Boxberg

Systemair Das Werk in Windischbuch hat einen ganz besonderen Auftrag in den letzten Monaten abgewickelt

32 Groß-Ventilatoren für U-Bahn in Teheran

Archivartikel

Die Firma Systemair in Windischbuch hat einen Großauftrag für den Iran abgewickelt. 32 Großventilatoren werden in der neuen U-Bahn in Teheran für Frischluft sorgen.

Windischbuch. Vom Seehof an den Persischen Golf: Kürzlich haben 16 Axial-Ventilatoren das Werk von Systemair in Windischbuch verlassen, um sich auf die Reise nach Teheran zu machen. In der Hauptstadt des Irans werden sie zusammen mit 16 weiteren baugleichen Typen in der U-Bahn für Frischluft sorgen.

Das Werk im Boxberger Stadtteil hat einmal mehr seine Stellung als wichtige Säule der Unternehmensgruppe Systemair unter Beweis gestellt. Nicht nur, dass Windischbuch aufgrund seiner Lage das zentrale Verteilzentrum und somit die Drehscheibe für die Belieferung der Kunden in Zentral- und Südeuropa ist, auch als Kompetenzzentrum für die großen Axialventilatoren nimmt es eine besondere Stellung ein. Und gerade in diesem Bereich war dessen Leistungsfähigkeit und auch Flexibilität gefragt. Der Standort war federführend an einem ganz speziellen Großauftrag beteiligt: Systemair liefert 32 Großventilatoren in der Größe von 2,24 bis 2,5 Meter Durchmesser für die Metro in Teheran. Das Umsatzvolumen beträgt rund zwei Millionen Euro.

Neuland betreten

Nicht nur die Unternehmensgruppe betritt mit der Entwicklung und der Produktion von Axialventilatoren mit einem solchen Durchmesser Neuland, sondern auch das Werk in Windischbuch. Es sind die größten Axialventilatoren, die bislang bei Systemair gebaut wurden. „Die komplette Abwicklung von der Planung über die Montage bis zur Prüfung und dem Export erfolgte am Standort auf dem Seehof“, sagt Projektleiter Dr. Martin Brass gegenüber den FN. „Wir haben hier das größte Prüflabor von allen Standorten. Da hätte es keinen Sinn gemacht, die Ventilatoren beispielsweise in Malaysia zu montieren, dann hierher zu bringen, um sie ausführlichen Tests zu unterziehen, und sie dann wieder nach Teheran zu transportieren.“

„Wir sind jetzt seit fast einem Jahr mit der Sache beschäftigt“, erläutert Dr. Martin Brass. „Es gab viele Gespräche mit dem Kunden, auch mehrere Vor-Ort-Besichtigungen in Teheran und immer wieder Änderungswünsche, die es zu berücksichtigen galt.“

Die Axialventilatoren werden in der Teheraner Metro zwar in erster Linie zur Be-, aber auch für die Entlüftung eingesetzt. „Für den sicheren Betrieb ist es aber auch erforderlich, im Brandfall ein Entrauchungssystem für die U-Bahn-Stationen sowie der Tunnel bereitzustellen“, ergänzt Frank Poppe, Director MRT (Metro-Rail-Tunnel Ventilation). Eine Anforderung war deshalb, so Brass, dass die Ventilatoren auch bei Temperaturen von bis zu 250 Grad Celsius funktionieren. „Unsere Tests haben ergeben, dass sie die große Hitze für mindestens zwei Stunden wegstecken“, so der Projektleiter. In erster Linie aber sollen die Ventilatoren diese Bereiche mit Frischluft versorgen, um für die Fahrgäste im Bereich der Bahnsteige den notwendigen Komfort zu gewährleisten. Die Luftvolumina für einzelne Ventilatoren erreichen bis zu 500 000 Kubikmeter/Stunde. Insgesamt leisten die Ventilatoren bis zu 14 Millionen Kubikmetern in der Stunde.

Systemair liefert für diese Aufgabenstellungen die Großventilatoren für die Be- und Entlüftung der längsten U-Bahnstrecke in Teheran. Der stetige Bevölkerungszuwachs in der Hauptstadt des Iran erfordert eine Anpassung des öffentlichen Transports. Aus diesem Grund werden in Teheran neue U-Bahnlinien gebaut.

„Im Projektverlauf wurde sehr eng mit dem iranischen Kunden die technische Ausführung erarbeitet, um die beste Lösung zu bekommen“, blickt Poppe zurück. Planungsbüros waren involviert, um das Entrauchungskonzept sicher zu gestalten. „Unser Forschungs- und Entwicklungslabor in Windischbuch ist ein wesentlicher Faktor, da die Leistungen der Ventilatoren unseren Kunden dort vorgeführt und damit bewiesen werden können.“

Per Lkw Richtung Teheran

So hielt sich eine Delegation aus dem Iran dieser Tage vor Ort auf, um die Tests hautnah zu verfolgen und sich von der Leistungsfähigkeit der Ventilatoren zu überzeugen. Die Tests ergaben, dass die Ventilatoren die vorgegebenen Parameter erfüllen. Somit verließen die ersten 16 Ventilatoren das Werk in Windischbuch Anfang Februar per Lkw Richtung Teheran, wo die Installation umgehend vor Ort beginnen wird.

Doch nicht nur die Produktion der Axialventilatoren war speziell, auch die Abwicklung des Geschäftes an sich war nicht „business as usual“.

Schließlich handelt es sich um einen Export in ein Land, das unter internationaler Beobachtung steht und kritisch beäugt wird.

„Aufgrund der eingeschränkten Liefermöglichkeiten in den Iran durch ein Embargo, war es unerlässlich, dass das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle die Ausfuhr genehmigt“, erläutert Frank Poppe das besondere Procedere des Großauftrags. „Dies ist nun abschließend geprüft mit der Feststellung, dass die Ventilatoren nicht genehmigungspflichtig im Sinne der zutreffenden EU-Verordnung sind.“

Wichtiger Standort

„Dieser Auftrag ist ein wichtiger und gleichzeitig besonderer für uns. Wir haben die größten Axialventilatoren in der bisherigen Systemair-Firmengeschichte mit einem Durchmesser von 2500 mm entwickelt und gebaut“, betont Kurt Maurer, Geschäftsführer der Systemair GmbH und Mitglied des Vorstands der Systemair-Gruppe. Dessen Abwicklung sei nur mit einem sehr gut aufgestellten Team und dessen hervorragender Engineering-Leistung machbar. „Windischbuch ist für die Systemair-Gruppe ein wichtiger Standort, denn nur hier können so große Ventilatoren in unserem eigenen F&E-Zentrum geprüft werden“, ergänzt Maurer.

Mit dem Bau des neuen Büro- und Kantinengebäudes habe das Unternehmen die Weichen für die Zukunft und das geplante Wachstum gestellt. „Dadurch wird auch deutlich, welch großes Potenzial die Systemair-Gruppe in der Systemair GmbH sieht.“, so Maurer.