Bad Mergentheim

150 Jahre Tauberbahn Bad Mergentheimer Bahnhof 1869 erbaut / Turmuhr zeigte württembergische und badische Uhrzeit

Zentrale Funktion bei Militär-Manöver

Der Bad Mergentheimer Bahnhof existiert bereits seit 1869. Seit damals hat sich dort einiges getan. 1909 spielte er während des Kaisermanövers eine zentrale Rolle.

Bad Mergentheim. Der Bahnhof Bad Mergentheim wurde 1869 unter der Regie der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn erbaut. Der Verantwortliche der Bauarbeiten war Inspektor Knoll von der Eisenbaubauinspektion Weikersheim. Auf dem Gelände wurden das Empfangsgebäude, Güterschuppen und eine Vieh- und Equipagenrampe errichtet.

Der Wechselbahnhof hatte eigene badische und württembergische Anlagen. Dieses waren Bedienstetenwohnungen, Lokomotivremisen, Wagenremisen und Drehscheiben, die jeweils der Großherzoglich Badischen und der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn unterstanden. Zur Länderbahnzeit befand sich die Bahninspektionsgrenze zwischen der Königlich Württembergischen Staatseisenbahn und der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahn bei „km 59+588“ – knapp 100 Meter vor dem Posten am Bahnübergang Flürlesweg, ersichtlich aus einem alten Mergentheimer Bahnhofsplan.

Unterschiedliche Zeiten

In den Anfangsjahren verkehrten dort täglich auf der Strecke Wertheim-Mergentheim sechs badische Züge und auf der Strecke Mergentheim-Crailsheim drei württembergische Züge. Die Abfahrtszeiten waren in badischer und württembergischer Zeit angegeben. Um die Bevölkerung von Mergentheim nicht zu irritieren, baute man einen Bahnhofsturm mit einer Uhr. Deren eine Seite zeigte die badische Uhrzeit – die andere Seite die württembergische Uhrzeit an. So beschloss man, auf dem höchsten Punkt der Turmuhr ein Läutwerk anzubringen, welches bei der Ankunft und der Abfahrt der Züge ertönte. Schrill hallte dessen Klang über die Dächer der Stadt. Man konnte es bis zum Deutschordensschloss hören. 1873 wurden über die badische Güterstation Mergentheim bereits 161 735 Zentner Güter versandt und 138 863 Zentner empfangen. 35 609 Fahrgäste reisten dort im gleichen Jahr an und ab. Eine Fahrkarte kostete damals pro Meile (7,5 Kilometer) auf der Strecke Königshofen-Mergentheim in der ersten Klasse 18,33 Kreuzer, der zweiten Klasse 12,50 Kreuzer und der dritten Klasse acht Kreuzer. Zum Vergleich: Ein Schoppen Wein kostete damals in einem Gasthaus 4 Kreuzer. Noch bis zum Bau des Mergentheimer Postamtes 1904 befand sich die Poststation im Mergentheimer Bahnhof. Der Telegrafist der Bahn verrichtete den Telegrafen- und Telegrammdienst mit. Täglich holte die Postkutsche Briefe und Güter ab und fuhr diese nach Dörzbach.

Eine bedeutende Rolle spielte der Mergentheimer Bahnhof während des Kaisermanövers im September 1909 als dort Fahrzeuge, Pferde, und Truppenverbände mit der Bahn ankamen. Am Ende des großen Manövers wurden von dort in nur zwei Tagen 165 Züge mit 107 000 Mann, 7800 Pferde, 1300 Fahrzeuge und 632 000 Kilogramm Gepäck in die Garnisonen zurücktransportiert. Das war eine gewaltige logistische Aufgabe für die Eisenbahner.

1925 verkaufte der Bahnhof 139 024 Fahrkarten und hatte einen Güterempfang von 48 072 Tonnen. Im gleichen Jahr wurden dort 2701 Großtiere empfangen und 2499 verschickt. Durch die Ansiedlung weiterer Firmen stieg der Güterverkehr in den 1930er Jahren weiter an. 1935 wurde der Bahnhof umgestaltet. Das Mittelstück wurde vorgezogen, die Arkade entfernt und die Freitreppe verschwand. Der badische und der württembergische Bahnhof wurden zusammengelegt. Im gleichen Jahr wurden die beiden Stellwerke I und II gebaut. Während des Zweiten Weltkrieges hatte die Tauberbahn eine wichtige strategische Bedeutung. Von dort wurden die Truppenteile der Mergentheimer Garnison mit der Bahn an die Front transportiert. Am 9. Mai 1948 traf der Deutschordensexpress als erster fahrplanmäßiger Schnelltriebwagen von Stuttgart in Bad Mergentheim ein. Der Bahnhof hatte starken Kurgastverkehr mit Kurswagen von und nach Dortmund und Hamburg. Einen Schwerpunkt bildete der starke Gepäckverkehr. 1976 wurde der größte Teil der Stückgutbahnhöfe, das 400er Modell, aufgehoben und auf die Bahnhöfe Wertheim und Bad Mergentheim konzentriert. Danach versorgte die Kurstadt die Bahnhöfe Tauberbischofsheim, Lauda, Teile von Osterburken, Weikersheim und einen Teilbereich von Blaufelden. Für diese Aufgabe hatte die Dienststelle noch bis 1993 einen örtlichen Rangierdienst mit eigener Kleinlok und eigenem Personal.

Außenstelle von Lauda

Das moderne Reisezentrum konnte noch vor der Umwandlung in die Bahn AG genehmigt und umgebaut werden. Letzter Dienstellenleiter war dort von 1974 bis 1993 Richard Ries. Im gleichen Jahr wurde Bad Mergentheim eine Außenstelle des Bahnhofs Lauda. Seit 2006 gehört die Station, in der noch das Reisezentrum und die beiden Stellwerke besetzt sind, zur Westfrankenbahn.

2007 wurde der Güterbahnhof mit seinen Gleisanlagen und die Verladerampe für den Neubau des „Activ-Centers“ abgebrochen. Im ehemaligen badischen Lokschuppen und dem dazugehörigen einstigen badischen Bahnareal entstand nach dem Rückbau der Bahnanlagen ab 2014 die Wohnanlage Herrenmühl-Park. Über die Zukunft und die aktuelle Situation des Bad Mergentheimer Bahnhof informierte die Westfrankenbahn. Seit dem 9. Dezember werden mehrere Dieseltriebwagen (VT 628 und VT 642) über Nacht im Bahnhof Bad Mergentheim abgestellt. Dabei handelt es sich um eine verkehrliche Vorstufe zur Inbetriebnahme des Netzes II „Hohenlohe-Franken-Untermain“. Die vollständige Inbetriebnahme erfolgt im kommenden Dezember.

In diesem von den Ländern Baden-Württemberg und Bayern gemeinsam durchgeführten Wettbewerbsverfahren wurden neue Fahrzeiten, zusätzliche Züge und geänderte Start- und Zielbahnhöfe vorgegeben. Bad Mergentheim ist dabei eine wichtige verkehrliche Drehscheibe. Der Verkehrsbetrieb der Westfrankenbahn hat dazu bereits eine neue Meldestelle eingerichtet und wird ein modernisiertes Reisezentrum im Bahnhof Bad Mergentheim einrichten. Im Zielstand werden dort mehrere Fahrzeuge der BR 642 abgestellt und bis zu 40 Mitarbeiter beschäftigt.