Bad Mergentheim

Beim Hachteler Dorffest Werke von Marianne Erber ab 7. Juli im Mergenthaler-Museum zu sehen

Zerlesene Schmöker werden zu Kunst

Archivartikel

Hachtel.„Neues aus alten Büchern“ zeigt Marianne Erber aus Bad Mergentheim in einer weiteren Ausstellung. Diese kann erstmals beim Hachteler Dorffest am Sonntag, 7. Juli, besichtigt werden. Danach haben das Museum und die Ausstellung immer am ersten Sonntag im Monat von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

Das Dorffest selbst beginnt am Samstag, 6. Juli, mit einer „Blaulichtparty“ der Jugendfeuerwehr. Am Sonntag findet traditionell ein ökumenischer Gottesdienst mit musikalischer Umrahmung statt, anschließend besteht die Möglichkeit zum Mittagessen. Am Nachmittag ist am Dorfgemeinschaftshaus nach dem Auftritt der Kindergartenkinder das Thema „Heuernte“ vorgesehen, unter anderem mit Schau-Mähen sowie der Heuwerbung durch Aufbocken.

Die Künstlerin Marianne Erber hätte für ihre neue Ausstellung keinen passenderen Ort finden können als das Hachteler Museum. Schließlich hat Ottmar Mergenthaler, Lehrersohn und Uhrmacher aus Hachtel, im Jahr 1886 die „Linotype“ erfunden, eine Zeilensetz-, Gieß- und Ablegemaschine für Schriftzeichen, die durch eine schreibmaschinenähnliche Tastatur bedient wird. Bücher, Zeitschriften, Tageszeitungen, wissenschaftliche und religiöse Schriften konnten nach dieser Erfindung massenweise hergestellt und verbreitet werden. Das technische Prinzip hatte fast 100 Jahre Bestand, bis es von Fotosatz und später Desktop-Publishing abgelöst wurde. Die Gedenkstätte zu Ehren Ottmar Mergenthalers zeigt die Entwicklung der Setztechnik und eine der ältesten Linotype-Setzmaschinen. Der ehrenamtliche Museumsleiter und gelernte Schriftsetzer Horst Wagner lässt bei seinen Führungen seit vielen Jahren Geschichte lebendig werden.

Indem Mergenthalers Erfindung die schnelle Herstellung von Büchern in großer Stückzahl ermöglichte, war auch die Grundlage für „Neues aus alten Büchern“ gelegt. Denn Bücher gibt es heute in jedem Haushalt. Manche sind Lieblingsbücher und werden immer wieder zur Hand genommen, andere verstauben im Regal. Oftmals werden besondere Bücher über Generationen weitergegeben und wie Schätze gehütet.

Solche Bücher sind für Marianne Erber tabu. Sie verwendet ausschließlich bewusst ausgesonderte und zerlesene Bücher. Sie opfert für ihre Kunst also kein neues Buch, sondern nur solche Bücher, die ansonsten beim Papierrecycling landen würden. Somit lässt sich von einem „Upcycling“ sprechen, verwandeln sich die zum Wegwerfen bestimmten Bücher wieder zu etwas Schönem und Neuen. Aus Einbänden und Seiten werden durch Schneiden, Falten und Formen neue Dinge, zum Beispiel Skulpturen, Bilder, Schmuck, Grußkarten und vieles andere mehr. Marianne Erber war bis 2014 als Lehrerin an der Beruflichen Schule für Ernährung, Pflege und Erziehung (EPE) in Bad Mergentheim tätig. Sie unterrichtete Deutsch, katholische Religion, Aktivierung und textiles Gestalten / Werken.

Zudem war sie 35 Jahre lang Beauftragte für die Schulbücherei. Bekannt ist sie auch als Kursleiterin für die Herstellung von biblischen Erzählfiguren nach Doris Egli. Ihre Kunstwerke aus Büchern stellte sie bereits in der Bad Mergentheimer Volksbank-Hauptstelle am Marktplatz, im Heimatmuseum Igersheim sowie in der Stadtbücherei Weikersheim aus. mam