müh-Mainos, die Biografie der Herbsthäuser Brauereibesitzerin und Gasthofwirtin vorlas und dabei beispielhaft zeigte, dass anhand der Lebensgeschichte auch Brauereigeschichte und Zeitgeschichte deutlich gemacht werden kann. So weigerte sich Bertha Wunderlich 1933 mit Vehemenz erfolgreich gegen das Ansinnen der NS-Kreisleitung, über dem Eingang der Gaststube den Spruch „Grüß Gott“ durch „Heil Hitler“ zu ersetzen.

Müh-Mainos dankte allen, die das Zustandekommen des Buches unterstützt haben und hob besonders den „enormen Arbeitsaufwand“ von Stadtarchivarin Christine Schmidt (sie ist auch Schriftführerin des Vereins) hervor, bei der alle Fäden zusammenlaufen.

Ein Dank galt auch dem Oberbürgermeister für sein Grußwort im Buch, das, so Udo Glatthaar, „Lebenswege spannender Persönlichkeiten unserer facettenreichen Stadt“ erzählt.

Verkehrsdirektor Kersten Hahn dankte der Geschichtswerkstatt dafür, dass sie „mit Herzblut Geschichte bewahrt und erlebbar macht“. Anschließend stellte die Stadtarchivarin die 32 Lebensbilder einzeln in Kurzform vor, wobei der Bogen von August Balling, Malermeister und Künstler, Restaurator Willy Eckert, Johann Hammer, Geschäftsführer der Süddeutschen Hammerwerke, Dr. Karl Lanig, Hausarzt in Markelsheim, bis hin zu Oberbürgermeister Dr. Elmar Mauch und Maurus Weber, Stadtrat und Gründer einer Bau- und Spargenossenschaft reicht.

Da die Liste erwähnenswerter Menschen für das jetzige Lebensbilder-Buch größer war, als es der Umfang zuließ, ist ein weiterer Band mit Bad Mergentheimer Biografien aus dem 20. Jahrhundert geplant, der allerdings erst 2020 herauskommen soll. Für das nächste Jahr ist ein Band mit Persönlichkeiten des Deutschen Ordens vorgesehen, dessen Herrschaft im Jahr 1219, also dann vor 800 Jahren in Mergentheim begann.