Boxberg

Sanierungsmaßnahme Bauarbeiten am alten Rathaus in Bobstadt sind in vollem Gang / Drei Wohnungen und Raum für den Gesangverein

Amtsstube wird zum Wohnzimmer

Noch verhüllen Plane und Gerüst das alte Rathaus in Bobstadt. In wenigen Monaten soll die Sanierung beendet sein.

Bobstadt. „Das Rathaus wird schön, wenn es fertig ist. Auch wenn es jetzt noch ein bisschen aussieht wie bei Christo“, schmunzelt Bürgermeister Christian Kremer über das verhüllte Gebäude. In Kürze soll die Schutzplane an dem ortsbildprägenden Gebäude entfernt werden. Bis die ersten Mieter in das historische Rathaus einziehen können, haben die Arbeiter aber noch einiges zu tun. Sowohl im Außenbereich als auch im Innern muss noch kräftig Hand angelegt werden.

„Die Natursteinarbeiten sind weitgehend abgeschlossen“, resümiert Architekt Dirk Kohler. Der Stein im Sockelbereich hatte für einige Mehrkosten gesorgt, weil mehr schadhafte Stellen zu beheben gewesen waren als ursprünglich gedacht. Jeder einzelne Stein sei angeschaut worden, ergänzt der Rathauschef. „Es ist keine Luxussanierung.“

„Wir haben nur ausgetauscht, was wirklich nötig war“, macht der Architekt deutlich und hebt vor allem die Fenstergewände heraus, die zu erneuern waren. Teilweise seien die Steine wie Schiefer aufgeschichtet gewesen und deswegen ausgetauscht worden. Weil jeder Stein dabei eine Spezialanfertigung sei, treibe das die Kosten in die Höhe.

Nicht ganz fertig ist man mit den Fugen im Sockelbereich. Doch das soll bald erledigt sein. Der farbliche Anstrich des Gebäudes steht als nächste an. Der Grundputz ist bereits aufgetragen, jetzt sei der Oberputz dran, so Kohler. Der Versuch, den Putz auf der Straßenseite zu erhalten, schlug fehl. „Wir haben das Material zur Befestigung getränkt, aber das war nicht erfolgreich.“ Also musste man eine neue Schicht auftragen.

So ganz zufrieden mit dem zeitlichen Ablauf ist Bürgermeister Christian Kremer nicht. „Wir wären gerne schon weiter“, meint er. Doch das lag nicht in den Händen von Architekt Dirk Kohler. Beide verweisen auf die Überlastung der Baufirmen und auf Auflagen durch das Landesdenkmalamt. Eine ist, dass der Treppenaufgang nicht verändert werden darf. „Wir wollten die beiden Treppenstufen vom Gehsteig wegnehmen und einen durchgängigen Fußgängerweg erhalten“, so der Rathauschef. Das wäre auch Ortsvorsteher Alwin Deißler lieber gewesen. Doch an dem Gebäude von 1844 durfte das nicht verändert werden.

Erhalten bleibt den Bobstadtern auch die historische Holzeingangstür mit den Eisenbändern. Nach dem Abschleifen soll das Holz wieder in neuem Glanz erstrahlen. Diese Prozedur erfährt auch die ursprüngliche Holztreppe mit den Wänden am Aufgang ins Obergeschoss und dem Geländer, das derzeit noch in einem satten Rot-Ton gestrichen ist.

Verändert hat sich vor allem der Innenbereich. Das Dach wurde gedämmt und neu gedeckt, weil einige Ziegel im Laufe der Jahre zu Bruch gegangen waren. Neue Fenster wurden eingebaut, elektrische Leitungen verlegt und Vorbereitungen für die künftige Pelletsheizung getroffen, die die alte Elektroheizung ersetzen wird. Auch der Dämmputz auf den Innenmauern ist bereits mit den historischen Rundungen aufgebracht, die statische Ertüchtigung erfolgt.

Drei Wohnungen geplant

Der große Raum soll auch weiterhin das Domizil des Gesangvereins bleiben. Die Sänger sind während der Bauphase im Pfarrsaal untergebracht.

Eine kleine Wohnung wird aus dem früheren Sitzungssaal und der ehemaligen Amtsstube des Ortsvorstehers daneben entstehen. Die Trockenbauer werden in den nächsten Tagen noch die Decken abhängen und die Wände verkleiden. Im Obergeschoss hat man Platz für zwei Wohnungen, die nach der Sanierung vermietet werden sollen. Interessenten gibt es bereits, freut sich der Bürgermeister über die Anfragen.

Die Ortsverwaltung wird auch weiterhin in dem Gebäude zu finden sein. Das Amtszimmer des Ortsvorstehers zieht jedoch in den ehemaligen Verkaufsraum im Kellergeschoss. „Und für die Sitzungen gehen wir gleich ins Dorfgemeinschaftshaus“, sagt Deißler. Er ist froh, dass die Kollegen im Gemeinderat der Sanierung des Gebäudes zugestimmt haben – auch wenn jetzt einige Mehrkosten auflaufen. Ein Abriss wäre für ihn auch nicht in Frage gekommen. „Das Rathaus von 1844 ist nicht nur ortsbildprägend an einer markanten Stelle im Dorf, sondern auch ein Teil der Identität für Bobstadt“, ist er überzeugt. Das letzte historische Gebäude im Ort sei auch gleichzeitig die Erinnerung an die ehemalige Selbstständigkeit. „Wenn wir schon so viel Geld in die Hand nehmen, dann soll es auch ordentlich sein“, so Kremer. Die Planung sieht Kosten von rund 700 000 Euro vor. Etwa 100 000 Euro fließen zur energetischen Verbesserung des Gebäudes als Zuschuss aus dem Bundesinvestitionsprogramm.

Bis Ende des Jahres, so das Ziel von Bürgermeister und Architekt, soll die Sanierung beendet sein. Dann können im neuen Jahr die Mieter einziehen.