Boxberg

Kulturkirche Duo „Zwei“ gastierte in Unterschüpf

Anmutig und bewegend

Archivartikel

Unterschüpf.Es ist möglich: Ohne viele Worte zeigt sich im Kirchenraum Dynamik, die Leben spüren lässt, mal nah, mal entzogen. Was die Konzertharfenistin Maren Ferber und die professionelle Tänzerin Sylke Neuffer in der Kulturkirche als Klang und Bewegung, Mimik, Gestik und Farbenspiel inszenierten, wird in den zahlreichen Besuchern lange nachwirken.

Eindrücklich, wie Silke Neuffer die Baumskulpturen des Künstlers Franz Musiol umtanzte, ganz in die Schwingung des Holzes eingefügt, fast verschmolzen. Immer wieder suchte sie in ihren Bewegungen Nähe zur Harfenistin, verknüpfte mit Fäden aus der Harfe das Holz der Skulptur mit dem Holz der Kirchenbank, schaffte so ein Beziehungsdreieck.

Sylke Neuffer bewegte sich im Kirchenraum fast feenhaft, auch hinter dem Altar am Balken des Kreuzes, ihre Hände verzweifelt verspielt. Sie tastete suchend an lichtrot gefluteten Wänden der Kirche entlang und kehrte immer wieder ins Dreieck der Fäden zurück. Maren Ferber variierte dabei an der Harfe virtuos Sequenzen aus dem Präludium Nr. 1 von Johann Sebastian Bach, zunehmend auch in Bewegung mit der Harfe, im Sitzen, im Stehen, zum Teil mit Augen verbunden.

Das Wechselspiel der Künstlerinnen ging soweit, dass Grenzen sich auflösten. Wer tanzt? Wer spielt? Wer singt? Alles verdichtete sich darin, dass Leben sich letztlich jeder Kontrolle entzieht. Aber gerade darin liegt die Chance zu neuer Begegnung. Das haben „Zwei“, das Duo Maren Ferber und Sylke Neuffer aus der Heilbronner Region, in die Sinne gespielt.

Ein Jahr lang wurde die Performance eigens für die Kulturkirche Unterschüpf entwickelt. Der typisch protestantische, worthafte Deutungsrahmen wurde weit überschritten: Schließlich huschte die Tänzerin auf die Kanzel und ließ in schwebenden Harfenklängen geriffelte, bunte Papierstreifen aus den Händen gleiten, die vielfältig in den Raum wehten.

In der Begegnung mit Kunst verliert die Kirche die Einheit des einen, von oben, autoritativ verkündeten Wortes. Ein heilsamer Verlust, denn er mündet ins vielfach gelebte Leben. Ein anmutiger Abend, der zu lebendigen Gesprächen und Begegnungen bei einem Glas Wein anregte und Pfarrer Dr. Heiner Kücherer letztlich bewundernde Worte an die beiden Künstlerinnen richtete mit einem kleinen Gastgeschenk. Er nannte den gelungenen Abend die Premiere eines neuen Produktes innerhalb des umfangreichen Veranstaltungskalenders der Kulturkirche. Der Applaus der Gäste zeigte die Begeisterung. wahe